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Tschüss, Ich-AG

So gibt es Gründungszuschuss

Katja Stricker
Ich-AG und Überbrückungsgeld ade: Ab 1. August 2006 können Arbeitslose, die sich selbstständig machen wollen, den neuen Gründungszuschuss beantragen.
Achtung bei kurzfristigen Torschluss-Aktionen!Foto: © Bob_Buttons - aboutpixel.de
Im Jahr 2002 wurde die "Ich-AG" zum Unwort des Jahres gekürt. Dass ihrem Nachfolger eine ähnlich zweifelhafte Ehre zuteil wird, ist eher unwahrscheinlich. Denn die neue Gründerhilfe für Arbeitslose, die ab 1. August Ich-AG und Überbrückungsgeld ablöst, heißt schlicht "Gründungszuschuss" und ist eine Mischung aus beiden bisherigen Modellen: Neun Monate lang gibt es eine Förderung in Höhe des individuellen Arbeitslosengeldes, die meist 67 Prozent des früheren Nettolohns entspricht. Hinzu kommt eine Pauschale von 300 Euro für die Sozialversicherungsbeiträge.Guter Start wird belohnt
Wer bisher zum Beispiel ein Monatsbrutto von 3.800 Euro hatte, erhält mit dem neuen Gründungszuschuss rund 1.470 Euro monatlich für das nächste Dreivierteljahr. Läuft die Gründung gut, wird die Sozialabgabenpauschale von 300 Euro noch ein halbes Jahr weitergezahlt. Die Entscheidung liegt im Ermessen der jeweiligen Arbeitsagentur. Nach 15 Monaten steht der Gründer komplett auf eigenen Füßen.
Der Gründungszuschuss ist steuerfrei, dafür müssen sich die neuen Selbstständigen um ihre Sozialversicherungen selber kümmern. In der gesetzlichen Krankenkasse können sie sich zum ermäßigten Mindestbeitrag versichern. Aber im Gegensatz zu den Ich-AGlern werden die neuen Gründer keine Pflichtmitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung, sondern müssen privat vorsorgen.
Anspruch auf das Geld hat nur, wer offiziell arbeitslos gemeldet ist. Ein direkter Übergang vom bestehenden Job in die Selbstständigkeit ist mit dem Gründungszuschuss nicht möglich. Um die Förderung zu kassieren, steht also nach der Kündigung erst der Gang zur Arbeitsagentur an. Wer ohne wichtigen Grund selbst kündigt, muss bis zum Ende der Sperrzeit warten, bis er den Zuschuss beantragen kann.

Die besten Jobs von allen

Aus für Torschluss-Gründer
Monatelang abwarten und kurz vor Auslaufen seines Arbeitslosengeldes Gründerförderung beantragen - das läuft künftig nicht mehr: Den neuen Zuschuss bekommt nur, wer noch mindestens drei Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld hat. Für alle, die schon länger erwerbslos sind, gibt es eine Übergangsregelung: Sie können noch bis zum 31. Oktober 2006 das alte Überbrückungsgeld beantragen.
Um Förderung zu erhalten, muss der Gründer einen schlüssigen Businessplan vorlegen und seine Geschäftsidee von einer fachkundigen Stelle, zum Beispiel Berufsverband, Handelskammer oder Steuerberater, prüfen lassen. Außerdem verlangen die Mitarbeiter der Arbeitsagentur einen Nachweis über die persönliche und fachliche Eignung. "Was sich genau dahinter verbirgt, ist zurzeit noch unklar", sagt Andreas Lutz, Herausgeber des Internet-Ratgebers ueberbrueckungsgeld.de. "Gibt es Zweifel an den Fähigkeiten, kann die Arbeitsagentur beispielsweise die Teilnahme an einem Vorbereitungskurs verlangen."
Bei Pleite kein zurück
Großer Nachteil der neuen Regelung: Der bei Gründung noch vorhandene Anspruch auf Arbeitslosengeld, der bisher erhalten blieb, wird mit dem Gründungszuschuss verrechnet. Wer also die komplette Förderung von neun Monaten erhält, hat unter Umständen gar keinen oder nur noch wenige Monate Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn die Gründung sich als Fehlschlag entpuppt.
"Wer sich bisher nach drei Monaten Arbeitslosigkeit selbstständig gemacht hat, behielt den Restanspruch auf neun Monate Arbeitslosengeld, falls die Gründung scheiterte", erläutert Lutz. Streicht der Gründer nun die komplette Förderung ein, fließt künftig kein Euro mehr von der Arbeitsagentur, weil der Gründerzuschuss das Arbeitslosengeld quasi ersetzt.
Abmildern lässt sich das Manko dennoch: Seit Juni können Selbstständige freiwillig in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung einzahlen und so innerhalb von zwölf Monaten einen neuen Anspruch auf Arbeitslosengeld erwerben.
Förderung schnell mal überschlagen
Bisheriges Bruttogehalt: 3.800 Euro/Monat Arbeitslosengeld: 1.170 Euro/Monat
+ Pauschale für Sozialversicherung: 300 Euro/Monat 
= Gründungszuschuss für die ersten neun Monate: 1.470 Euro/Monat
Dieser Artikel ist erschienen am 01.08.2006