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Geheimnisvolles Gehirn
Forscher versuchen das Puzzle um das Bewusstsein zu lösen. Sie wollen festzustellen, wie Entscheidungen getroffen werden.Foto: AlienCat/Fotolia.com
Wegweiser durchs Unbewusstsein

Schwächen des Gehirns erkennen und nutzen

Claudia Obmann
John-Dylan Haynes, Hirnforscher der Berliner Charité, entschlüsselt das Unterbewusstsein. Im Interview erklärt er, wann Manager Fehlentscheidungen treffen, warum abrupte Strategiewechsel zum Scheitern verurteilt sind und Boni süchtig machen.
Um das Unbewusste zu erforschen, braucht John-Dylan Haynes teure Technik: Der Direktor des Berlin Centers for Advanced Neuroimaging hat dazu in extra abgeschirmten Räumen auf dem Charité-Gelände zwei Magnet-Resonanztomographen (MRT) stehen. Ein Gerät kostet etwa zwei Millionen Euro. In die MRT-Röhre werden Versuchspersonen Kopf voran geschoben, um die grauen Zellen durch die Schädeldecke bei der Arbeit zu fotografieren. Aus den Bildern der Hirnsignale leiten Computer Gedanken und Gefühle der Testpersonen ab.

Prof. Haynes, Sie behaupten, dass viele Managerentscheidungen heimlich sabotiert werden. Nun sind Sie aber kein Verschwörungstheoretiker, sondern Hirnforscher – was ist da los?

(lacht): Unbewusste Einflussnahme trifft es besser, denn unser Gehirn ist der Übeltäter. Wäre es ein Auto, gäbe es längst einen Warnhinweis in der Bedienungsanleitung.

Warum denn das?

Das Gehirn spielt uns ständig Streiche. Es gaukelt uns Dinge vor, die gar nicht da sind. Einfachstes Beispiel: Sie halten sich mal ein Auge zu. In Ihrem Sehfeld gibt es eigentlich einen großen blinden Fleck. Dort, wo der Sehnerv das Auge verlässt, können wir nichts sehen. Davon bekommen wir aber nichts mit. Ohne dass wir es merken, ergänzt unser Gehirn ständig fehlende Informationen. Ist doch praktisch. Ja, aber es ist auch gefährlich. Wieso? Bei unseren Entscheidungen ist die Informationslage oft bruchstückhaft. In vielen Fällen merken wir gar nicht, dass unser Gehirn sich Dinge nur zusammenreimt. Dazu greift es auf eingeschliffene Denkmuster zurück. So beeinflusst es auch unsere Entscheidungen, ohne dass wir davon etwas mitbekommen.

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