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Gefahr bei Auslandsjobs
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Expatriates

Riskante Mission

Teil 3: Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Kidnappings solchen Kalibers sind traumatisch – für die Opfer und ihre Familien, aber auch für den Arbeitgeber, der sich fragen lassen muss, ob er seiner Fürsorgepflicht genügend nachgekommen ist.

Daran scheint es zu hapern: Offenbar fühlt sich nur jeder vierte Entsendete, der in einem Risikogebiet arbeitet, genügend vorbereitet. Das ist das Ergebnis einer bislang unveröffentlichten Studie des Lehrstuhls für Internationales Management der Universität Hamburg.


Aus seiner Praxiserfahrung heraus schätzt Walfried Sauer, dass rund 80 Prozent der großen Konzerne ihre Mitarbeiter zur Gefahrenlage vor Ort schulen und über ein funktionierendes Risikomanagement inklusive 24-Stunden-Notruf, aktuellen Adressen von erfahrenen Kontaktleuten im Ausland und Entscheidern für den Fall einer Entführung verfügen. Aber nur etwa 20 Prozent der deutschen Mittelständler seien ausreichend vorbereitet. Vor allem, wenn sie das erste Mal Mitarbeiter in Risikoländer entsenden.

Mitarbeiter muss selbst für seine Sicherheit sorgen

Sauer: "Manche Mittelständler springen ganz unbedarft zum Beispiel in Libyen oder Nigeria herum. Es ist ihnen offenbar nicht bewusst, welchem hohen Risiko sie sich aussetzten." In Nigeria endete 2012 die Entführung eines Mitarbeiters des Bauunternehmens Bilfinger Berger tödlich.

Doch auch "die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers hat Grenzen", sagt Rechtsanwalt Achim Heuser. Er ist auf die Vertragsgestaltung für Auslandsmitarbeiter spezialisiert und weiß, dass die Firmenregelungen zum Schutz der Expatriats sehr unterschiedlich ausfallen.

Sein Rat: "Weiß ein Mitarbeiter, dass er in ein gefährliches Land geht, muss er selbst auch für seine Sicherheit sorgen." Und am besten vorab mit dem Arbeitgeber konkrete Maßnahmen vereinbaren.

Landestypische Kriminalitätsformen

Dazu gehören gezielte Trainings. Dabei geht es darum, "Expats und ihren Angehörigen landestypische Kriminalitätsformen zu verdeutlichen und Präventions- und Verhaltensstrategien einzuüben", sagt Elke Ickenstein. Sie ist Kommunikationsmanagerin beim Chemiemulti Bayer.

Unauffällig sein und keine Verhaltensmuster erkennen lassen, um nicht so leicht abgefangen zu werden, wird den Teilnehmern eingeschärft.


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