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Digitaler Wandel
Foto: Tatiana Shepeleva/Fotolia.com
Digitale Revolution im Personalwesen

Sind Computer die besseren Personaler?

Teil 4: Der gläserne Mitarbeiter

Ein schöner Erfolg, auf den der Versicherer eigentlich stolz sein könnte. Doch seinen Namen will er in dem Zusammenhang lieber nicht öffentlich nennen. Denn das Projekt war eine rechtlich heikle Mission. Die Berater fanden etwa heraus, dass Mitarbeiter, die keine Kinder haben oder keinen Partner unterstützen müssen, ein höheres Abwanderungsrisiko haben. Sollten diese Mitarbeiter künftig höhere Gehälter bekommen, um sie zu binden?

Digitale Überwachung der Mitarbeiter

Das Management dürfte sich auf einen Aufstand der Mütter und Väter im Unternehmen gefasst machen. Oder sollten Menschen ohne Familienanhang wegen ihrer erhöhten Fluchtgefahr am besten gar nicht erst eingestellt werden? Teure Schadensersatzklagen unterlegener Bewerber wären nur eine Frage Zeit.

Da stellt sich die Frage: Ist es noch Personalmanagement oder schon Bespitzelung, wenn eine Firma Psychoprofile erstellt und die Kommunikation von Mitarbeitern auf Facebook und Twitter auswertet? Keine Frage, Angestellte intensiv zu durchleuchten und zu kategorisieren kann schnell in Diskriminierung ausarten und das Betriebsklima vergiften – oder das öffentliche Ansehen des Unternehmens ramponieren. In welchem Umfang Personalabteilungen digitale Daten über Mitarbeiter verwerten dürfen und sollen, ist deshalb umstritten.

Ethische Konflikte in der Praxis

Dennoch scheint die grundsätzliche Marschrichtung eindeutig: Nie gab es mehr personenbezogene Daten in Unternehmen, nie waren Personaler aller Branchen und Länder entschlossener, diese zu nutzen.

Erschafft die Digitalisierung also den gläsernen Mitarbeiter? Entscheiden künftig Algorithmen darüber, wer als Top-Performer aufsteigt oder als Minderleister fliegt? Ersetzt der Computer künftig den Personaler? Solche Fragen lösen Unbehagen aus – und führen bereits zu ersten Protestaktionen aufseiten der Belegschaft. Beim Suchmaschinenkonzern Google verhinderten die Mitarbeiter kürzlich, dass ein Algorithmus über ihre Karriere entscheidet – dabei ging es bei dem Programm ausschließlich um Beförderungen. In Testläufen hatte das System außerdem bewiesen, dass es in 90 Prozent der Fälle richtig entscheidet. Trotzdem lehnten die Programmierer ab: Sie wollten von einem Menschen befördert werden, nicht von einer Maschine.

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