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Auszeit

Sabbatical - die Pause vom Job

Melanie Rübartsch
Ein Sabbatical ist Risiko und Chance zugleich. Perspektiven ändern sich, Auszeitler bringen neue Ideen und frische Motivation mit. Wir präsentieren Ihnen fünf Erfahrungsberichte von Menschen, die sich getraut haben, den Job eine zeitlang an den Nagel zu hängen.
Ein Sabbatical kann für neue Motivation sorgenFoto: © Gernot Krautberger - Fotolia.com
Noch träumen viele Deutsche nur vom Jobausstieg auf Zeit. 38 Prozent würden nach einer aktuellen Forsa-Umfrage dem Alltagstrott gerne für einige Zeit den Rücken kehren. Wenn die Karriere in eine Sackgasse oder Beruf und Privatleben aus dem Gleichgewicht geraten sind, wollen sie dem Kopf eine Pause gönnen, lang gehegte Träume verwirklichen, sich weiterbilden, Zeit für sich und die Familie haben oder Abstand für Neuorientierung gewinnen. Doch nach Expertenschätzungen sind es gerade mal drei bis vier Prozent der deutschen Arbeitnehmer, die diesen Wunsch auch Wirklichkeit werden lassen. Fast alle, die diesen Schritt gewagt haben, schwärmen davon, wirken inspiriert, frisch motiviert, manche sogar irgendwie geläutert. Und die meisten würden es jederzeit wieder tun.Noch Skepsis in den Führungsetagen

Die besten Jobs von allen

Chefs dagegen, die ihre Mitarbeiter ziehen lassen sollen, waren bislang deutlich weniger begeistert. "Die meisten deutschen Unternehmen stehen dem Thema Sabbatical leider noch eher distanziert gegenüber", beobachtet Barbara Hess. Sie ist Unternehmensberaterin aus Stuttgart und Autorin des Buches "Sabbaticals - Auszeit vom Job". Häufig fürchten die Arbeitgeber den administrativen Aufwand und den Nachahmeffekt. Derzeit bieten gerade mal drei bis fünf Prozent der deutschen Unternehmen ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, ein Sabbatjahr mit Rückkehrgarantie zu nehmen. Vor allem in großen international tätigen Unternehmen und in Beratungsfirmen sei der Ausstieg auf Zeit in Betriebsvereinbarungen geregelt, sagt Hess.In anderen Unternehmen ist Eigeninitiative der Mitarbeiter gefragt, um die Auszeit durchzuboxen. Die Wirtschaftskrise dürfte zwar für viele Anlass sein, über ein Sabbat-Jahr nachzudenken, die Chancen auf eine Rückkehrgarantie an den alten Arbeitsplatz schrumpfen jedoch. Dabei wäre es Hess zufolge längst Zeit umzudenken. "Der Arbeitsdruck wird immer höher, die Lebensarbeitszeit länger und das Bedürfnis nach einer Pause wächst." Die Expertin weiß, wovon sie spricht: Vor acht Jahren hat sie selbst ein Sabbatical genommen. Zugleich bekommt die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bei jungen Leuten einen immer größeren Stellenwert. "Wer gute Leute für sein Unternehmen gewinnen und an den Betrieb binden möchte, muss auf lange Sicht diesen Bedürfnissen gerecht werden", meint die Beraterin.In den Niederlanden oder Skandinavien haben die Unternehmen das längst erkannt. Ein flexibler Umgang mit Arbeitszeit hat dort einen wesentlich höheren Stellenwert als hierzulande. In Dänemark fördert der Staat die Arbeitsunterbrechungen sogar finanziell. Die frei gewordenen Stellen werden im Idealfall von Langzeitarbeitslosen ausgefüllt.Sabbatical verlangt gute Planung"In Deutschland dagegen brauchen ausstiegswillige Mitarbeiter Geduld und Überzeugungskraft, um ihren Traum zu verwirklichen", sagt Hess. Der Mitarbeiter muss sein Sabbatical planen. Sowohl die Rahmenbedingungen (siehe Seite 4) als auch das Gespräch mit dem Vorgesetzten müssen gut vorbereitet sein. "Letztlich muss der Arbeitnehmer seinen Chef mit ins Boot holen, ihn mit seiner Begeisterung für das Vorhaben anstecken und seine Vorteile verdeutlichen", empfiehlt die Beraterin. Mögliche Argumente: Der Mitarbeiter kehrt in der Regel zufriedener und motivierter an seinen Arbeitsplatz zurück, und durch den Abstand zur Gewohnheit kann er im Tagesgeschäft vieles differenzierter und gelassener betrachten. Im Einzelfall hat der Chef sogar durch den temporären Wegfall der Stelle finanzielle oder personalpolitische Vorteile. "Und schließlich erlangt der Mitarbeiter während seiner Auszeit wertvolle Erfahrungen und Kenntnisse, die er in den Arbeitsprozess einbringen kann", sagt Hess. Das kann von Sprachkenntnissen über interkulturelle Kompetenz und emotionale Intelligenz bis hin zu neuen Organisationsfähigkeiten reichen.

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