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Afrika

Schwarz ist eine Farbe

Kirsten Ludowig
Veye Tatah zeichnet den Deutschen ein buntes Bild von ihrer Heimat. Die Mittel ihrer Aufklärungsarbeit sind ein Verein, ein Magazin, afrikanisches Essen, ein Bildungsprojekt - sowie ihre Persönlichkeit. Mit ihrem Engagement will sie die Kommunikation fördern.
Für Veye Tatah ist Integration vielfältigFoto: © Emanuel Bloedt
Sie versteht sich als geistige Aufklärerin im 21. Jahrhundert, scheut aber nicht davor zurück, sich die Hände schmutzig zu machen und auf die Straße zu gehen. Veye Tatah - T-Shirt, verwaschene Jeans, rote Baseballkappe - poliert auf dem Dortmunder Münsterstraßenfest ein gutes Dutzend Wärmebehälter aus Edelstahl, die sich auf einer langen, schmalen Biertisch-Theke aneinanderreihen. Ihre Hände sind rau und rissig. Sie sehen nach Arbeit aus, genauso wie ihr leicht gewölbter Bizeps. Veye Tatah ist in Eile, kommt ins Schwitzen.Um die 38-Jährige herum wuseln andere afrikanische Frauen. Sie haben die landestypischen Gerichte wie Kochbanane mit Gemüse und Hühnchen, sogenanntes "DG" aus Kamerun, gekocht, die hier verkauft werden sollen. Außer ihrer dunklen Hautfarbe haben sie aber nicht viel mit Tatah gemein. Sie alle tragen farbenfrohe Gewänder mit Turbanen und laufen plaudernd durcheinander. Unter dem blauen Pavillon herrscht Chaos. Immer wieder unterbricht Tatah das Wienern, gibt Anweisungen, gestikuliert wild: "Beeilt euch, wenn die Leute an euren Stand kommen und Essen wollen, dann muss alles fertig sein!"

Die besten Jobs von allen

Der schwarze Kontinent ist vielseitigVeye Tatah, die seit 1991 in Deutschland lebt und seit 2002 deutsche Staatsbürgerin ist, ist eine Ausnahmeerscheinung: Von der typischen Klischee-Afrikanerin, üppige Rundungen, buntes Tuch und mütterlicher Gleichmut, ist die Kamerunerin weit entfernt - häufig wird sie deshalb auch für eine Amerikanerin gehalten. Sie ist Akademikerin, selbständige Beraterin, leitet ein Catering-Unternehmen und ist Mutter von zwei Söhnen.Doch das ist ihr nicht genug. Tatah will etwas bewegen: die bunten Seiten des schwarzen Kontinents zeigen und die Deutschen von ihrem einseitig gefärbten Afrikabild befreien. "Wenn die Medien über Afrika berichten, dann nur über Krieg, Hunger, Krankheit oder Korruption", erklärt Tatah. "Viele Deutsche denken, dass alle Afrikaner, die in Deutschland leben, politische Flüchtlinge oder Asylbewerber sind. Das stimmt erstens nicht und hemmt zweitens die Integration." Ihre Mittel: der Verein "Africa Positive", das gleichnamige Magazin, etliche Förderprojekte und ihre Stimme für Afrika. Bei ihrem Engagement, das teils ehrenamtlich, teils professionell ist, geht sie nicht nur an geographische Grenzen, sondern auch an ihre eigenen.Job und Ausbildung sind die Grundlage für IntegrationSeit über zehn Jahren kämpft Tatah für die etwa 268 000 Afrikaner, die in Deutschland leben. Sie fordert mehr Akzeptanz und weniger Diskriminierung - in der Schule, auf dem Arbeitsmarkt, in der Gesellschaft. Denn Tatah weiß: ohne Ausbildung oder Job ist Integration kaum möglich. 2007 gab es doppelt so viele ausländische Schulabbrecher wie deutsche, das gleiche gilt für die Zahl der Arbeitslosen. Für ihren Einsatz wurde Tatah schon mehrfach ausgezeichnet. Beim traditionellen Neujahrsempfang im Januar auf Schloss Bellevue ehrte sie Bundespräsident Horst Köhler persönlich.Der Weg der Veye Tatah zur Aufklärerin und Aktivistin war kein gerader. Nach dem Abitur und eineinhalb Jahren als Au-pair-Mädchen in Bremerhaven studiert Tatah Informatik an der Technischen Universität Dortmund. 2001 bekommt sie vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) den "Preis für herausragende Leistungen ausländischer Studierender" verliehen. Nach ihrem Abschluss arbeitet sie viele Jahre als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und engagiert sich nebenberuflich bis sie sich Anfang 2008 als Beraterin und Projektmanagerin mit Fokus Afrika selbständig macht.

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