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Auszeit

Sabbatical - die Pause vom Job

Teil 4

Birgit Jörding fand durchs Sabbatical zu sich selbstFoto: © Jens Wunderlich
"In den ersten Tagen saß ich völlig antriebslos zu Hause rum", erzählt Jörding. Eine Reise mit ihrer zehnjährigen Patentochter riss sie aus ihrer Lethargie. Zurück in Hamburg brachte sie sich bei, Freizeit zu genießen. Sie ging joggen, frühstückte in Cafés, erkundete die Stadt mit dem Fahrrad. Sie besuchte Freunde in aller Welt und lernte ihren Mann kennen. "Nach einem drei viertel Jahr wurde ich aber nervös. Es musste ja weitergehen", erzählt Jörding. Dass damals der Ausbildungsberuf "Fachangestellter für Markt und Sozialfoschung" geschaffen wurde, war ihre Initialzündung. Die Managerin startete eine zweite Laufbahn - als Berufsschullehrerin. "Jetzt habe ich wieder das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun", sagt sie.Erlaubnis Einen einklagbaren Anspruch auf ein Sabbatical haben Arbeitnehmer in Deutschland nicht. In einigen großen Unternehmen ist die Möglichkeit einer Auszeit mit Arbeitsplatzgarantie jedoch inzwischen in den Betriebsvereinbarungen vorgesehen. Doch auch dann kann der Chef immer noch Nein sagen, wenn die betrieblichen Erfordernisse dagegen sprechen.

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Finanzierung Es gibt verschiedene Modelle, die Auszeit finanziell zu gestalten. In einigen Unternehmen existieren Arbeitszeitkonten: Die dort angesammelten Überstunden oder Urlaubstage werden als Freizeit im Sabbatjahr ausgezahlt. Andere Firmen operieren mit Gehalts-splitting: Wer eine Auszeit plant, verzichtet im Voraus für eine bestimmte Zeit auf einen Teil seines Gehalts. Mit diesem eingesparten Anteil finanziert der Mitarbeiter seinen Ausstieg auf Zeit. Wer es sich finanziell leisten kann, kann natürlich auch unbezahlten Urlaub nehmen.VersicherungNutzt der Mitarbeiter Gehaltssplitting oder Arbeits-zeitkonten für sein Sabbatical, bleibt er über das Unternehmen versichert. Nimmt er dagegen un- bezahlten Urlaub, muss er sich selbst um seine Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung kümmern. Allerdings fallen die Beiträge für freiwillig Versicherte oft niedriger aus, wenn in der freien Zeit keine Einkünfte erzielt werden. Wer ins Ausland reist, ist als Privatversicherter in der Regel ausreichend geschützt. Kassenmitglieder dagegen sollten zuvor den Versicherungsumfang genau klären und ihren Schutz gegebenenfalls im Wege einer Auslandsreise-Krankenpolice aufrüsten. Hilfreiche Informationen gibt es zum Beispiel bei der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland unter www.dvka.de.Wiedereinstieg Das alte Arbeitsverhältnis lebt nach der Rückkehr wieder auf, wenn der Mitarbeiter nicht komplett gekündigt hat. Über spezielle Sabbatical- Verträge können die Parteien vor Antritt des Sabbatjahres genau regeln, unter welchen Konditionen die Arbeit nach der Unterbrechung wieder aufgenommen wird. Wichtig ist dabei, einen Anspruch auf den alten Arbeitsplatz zu vereinbaren. Möglich ist darüber hinaus die Regelung eines Kündigungsverzichts während der Abwesenheit. Und wer seine Auszeit über sein Arbeitszeitkonto finanziert, sollte zudem auf einer Insolvenzsicherung des Kontos bestehen.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.01.2009

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