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Tipps und Tricks

Richtig durchstarten - mit einem befristeten Arbeitsvertrag

Ulrike Heitze
Das Berufsleben mit einem befristeten Arbeitsvertrag zu beginnen, ist für Absolventen längst keine Seltenheit mehr - und kann sogar ein gutes Sprungbrett sein. Wir zeigen, wie man das Beste draus macht und wie man die miesen Tricks der Arbeitgeber umschifft.
Ziel: FestanstellungFoto: © BilderBox - Fotolia.com
Vier Monate hat Georg König (Name geändert) noch Zeit, sich mächtig ins Zeug zu legen. Am 30. November endet sein Jahresvertrag als Projektmanager bei einem Düsseldorfer Stahlunternehmen. Dann wird er sich konzernweit auf die Suche nach einer neuen Stelle machen - und hofft, nach zwei Zeitverträgen diesmal einen unbefristeten Vertrag zu ergattern.
"Langsam wäre es mir schon ganz recht, wenn ich mich mal dauerhaft auf einer Stelle einrichten könnte," stellt der 30-Jährige fest, weiß aber auch um die Vorteile seines Jobs: "Hauptsache rasch Berufserfahrung sammeln und in ein Unternehmen reinkommen." Und weil sich nach dem Studium erst mal keine attraktive unbefristete Stelle bot, entschied sich der Diplom-Kaufmann für das befristete Angebot des renommierten Konzerns. Keine Ideallösung, aber immerhin ein guter Türöffner.
Aus der Not eine Tugend machen wohl die meisten der drei Millionen Arbeitnehmer, die hierzulande in befristeten Arbeitsverhältnissen stecken. Jeder zehnte Mitarbeiter war 2005 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur auf Zeit gebucht.

Die besten Jobs von allen

Zeitverträge sind unter Personalern ein beliebtes Mittel, um flexibel zu bleiben. Da wird seit Jahren befristet was das Zeug hält - oder besser, was die Arbeitsgerichte den Unternehmen gerade noch durchgehen lassen. Denn der Wunsch nach größtmöglicher Flexibilität kollidiert nicht selten mit Arbeitnehmerrechten und -interessen und beschäftigt daher sehr oft die Gerichte.Gerade unter jungen Leuten ist der Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse sehr hoch: Fast jeder Vierte zwischen 20 und 29 beginnt seine Karriere mit einem Zeitvertrag. Und solange es bei zwei oder drei befristeten Stationen bleibt, sind sie kein Makel im Lebenslauf.Besonders gerne und häufig befristen kleinere Unternehmen, Universitäten und Kliniken. Auch in den Medien und in der Werbung ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass Grafiker, Texter und Jungjournalisten für ein Jahr getestet werden, bevor man sich mit ihnen über eine längere Bindung unterhält. Auch in Georg Königs Metier, dem Projektmanagement, sind Verträge, die am Ende eines Projekts auslaufen, nicht unüblich.Fast gleiches Recht für alle: Immerhin dürfen Zeitarbeiter von ihrem Unternehmen nicht schlechter behandelt werden als unbefristet Angestellte. "Ein befristet Beschäftigter hat in Sachen Urlaub, Teilzeit, Weiterbildung oder Weihnachtsgeld grundsätzlich die gleichen Rechte wie jemand mit einem unbefristeten Vertrag", stellt Wolfgang Opfergelt, Rechtsanwalt für Arbeitsrecht in Köln, fest."Die einzig Benachteiligten sind werdende Mütter mit Zeitverträgen. Deren Arbeitsverhältnis endet auf jeden Fall mit dem Auslaufen der Befristung. Der Sonderkündigungsschutz, wie er bei anderen Schwangeren besteht, greift hier nicht," so Opfergelt. Die Ausnahme: Die Firma lässt verlauten, dass sie das Beschäftigungsverhältnis ausdrücklich wegen der Schwangerschaft nicht fortsetzt. Schwangere Zeitvertraglerinnen tun gut daran, ihr Nachwuchsprojekt nach Möglichkeit so lange zu verheimlichen, bis die Verträge über den Anschlussjob unterschrieben sind. Rechtlich geht das in Ordnung, denn sie sind nicht verpflichtet, den Arbeitgeber über die Schwangerschaft zu informieren, solange sie nicht mit Arbeitsschutzvorschriften kollidiert.

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