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Erfolg macht unsozial
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Erfolgspsychologie

So entsteht Hilfsbereitschaft

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Schon kleine Kinder sind eher hilfsbereit, wenn sie glauben, einen niedrigeren Status als andere zu haben. Wer selbst gewinnt, denkt weniger an andere, zeigen psychologische Versuche.
Dass nicht alle Menschen gleichermaßen sozial denken und handeln, liegt auf der Hand. Das Spektrum menschlichen Verhaltens reicht von rücksichtslosem Egoismus bis zur selbstlosen Aufopferung für andere. Doch völlig willkürlich lassen sich Menschen innerhalb dieser Bandbreite offensichtlich nicht verorten. Wie psychologische Versuche jetzt gezeigt haben, besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem sozialen Status und den sozialen Überzeugungen und Handlungen von Menschen.

Große Hilfsbereitschaft unter Gleichen

Psychologen um Ana Guinote vom University College London haben in vier Experimenten nachgewiesen, dass Menschen mit geringem Prestige, also Ansehen bei anderen, eher gemeinschaftliches Verhalten zeigen und an sozialer Gleichheit orientierte Werte vertreten, als solche, die einen hohen Status innehaben.

Besonders erstaunlich: Das gilt schon bei Kleinkindern. Vorschüler mit geringem Sozialprestige waren in Versuchen eher bereit, anderen Kindern zu helfen, selbst wenn das mit größerem Aufwand verbunden war. "Dieses Muster der Beziehung zwischen sozialer Hierarchie und Altruismus taucht auf, bevor die Kinder lesen können und bevor sie komplexe moralische Überlegungen und soziale Wahrnehmungen anstellen können", schreiben die Autoren.

Durchsetzungsvermögen als Indikator

Im Test mit 48 Vorschulkindern von durchschnittlich 4,7 Jahren wurden jeweils zwei gleichaltrigen Kindern desselben Geschlechts zwei Spielzeuge zur Auswahl präsentiert: ein beliebtes und ein weniger beliebtes. Wer sich im Wettbewerb um das beliebtere Spielzeug durchsetzte, galt für die folgende Untersuchung als höher stehend.

Dann wurden die Kinder gefragt, ob sie von fünf Stickern, die sie erhalten hatten, einige an ein angebliches Kind im Krankenhaus ohne Sticker abgeben möchten. Die Verlierer des vorhergegangenen Wettbewerbs gaben im Schnitt häufiger und mehr Sticker an vermeintlich kranke Kinder ab als die Gewinner.

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