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Textilwirtschaft

S.Oliver - Die Modefabrik

Stefanie Bilen
S.Oliver macht Kleider für die Massen. Die Krise will der fränkische Familienkonzern nutzen, um international zu expandieren. 1000 Nachwuchskräfte werden gesucht.
Manuel Behr, 27, soll Tschechien und die Slowakei erschließenFoto: © bildfolio
Manuel Behr schiebt keine große Bugwelle vor sich her. Auf die Frage nach seiner Tätigkeit sagt er: "Ich bin Mädchen für alles in Prag." Der 27-Jährige hat jedoch eine beachtliche Entwicklung hingelegt. Vor sieben Jahren stieg der Abiturient als Außenhandelskaufmann bei S.Oliver ein, absolvierte parallel ein Duales Studium an der Berufsakademie in Lörrach, arbeitete in der Exportabteilung und ist seit Anfang dieses Jahres "Projektleiter Integration Tschechien und Slowakei". Das Geschäft hatte S.Oliver zum Jahreswechsel von seinem langjährigen Franchise-Partner in Prag übernommen. Nun ist es an Behr, die 14 Filialen und rund 200 Mitarbeiter in die Organisation von S.Oliver zu integrieren. "Noch haben wir viel Organisationsarbeit vor uns, aber das ist normal. Mir macht die Aufgabe einen Riesenspaß, auch wenn ich am Anfang ziemlichen Respekt hatte", sagt der große schlaksige Mann in Jeans und Blazer, die "selbstverständlich" von der Marke seines Arbeitgebers sind.S.Oliver gehört zu den deutschen Modefirmen, die sich sehr dynamisch entwickeln: In den vergangenen zehn Jahren hat S.Oliver seinen Umsatz von 373 Millionen Euro auf 1,05 Milliarden in 2007 gesteigert. Wie hoch das Plus 2008 ausfällt, steht noch nicht genau fest, nach Aussagen des Managements ist es aber mindestens ein hoher einstelliger Zuwachs. Die Zahl der Mitarbeiter erhöhte sich 2008 um rund 1000 auf 5400. 2009 sollen weitere 1000 hinzukommen. Auch wenn diese Zahlen die Belegschaften übernommener Gesellschaften beinhalten und ein beträchtlicher Teil der Neueinstellungen als Verkäufer in den Einzelhandelsgeschäften arbeiten wird: Es entstehen zahlreiche spannende Jobs für Hochschul- oder Berufsakademie-Absolventen. Die internationale Expansion hat gerade erst begonnen.

Die besten Jobs von allen

S.Oliver ist so etwas wie eine Ausnahmeerscheinung unter den Anbietern junger Mode. Während Konkurrenten wie CBR - mit den Marken Street One und Cecil - und Tom Tailor von Finanzinvestoren kontrolliert werden oder wie Esprit und H&M an der Börse notiert sind, wird S.Oliver vom Gründer geführt. Bernd Freier hat sein erstes Geschäft 1969 unter dem Namen "Sir Oliver" eröffnet und ist noch heute - im Jahr des 40. Firmengeburtstags - alleiniger Gesellschafter und Vorsitzender der Geschäftsführung. Der Vorteil: Durch das rasante Wachstum der vergangenen Jahre ist ein Gewinn hängen geblieben, den Freier reinvestiert. Erst kürzlich hat er einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag in ein modernes Verwaltungsgebäude am Hauptsitz in Rottendorf bei Würzburg investiert, ein Kantinengebäude entsteht zurzeit nebenan. Auf den Gängen der Zentrale sind viele junge Leute zu sehen, sie grüßen freundlich und bleiben gerne für ein Schwätzchen stehen.

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