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Gefahr bei Auslandsjobs
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Expatriates

Riskante Mission

Teil 2: Kidnapping gilt als "großes Geschäft"

Nicht immer geht es um organisierte Kriminalität, mancherorts dienen Entführungen auch dazu, Terroristen mit Geld für Waffen zu versorgen. Insider sprechen von einer regelrechten "Entführungsindustrie": In mehr als einem Dutzend Länder gilt Kidnapping als großes Geschäft, das Unternehmen mindestens eine Milliarde Dollar pro Jahr kostet, schätzt Pax Christi.

Dazu beigetragen hat nicht nur, dass sich Unternehmen in riskante Gegenden vorwagen, um Rohstoffe zu gewinnen oder Geschäfte anzubahnen, sondern auch, dass es Versicherungen gibt.

Diese schließen Arbeitgeber immer öfter für Manager und ihre Familien im Ausland ab – oft ohne deren Wissen.

Extremes Risiko in einigen afrikanischen Ländern

Das Entführungsrisiko ist zwar in Venezuela, Kolumbien und Mexiko nach wie vor hoch. Doch wegen einer extrem verschärften Gefahr für Ausländer verschleppt zu werden, sind neuerdings neben Afghanistan und Teilen von Pakistan auch etliche Länder Afrikas auf der Weltkarte dunkelrot gefärbt.

Die größte Gefahr für Ausländer, auf dem schwarzen Kontinent entführt zu werden, besteht in Mali und in Somalia inklusive den Gewässern vor dem ostafrikanischen Küstenstaat, bis weit in den Indischen Ozean hinein, wo trotz erhöhter Schutzvorkehrungen durch die Bundeswehr noch immer Frachter von Piraten überfallen werden.

Neutralität ist keine Sicherheitsgarantie

Walfried Sauer, Chef der Result Group, einem Beratungsunternehmen für Risiko- und Krisenmanagement, sagt: "Afrika ist seit dem Arabischen Frühling instabiler geworden, denn die alten Sicherungssysteme sind vielerorts zusammengebrochen."

Sauer, der früher Mitglieder von Sondereinsatzkommandos wie der GSG 9 ausbildete und Erfahrungen in Sachen Terrorfahndung und Personenschutz hochrangiger Persönlichkeiten hat, warnt: "Terrorgruppen wie Al-Kaida haben sich ausgebreitet und drohen offen damit, gezielt deutsche und britische Geschäftsleute zu kidnappen."

Wurde früher die Neutralität humanitärer Helfer anerkannt, ist das heute keine Sicherheitsgarantie mehr. "Denn viele bewaffnete Gruppen betrachten unsere Mitarbeiter als Vertreter des feindlichen Westens und damit als potenzielles Angriffsziel", sagt Simone Pott, Sprecherin der Deutschen Welthungerhilfe, mit Blick auf den akuten Fall ihrer beiden entführten Kollegen.


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