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NLP: Rumhantieren mit dem Unterbewusstsein
Foto: Kirill Kedrinski/Fotolia.com
Neuro-Linguistisches Programmieren

Rumhantieren mit dem Unterbewusstsein

Tina Groll, zeit.de
Erfolgreich im Job sein oder subtil andere manipulieren: Von Kursen für Neuro-Linguistisches Programmieren erhoffen sich Führungskräfte vieles. Was ist da dran?
Auf der Bühne des alten Konzertsaals in Berlin steht nur ein roter Hocker. 600 Menschen drängen hinein, die Plätze in den ersten Reihen sind von Fans mit Taschen und Jacken blockiert. Chris Mulzer, Trainer für Neuro-Linguistisches Programmieren (NLP), betritt die Bühne. Es wird sofort still im Saal. Mulzer, heißt es, sei ein großer Manipulator.

Das Licht ist schummerig, die Luft stickig. Mulzer erzählt Geschichten. Er berichtet von Reisen, von Erfolgsstrategien, von Studienergebnissen. Er räuspert sich, breitet hin und wieder die Hände aus oder fasst sich am Oberarm. Nie kommt er zum Punkt, immer lässt er eine Geschichte offen, um eine neue anzufangen; verschachtelte Ausführungen. Viele sind bereits nach der ersten halben Stunde eingedöst. Ich versuche, mich mit Mitschreiben wachzuhalten.

Krasse Trance

Die Menschen im Saal sind Teilnehmer einer zehntägigen NLP-Grundausbildung, Practitioner genannt. Ein Massenkurs. Sie streben nach Erfolg im Job, Harmonie in Familie und Partnerschaft und nach einem glücklichen Leben.

Das aus verschiedenen Ansätzen der Psychologie entwickelte Kommunikationsmodell NLP soll es ihnen ermöglichen. Einige wollen auch lernen, andere in ihrem Sinne zu beeinflussen – Mitarbeiter und Kunden zum Beispiel. Unter den Teilnehmern sind Führungskräfte, Verkäufer und Makler.

Mulzers Kurs ist als berufliche Weiterbildung anerkannt. "Das ist NLP!" verkündet beim Hinausgehen nach der Auftaktveranstaltung einer euphorisch. "Der hat uns schon gut in Trance versetzt", sagt ein anderer. "Krasse Wirkung", schwärmt ein Dritter, dem angeblich angenehm schwindelig ist.

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