Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Gruppenarbeit

So klappt es mit dem Teamwork

Tobias Peter
Mythos Team: Ob im Studium oder im Beruf, es gibt kaum etwas, bei dem Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinanderliegen wie bei der Teamarbeit. Eine Typologie.
Die Harmoniesüchtige: Umgänglich, aber fade
Karin hasst Frank. Frank hasst Karin. Beide können Hannah nicht leiden. Hannah wiederum hält sich für sehr beliebt. Deshalb lästert sie unverdrossen mit Karin über Frank und mit Frank über Karin. Dennoch hat er mit den anderen etwas gemeinsam: Sie alle müssen in derselben Gruppe zusammen eine Präsentation erarbeiten. Ob Studium oder Beruf, es gibt kaum etwas, bei dem Anspruch und Wirklichkeit so weit auseinanderliegen wie bei der Teamarbeit. Der Mythos Team: Gemeinsam ist besser als einsam, denn je mehr kluge Köpfe mitarbeiten, desto mehr gute Ideen gibt es.Die Wirklichkeit sieht häufig anders aus: Jeder kämpft für sich. Oder falls das gemeinsame Projekt aus dem Ruder läuft, sogar jeder gegen jeden. Ein Teil der Gruppe spekuliert von Anfang an darauf, dass sich ein oder zwei Blöde finden, die alle Aufgaben allein bewältigen - natürlich im Namen der gesamten Gruppe, welche die Ergebnisse vor der Präsentation großzügig absegnet (ohne an Kritik zu sparen). Im Lauf langwieriger und nervtötender Organisationstreffen drängt sich jedoch auch den Arbeitsscheuen in der Gruppe zunehmend der Eindruck auf, das Ganze hätte jeder allein vermutlich schneller und besser gemacht.

Die besten Jobs von allen

Und jetzt? Einfach alles hinschmeißen und sagen: "Mit diesen Menschen kann ich nicht arbeiten?" Hätten viele nicht genau das bereits gern gemacht, als der Deutschlehrer uns damals in unsere erste Gruppenarbeit zwang? Das Problem ist: Wenn jemand nicht mit einer Gruppe zurechtkommt (auch wenn sie noch so ineffizient ist), fällt das nie auf die anderen, sondern immer auf ihn selbst zurück. Wer darauf drängt, allein arbeiten zu dürfen, gilt als überheblich, unsozial, untragbar. Als nicht teamfähig abgestempelt zu werden, kann die eigene Karriere erheblich behindern.Deshalb empfiehlt es sich, nach außen auch zum schlechten Teamspiel immer eine gute Miene zu machen. Die richtige Strategie nach innen: mitarbeiten und darauf achten, dass dies auch die anderen tun. Dafür ist es wichtig zu erkennen, wie die anderen Teammitglieder ticken. Denn im Wesentlichen finden sich in jedem Team ganz bestimmte Typen wieder: das Alpha-Tier, der Trittbrettfahrer, der Klassenclown, der Stänkerer, der Harmoniesüchtige und die Schlafmütze (in der Praxis gibt es natürlich auch Mischtypen, die sich je nach Tagesform unterschiedlich einbringen). Wenn erst einmal klar ist, um welchen Typen es sich bei einem Teammitglied handelt, gibt es passende Strategien, um die Person einzubinden. Hätten Karin, Frank und Hannah das doch bloß gewusst.Der Harmoniesüchtige und die SchlafmützeDer Harmoniesüchtige: Lieber Himmel, dieser Mensch ist ja so nett, handzahm und zuvorkommend: Sich mit dem Harmoniesüchtigen zu streiten, gleicht dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. Kaum entsteht auch nur der Ansatz der Möglichkeit einer kleinen Konfrontation, weicht er zurück. Der Harmoniesüchtige kämpft nicht für eigene Vorschläge, auch wenn sie brillant sind. Dafür gewinnt er fremden Vorschlägen nur das Beste ab, auch wenn sie unfassbar dämlich sind. Über den Harmoniesüchtigen darf jeder gemeine Witze reißen - er lacht dann schon aus Höflichkeit mit, ohne auf gleiche Weise zurückzuschießen. Im Studentenwohnheim oder einer x-beliebigen anderen WG ist er der perfekte Mitbewohner, weil er die ekligen Rückstände der anderen im Bad lieber still und leise selbst wegschrubbt, als das Hygiene-Drama zur Sprache zu bringen. Praktisch. Doch in der Gruppenarbeit ist Streit wie das Salz in der Suppe. Zu viel führt zu einem grässlichen Nachgeschmack. Aber zu wenig führt zu einem faden Ergebnis.
Lieblingssatz: "Jetzt verhaltet euch doch bitte friedlich - womit ich eure Art zu diskutieren nicht kritisieren wollte, ehrlich nicht, das dürft ihr jetzt nicht falsch verstehen, bitte."
So wird er/sie am besten in die Gruppenarbeit eingebunden: Der Harmoniesüchtige ist leicht zu überreden, auch die unbeliebtesten Aufgaben zu übernehmen (Archiv-Recherche, kopieren, Kuchen backen). Sollte ihm doch mal der Geduldsfaden reißen und er sich zu echtem menschlichen Widerstand hinreißen lassen: umso besser. Vielleicht bringt er sich dann auch mal ganz normal in die Gruppe ein.
Die Schlafmütze: Die Schlafmütze kommt oft zu spät und dann noch nicht mal mit. Eine Bequemlichkeit, die in jedem Menschen steckt, nur dass die meisten sie nicht so hemmungslos rauslassen. Ihren Namen hat die Schlafmütze, weil sie gern auch schon mal wegdöst. Oder zumindest lieber aus dem Fenster an die kahle Betonwand gegenüber starrt, als der Flip-Chart-Präsentation zu folgen oder sich an der Diskussion zu beteiligen. Seine Rechnung (die einzige, die er im Verlauf der Gruppenarbeit anstellt): Einen Totalausfall kann jede Gruppe gerade noch verkraften. Dass er mit dieser Nummer durchkommt, hat ja auch etwas Sympathisches. Schließlich würden es ihm viele gern gleichtun. Trotzdem ist er unter dem Strich eine Belastung für die Gruppe, weil alle anderen mehr arbeiten müssen.
Lieblingssatz: "Das ist ja alles so unglaublich anstrengend."
So wird er/sie am besten in die Gruppenarbeit eingebunden: Um seine Anwesenheit sicherzustellen, wäre es sinnvoll, die Treffen bei ihm im Büro oder am besten gleich bei ihm zu Hause abzuhalten. Sinnvoll ist, der Schlafmütze überschaubare, langsam größer werdende Aufgaben zu übertragen und sie dabei regelmäßig zu kontrollieren.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick