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Arbeitsalter

Senioren gesucht

Claudia Obmann, Peter Thelen
Manager über 60 Jahren kommen in Mode. Kein Wunder, haben sie doch viel Erfahrung und beste Kontakte. Doch um rüstige Rentner zu reaktivieren, braucht es kluge Konzepte. Firmen wie Bosch und Allianz machen es vor.
Das Wissen älterer Manager ist gefragt© Amanda Hsu Perkins - Fotolia.com
Mit 60 Jahren startet Ex-Bundesverfassungsrichterin Christine Hohmann-Dennhardt beruflich noch einmal neu durch: Kaum endete ihre Amtszeit an Deutschlands höchstem Gericht - sonst die Krönung einer jeden Richter-Laufbahn- engagierte Daimler-Chef Dieter Zetsche die erfahrene Juristin als Vorstand für das neu geschaffene Ressort Integrität und Recht.

Vom Richtersaal in die Vorstandsetage eines Dax-Konzerns: Nach einem langsamen Ausstieg aus dem Arbeitsleben, der sonst für viele in diesem Alter ansteht, sieht das für Hohmann-Dennhardt nicht aus. Auch Oswald Grübel will weder rasten noch rosten. Der 67-Jährige Banker ist inzwischen sogar zum zweiten Mal aus seinem ursprünglichen Vorruhestand zurückgekehrt, um ein Schweizer Geldhaus zu sanieren. Nach seinem erfolgreichen ersten Feuerwehr-Einsatz bei der Credit Suisse hat der Unruheständler gerade auch beim größten Schweizer Finanzinstitut UBS die Rückkehr zu schwarzen Zahlen geschafft. In der Branche heißt es bewundernd: "So einen lässt man doch nicht zu Hause versauern."

Die besten Jobs von allen


Methusalem-Manager wie Oswald Grübel oder auch Ekkehard Schulz, der gerade mit 69 seinen Platz als Vorstandsvorsitzender bei Thyssen-Krupp geräumt hat, könnten in Mode kommen. Zwangsweise. Denn der deutschen Wirtschaft droht ein gewaltiger Aderlass: Die Generation der sogenannten Baby-Boomer geht in Rente. Die Gruppe der heute 55- bis 64-Jährigen ist mit einer Erwerbsquote von derzeit 56 Prozent die größte. Und an jüngeren Arbeitskräften wachsen längst nicht mehr genügend nach.

Senioren gesucht

Einige Firmen haben das bereits erkannt. Zu den wenigen Pionieren unter den Arbeitgebern hierzulande zählen Mittelständler wie Autoteile-Lieferant Brose, der schon 2003 mit dem Slogan "Senioren gesucht" Aufmerksamkeit erregte und der westfälische Elektronikproduzent Phönix Contact, der über 50-Jährigen zum Beispiel die Wahl aus bis zu 75 Arbeitszeitmodellen ermöglicht, damit sie ihr Privat- und Berufsleben bequem unter einen Hut bringen können. Gelernt haben sie von den Japanern.

Prominentestes Beispiel unter den japanischen Marathon-Managern ist Kazuo Inamori. Der heute 79 Jahre alte Gründer des Industriekonzerns Kyocera, dessen Stiftung alljährlich den renommierten Kyoto-Preis für überragende Leistungen in Wissenschaft und Kunst vergibt, hat sich im Alter von 77 Jahren überreden lassen, die Fluglinie Japan Airlines aus dem Bankrott zu führen. Er arbeite sehr intensiv an der Rettung und habe dabei erfreulicherweise auch schon vier Kilo abgenommen, lässt er ganz im Sinne der fernöstlichen Fitness-Philosophie verlauten. In Europa wiederum hat Norwegen Maßstäbe in Sachen fortgeschrittenstes Verrentungsalter gesetzt: Erst mit 67 Jahren ist im hohen Norden Schluss mit dem Job - egal, ob Frau oder Mann, Manager oder nicht.

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