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Versagen

Risikofaktor Mensch

Kirstin von Elm
Menschliches Versagen kann Leben kosten. An der Schnittstelle Mensch-Maschine geht die größte Gefahr vom Menschen aus. Human-Factor-Experten entwickeln Simulatoren und schulen Verantwortliche, damit aus kleinen Fehlern keine großen Katastrophen werden.
Risikofaktor MenschFoto: © Gautier Willaume - Fotolia.com
An Bord der MS Antwerpen scheint alles in Ordnung zu sein. Das mittelgroße Kreuzfahrtschiff unter panamesischer Flagge passiert gerade Neufundland. Es ist auf dem Weg nach Miami. Doch viele der rund 300 Passagiere werden nie dort ankommen. Binnen weniger Stunden brechen zuerst ein Großbrand, dann eine tödliche Epidemie und schließlich ein Orkan aus. Spätestens jetzt rächt es sich, dass die MS Antwerpen seit ihrem Stapellauf 1947 keine Werft mehr von innen gesehen hat. Als der Kapitän alle in die Rettungsboote beordert, gibt es in der allgemeinen Panik Verletzte und Tote.Immerhin - sie lassen ihr Leben für einen guten Zweck. Genau genommen stirbt niemand vor Neufundlands Küste. Die marode MS Antwerpen ist kein echtes Schiff. Es gibt sie nur im Computer und wird zum psychologisch-technischen Krisentraining eingesetzt. Das Programm hilft, zukünftige Katastrophen zu verhindern. Es trainiert Teams, die im Krisenfall die richtigen Entscheidungen treffen müssen, Polizisten, Feuerwehrmänner und Piloten in der Ausbildung zum Beispiel. "Der Mensch ist im Umgang mit komplexen Problemen schlecht, deswegen bleibt beim ersten Mal von der MS Antwerpen meist nicht mehr viel übrig", sagt Stefanie Huber, Diplom-Psychologin und Sicherheitsberaterin aus Berlin.

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Die Schwachstelle Mensch ist berechenbarDie 30-Jährige ist Spezialistin für den sogenannten Human Factor, den Risikofaktor Mensch im technischen Umfeld. Seit zwei Jahren arbeitet sie bei der Beratungsgesellschaft Human-Factors-Consult (HFC) in Berlin. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Beratungs- und Entwicklungsprojekte an der Schnittstelle zwischen Mensch und Technik. 2002 ist es als Spin-off aus dem Zentrum Mensch-Maschine-Systeme an der TU Berlin hervorgegangen, inzwischen beschäftigt HFC 24 Mitarbeiter, darunter Psychologen, Ingenieure und Informatiker.Im technischen Umfeld ist häufig der Mensch die Schwachstelle. Das zeigten kürzlich der Air-France-Absturz vor Brasilien und der Untergang der Fähre Estonia auf der Ostsee vor 15 Jahren.In diesen Fällen sind Human-Factor-Spezialisten gefragt. Sie sollen die Anwendungs- und Bedienungsfehler durch den Menschen verhindern und Katastrophen vermeiden helfen. Sie arbeiten als Sicherheitsmanager in Kraftwerken, Chemiefabriken oder auf Flughäfen sowie als Berater bei der Ausbildung von Lokführern, Fluglotsen und Piloten.Aber auch in den Entwicklungsabteilungen der Industrie, in Forschungsinstituten und bei Ingenieurdienstleistern sind die Schnittstellenexperten beschäftigt, um komplexe technische Produkte wie Autos, Medizingeräte und IT-Systeme sicherer und anwenderfreundlicher zu gestalten. Zu den Kunden von HFC gehören Automobilkonzerne wie Audi, BMW und Daimler, Technologielieferanten wie Diehl Avionik Systeme, Robert Bosch und Siemens oder die Betreibergesellschaft des Frankfurter Flughafens FraPort.Sicherheit ist auch ein Verkaufsfaktor"Psychologisches Know-how kann helfen, aus einem technisch leistungsfähigen Produkt ein Erfolgsprodukt zu machen", sagt Professor Dietrich Manzey vom Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft an der TU Berlin. Anwenderfreundliche Produkte verkaufen sich besser, gleichzeitig sinken mit den Fehlerquellen auch die Kosten für Schulungen und den Kundendienst.Vor zwei Jahren hat der Psychologie-Professor in Berlin den ersten deutschen Studiengang zum Master of Human Factors eingeführt. Das Studium verknüpft in vier Semestern Inhalte aus der Arbeits- und Verkehrspsychologie und der Ergonomie mit Ingenieurwissen. Es gibt 50 Plätze pro Jahrgang, Voraussetzung für die Teilnahme ist ein technischer oder psychologischer Hochschulabschluss. Die ersten Absolventen stehen kurz vor dem Abschluss. In ihren Studienarbeiten und Forschungsprojekten haben sie bei Unternehmen wie der Deutschen Bahn, EADS, Volkswagen, Airbus oder Dräger (Medizintechnik) Praxiserfahrung gesammelt.

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