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Porträt

Sie rückt nur allzu gern mit der Sprache raus

Diana Fröhlich
Die Bulgarin Nelly Kostadinova nutzte die Freiheiten nach 1989: Sie wagte einen Neuanfang in Deutschland und hatte Erfolg. Von Köln aus sorgt sie heute dafür, dass weltweit sprachliche Grenzen überwunden werden.
Nelly Kostadinova, Gründerin und Chefin von Lingua WorldFoto: © David Klammer
Ihr Aufstieg ist kein gewöhnlicher, aber auch keiner vom Tellerwäscher zum Millionär. Nelly Kostadinova wollte in der Ferne jemand sein, obwohl sie in der Heimat bereits jemand war. Die Bulgarin, in ihrem Land eine bekannte Journalistin, verließ nach der politischen Wende im Jahr 1989 ihr Land, um in Deutschland Karriere zu machen. Heute ist die 54-jährige Unternehmerin in Köln.Ihre Firma, der Sprachdienstleister Lingua-World, macht pro Jahr mehrere Millionen Euro Umsatz. "Ich will hier in diesem Land jemand sein, der Verantwortung für andere Menschen trägt, das ist meine Vision", sagt Kostadinova mit osteuropäischem Akzent und einem Lächeln auf den Lippen.

Die besten Jobs von allen

Von der Urkunde bis zum Buch1997 hat sie sich mit einem kleinen Dolmetscher- und Übersetzungsbüro selbstständig gemacht - und ist nach und nach gewachsen. Mittlerweile hat sie 15 Filialen in ganz Deutschland. Ihre Dienstleistungen umfassen alles, was mit Sprache zu tun hat: An einer Urkunde, die übersetzt werden muss, verdient sie 50 Euro, der Tagessatz eines Dolmetschers liegt derzeit bei 700 Euro und wenn es um ein Buch geht, das in Indien auf Englisch geschrieben wurde und nun ins Deutsche übersetzt werden soll, dann belaufen sich Kostadinovas Einnahmen schon mal auf 400 000 Euro.Rund 10 000 freie Übersetzer und Dolmetscher hat sie in ihrer Datenbank - und die kümmern sich um Geburtsurkunden, Bedienungsanleitungen, Handbücher. Unternehmen wie der Tüv, Zeiss oder Strabag lassen hier technische Richtlinien oder Mitarbeiterzeitschriften ins Japanische, Russische oder Spanische übersetzen. Und es geht um lukrative Buchprojekte von Universitäten. Welcher Übersetzer aus der weltweiten Datenbank sich wohl mit der Flora und Fauna in Afrika auskennt?Nelly Kostadinova ist gelernte Journalistin, war früher Chefredakteurin einer Lokalzeitung im bulgarischen Balkangebirge und später Kulturjournalistin in Sofia. Nach der Wende hat sie von Deutschland aus in die Heimat berichtet. Dorthin zurück wollte sie allerdings nicht mehr - mit Hilfe eines Stipendiums der Konrad-Adenauer-Stiftung lernte sie in Köln Deutsch, arbeitete danach als freie Journalistin unter anderem für die Welt und die FAZ, schrieb einen bulgarischen Reiseführer und dolmetschte am Gericht.

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