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So gelingt die perfekte Rede
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Rhetorik

So gelingt die perfekte Rede

Teil 2: Die Sätze müssen tanzen

Das Üben vor dem Spiegel hält er allerdings für unnötig, weil man sich nicht beobachten und gleichzeitig so tun könne, als sei man unbeobachtet. Auch Freunden und Familie würde er es nicht unbedingt zumuten, sich wieder und wieder die Redeübungen anzutun. Er rät: "Erzählen Sie es ihrem Dackel oder dem Lenkrad." Hauptsache, der zukünftige Redner gewinnt an Sicherheit. Die perfekte Rede basiert laut Rossié auf den drei Rhetorikgrundsätzen, die schon Cicero verwendete: delectare, movere, docere. Die Rede ist also unterhaltsam, berührt und informiert.

Am Anfang steht die Kernbotschaft

"Es muss nicht alles zutreffen", so Rossié. "Wenn ein Redner tolle Sachen erzählt, verzeihen Sie ihm alles." Wer allerdings eine Stimme wie Heidi Klum oder Kermit der Frosch habe, solle daran arbeiten. Gleiches gelte für einen starken Dialekt, Nuscheln oder Lispeln. Außerdem brauche der Redner eine klare Botschaft. "Die meisten erzählen einfach irgendwas" – und das gehe dann schief. Das bestätigt auch Gerriet Danz, Experte für kreative Präsentation. Er sagt: "Werden Sie sich immer zuerst klar, was Ihre Kernbotschaft ist. Welchen einen Satz soll sich das Publikum merken?" Dabei sei es wichtig, den relevanten Nutzen für das Publikum zu kommunizieren. "Was haben die Herrschaften in Euro, in Zeit, in Sicherheit davon, Ihnen zuzustimmen?"

Lebendige Rede

Wenn die Botschaft der Rede klar ist, geht es an die Vorbereitung. Hier empfiehlt Rossié, Themen aufzuschreiben statt ganzer Sätze. Sonst laufe man Gefahr, die Rede abzulesen, statt sie zu halten. Und das sei der Tod für eine lebendige Rede. "Die Sätze müssen tanzen, nicht marschieren – und das tun sie beim Ablesen leider nicht", sagt er. "Die beste Rede ist die, die gar keine ist", sagt auch Stefan Wachtel von ExpertExecutive in Frankfurt. Er coacht unter anderem Manager von Dax-Konzernen. Auch wenn eine Rede bei einer Bilanzpressekonferenz natürlich nie so locker sein könne, wie die auf einer fröhlichen Feier, empfiehlt er allen seinen Schützlingen, den Dialog statt des Monologs zu wählen. "Die Wichtigsten sind die auf der anderen Seite", sagt er. Deshalb solle man Reden in einer mündlichen Sprache schreiben. Gerade bei Hauptversammlungen falle auf, dass Manager zu korrekt und faktenlastig formulieren, ihre Reden im Schriftdeutsch texten und dann einfach ablesen werden. Er bearbeite die Reden deshalb mit den Vorständen so, dass es am Ende Stichwortkonzepte sind.

Das Publikum ansprechen

Die Stichworte zur Rede sind notiert, die Botschaft ist klar und der Dackel war bei jedem Spaziergang ein geduldiger Zuhörer. Jetzt wird es ernst, das Publikum schaut erwartungsvoll. Erst einmal durchatmen, rät von der Weth. Sie sagt: "Konzentrieren Sie sich auf Ihre Atmung und Ihre Körperspannung. Verharren Sie in dieser Haltung schweigend so lange vor Ihrem Publikum, bis es still ist." Erst wenn Ruhe eingekehrt sei – und zwar sowohl im Publikum als auch im Redner – beginnt die Rede. Jessica Wahl, Personal Performance Coach, empfiehlt außerdem, erst die Augen und dann den Mund aufzumachen.

"Gehen Sie bereits kurz bevor Sie Ihre Rede beginnen, in Blickkontakt mit Ihrem Publikum und sprechen Sie möglichst frei, sodass Sie mit Ihrem Publikum in Beziehung gehen können", sagt sie. Es herrscht also Ableseverbot. Einzelne Zahlen und Fakten dürfen natürlich nachgeschaut werden, aber ansonsten gehört der Blick ins Publikum. "Ab und an ein Lächeln", so Wahl, " kann Wunder wirken." Und die Hände bitte nicht in die Hosentasche stecken oder hinter dem Rücken verstecken. "Mit den Händen zeigen Sie, dass Sie "handlungsfähig" sind", so Wahl. Sie gehören deshalb locker in Gürtelhöhe, sodass der Redner sie bei Bedarf jederzeit öffnen kann. Wildes Herumgefuchtel mit den Händen lenkt allerdings nur ab. Dasselbe gilt für das nervöse Herumzupfen an Kleidung oder Manuskript. "Setzen Sie Gesten sparsam, aber gezielt ein", rät von der Weth.

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