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Unternehmensprofile

Region Bayern: Hightech und ein Halleluja

Melanie Bergermann, Christian Panster
Die Wirtschaft floriert, wenig Arbeitslose, blendende Noten bei der Pisa-Studie, Heimat des größten Volksfests der Republik und des erfolgreichsten Fußballclubs in Deutschland. In Bayern klopft man sich angesichts der Probleme anderer Bundesländer auf die Schenkel. Was ist anders im Land der Lederhose? karriere hat sich im Freistaat umgeschaut und, Gott sei's gedankt, auch mal was weniger Gutes gefunden.
7.30 Uhr, Erlangen
Die Sonne scheint, die Luft ist zu früher Stunde wohlig warm. Vor dem barocken Gebäude am Schlossplatz mit der Hausnummer drei surrt eine Kehrmaschine. Heute kommt Oberbürgermeister Siegfried Balleis. Eine Rede vor Wissenschaftlern steht an. Das Haus, das heute der Friedrich-Alexander-Universität gehört und als Verwaltungsgebäude genutzt wird, gilt als Keimzelle der fränkischen Medizintechnik. 1877 gründete dort Erwin Moritz Reiniger ein kleines Unternehmen und entwickelte mit seinen Partnern Max Gebert und Karl Schall seine ersten Röntgenröhren. Der Anfang einer großen Erfolgsstory: Erlangen ist heute Vorzeigeobjekt für die Innovationsfähigkeit und wirtschaftliche Leistung Bayerns. Siemens hat in Erlangen seine Medizinsparte Medical Solutions angesiedelt. Jeder dritte der 77.000 Beschäftigten in Erlangen arbeitet bei Siemens. Mit über 100 Unternehmen, die ihr Geld mit Medizintechnik, Biotechnologie und Pharmazie verdienen, gehört die Stadt zu den größten Forschungsstandorten für Medizin und Biotechnologie in Europa. Kein Wunder, dass der Oberbürgermeister ins Schwärmen kommt: Erlangen sei das fränkische Berkeley, das Medical Valley im Norden Bayerns. 
9 Uhr, Schlehdorf.
Der alte John Deere tuckert gemächlich über die Wiese. Seit über zwei Stunden sitzt Bauer Stangl auf dem Metallsitz seines Deere-Treckers und bestellt sein Feld, ganz in der Nähe von Schlehdorf, 250 Kilometer im Norden Erlangens. Hier gibt es kein Siemens, nur grüne Wiesen, viel Heu und Milchkühe. Auch wenn Bayern heute Hightech-Mekka ist, wurzelt hier alles in der Landwirtschaft. 3,3 Millionen Hektar der Landesfläche werden landwirtschaftlich genutzt. In den rund 130.000 Agrarbetrieben arbeiten 400.000 Menschen. Stangl und seine Kollegen können stolz sein. Die bayerischen Bauern erwirtschaften jährlich rund 32 Milliarden Euro.

Die besten Jobs von allen

10.30 Uhr, München, Säbener Straße. 
Lockerer Trainingslauf der Starkicker des FC Bayern. King Kahn, Lucio, Schweini und Claudio Pizarro aus Peru vorweg. Applaus. Hunderte Zaungäste stehen am Rand des Trainingsplatzes. Der FC ist das Aushängeschild der Region. 20 Meisterschaften und 13 DFB-Pokale haben die Rot-Weißen gewonnen, dazu mit Champions League, Weltpokal und Uefa-Cup acht internationale Titel. Im vergangenen Jahr spielte das Team von Trainer Felix Magath 25 Millionen Euro Gewinn ein; gemeinsam mit dem Stadtrivalen TSV 1860 hat der Verein eines der modernsten Stadien weltweit aus dem Boden gestampft.  Von weitem sieht die Allianz-Arena aus wie ein gestrandetes Ufo. Rund 350 Millionen Euro hat der neue Fußball-Tempel im Stadtteil Fröttmaning gekostet. Mehr als 100.000 Vereinsmitglieder hat der Club in Europa, Südamerika, Afrika und Asien. Doch am jecksten sind sie hier an der Säbener Straße. Manche Fans kommen auch, wenn trainingsfrei ist.
12 Uhr, München, Bayerisches Schulministerium.
Natürlich wird hier von den Beamten, Staatssekretären und Ministern fast immer gute Laune verbreitet. Bayern hat in den Pisa-Studien mit Baden-Württemberg stets am besten abgeschnitten. Wirklich fabelhaft! Beneidenswert! Doch Vorsicht, der schöne Schein trügt. Im Freistaat blieben bundesweit zuletzt die meisten Realschüler sitzen. Ätsch.
14 Uhr, Neuendettelsau. 
Der kleine Ort in der Nähe von Ansbach ist fast leer gefegt. Die wenigen Geschäfte entlang der Hauptstraße haben entweder geschlossen oder keine Kundschaft. Nur direkt nach dem Ortseingangsschild zu Neuendettelsau ist etwas los. Dort führt ein Waldweg zum Hochschulgelände der Augustana - Gruppen evangelischer Theologiestudenten treffen sich vor dem Lesesaal. Drinnen sind fast alle Plätze belegt. Christina Rougk und Michael Hinderer studieren seit rund einem Jahr hier. Ihr Leben findet größtenteils auf dem Campus statt. Neuendettelsau verfügt weder über ein Multiplex-Kino noch über eine Kneipenszene. Partys müssen auf dem Gelände selbst organisiert werden - entweder in den Wohnheimküchen oder in der Campus-Bar. Sehnsucht nach der Großstadt haben die beiden 22-Jährigen nicht. Christina Rougk hatte erst in Leipzig studiert. Doch dort "war alles zu groß und zu anonym", deshalb ist sie nach Neuendettelsau gekommen. Hier gibt es neben den 200 Theologiestudenten die höchste Pfarrerdichte in Deutschland. Ehemalige Priester, die in Rente gegangen sind, zieht es seit Jahrzehnten in den Ort. Dass die Evangelen in dem Ort mitten im katholischen Bayern die Mehrheit stellen, ist keine Ausnahme: Im Freistaat sind über 23 Prozent der Bürger Protestanten und gerade in Mittel- und Oberfranken oftmals in der Überzahl. Die christlichen Kirchen spielen in Bayern eine wichtige Rolle. 82 Prozent der Bürger gehören der evangelischen oder katholischen Kirche an. Die Zahl der Pfarrer dagegen nimmt auch im Freistaat kontinuierlich ab. Seit 2003 sinkt sie bei den Katholiken jährlich um 14 Prozent. Bei der evangelischen Kirche ist die Quote ebenfalls rückläufig. Wenn Christina Rougk und Michael Hinderer bis zum Uni-Abschluss durchhalten, bietet ihnen ihr Studium förmlich eine Jobgarantie.
15 Uhr, München, Unterschleißheim.
Das Bild von "Laptop und Lederhose" sei abgedroschen, sagt Daniel Steller. "Das mit dem Laptop stimmt, aber sehe ich so aus, als trüge ich eine Lederhose?" Nein, tut er nicht. Steller ist Informatiker und arbeitet in München als selbstständiger IT-Berater. Geboren ist er in Friesland, aber wegen der Jobaussichten nach Bayern gezogen. Der Freistaat hat sich in den vergangenen Jahren zu einem weltweit anerkannten Standort für die Informations- und Kommunikationsbranche (ITK) aufgeschwungen. Microsoft, Apple oder etwa Cisco Systems - die Schwergewichte der Branche sind mit ihrer Deutschland- oder Europazentrale in Bayern vertreten. Allein im Großraum München hat die Branche 2003 rund 130 Milliarden Euro Umsatz gemacht - das sind 41 Prozent des gesamten deutschen Marktvolumens.
16 Uhr, Technische Universität München. 
Im Servicezentrum Forschungsförderung & Technologietransfer gehen Erfinder und Entdecker ein und aus. Das hier ansässige "Bayern Patent" ist ein Projekt des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst, der bayerischen Hochschulen und der Fraunhofer-Patentstelle für die Deutsche Forschung. Es soll noch mehr Erfindern zu noch mehr Patentanmeldungen verhelfen. In Bayern lohnt sich das: Hier wurden 2003 die meisten Patente in der Republik angemeldet - fast 15.000. Mannomann, so viel bayerische Superhirne. Kaum vorzustellen, wie so ein bajuwarischer Forscher etwas erfindet und freudig ruft: "I hobs!"
16.55 Uhr, München-Martinsried. Kita Biokids.
Die viereinhalbjährige Paula harkt eifrig das Gemüsebeet, ihr zwei Jahre jüngerer Bruder baut auf der Holzveranda der Kindertagesstätte einen Turm aus Klötzen. Die meisten anderen Kinder sind abgeholt. Ein paar bleiben bis 18 Uhr. So lange hat die Kita Biokids im Planegger Stadtteil Martinsried geöffnet. Über 20 Unternehmen wie Morphosys, BioM oder Cellcontroll gehören dem Verein der Biokids an. Die Kita ist ein Containerflachbau mit großem Garten, 20 Meter vom Innovations- und Gründerzentrum Biotechnologie (IZB) und 80 Meter vom Max-Planck-Institut entfernt. Sie hat Speise-, Spiel- und Schlafräume, Platz für 50 Kinder, die von fünf Erzieherinnen, einem Erzieher, zwei Zivis und einer Köchin betreut werden. 95 Prozent der Eltern sind Akademiker - Wissenschaftler mit Glücksvorsprung, denn sie haben durch diese Kita mitten in Münchens Biotech-Zentrum Martinsried die einmalige Chance, Beruf und Familie ideal zu verbinden.
17.30 Uhr, Prien am Chiemsee. 
Nur noch zwei Kilometer bis zum Hotel, dann hat Stefan Heusel sein Tagespensum abgespult. Seit Jahren kommt der Mittdreißiger an den Chiemsee. Er nennt es Urlaub - für die meisten seiner Mitmenschen wäre es eine Tortur. Der Ingenieur aus Niedersachsen ist passionierter Triathlet. Seine zehn Tage Urlaub nutzt er, um Herz und Lunge zu fordern. "Man gönnt sich ja sonst nichts", sagt Heusel. Die Region Chiemsee hat er lieb gewonnen. Schon als Knirps war er mit seinen Großeltern in Prien - und ist der Region "mit der schönen Landschaft" bis heute treu geblieben. Bei seinem ersten Urlaub vor über 25 Jahren sei er aber noch keine 20 Kilometer am Seeufer entlanggerannt, sagt der Sportfan. Damals ging's über den See - mit einer Dampferfahrt, die auch heute noch angeboten wird. Der Tourismus hat in Bayern seit jeher einen großen Stellenwert. Nach Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie beträgt der Bruttoumsatz aus dem Tourismus derzeit rund 24 Milliarden Euro. Damit ist Bayern bundesweit Spitze. 420.000 Bajuwaren leben vom Tourismus.
19 Uhr, Unterföhring.
Die Straßenbahn acht Richtung Flughafen führt links vorbei an den Betonbunkern der Studentenstadt und dem Heizkraftwerk Nord, rechts liegen freie Felder. Fahrtziel Niemandsland? Erst wer Unterföhring aussteigt, die Rolltreppe hochfährt und die neue, großzügig gebaute U-Bahn-Station verlässt, sieht etwas von der Medienhochburg, die sich hier in den letzten Jahren gebildet hat. Das rote Gebäude von Premiere steht am Anfang der Medienallee. Ihm folgen der Bayrische Rundfunk, das ZDF und rechts Pro Sieben, N24 und Kabel. Dazwischen haben sich Produktionsfirmen angesiedelt. Ein Gebäude reiht sich ans nächste. An das Ende der Straße grenzt Brachland, hier soll der Medienstandort Unterföhring erweitert werden. Nicht zuletzt durch die Förderung des Freistaats Bayern hat sich die Region um Unterföhring und Ismaning zu einem Mediencluster entwickelt, an dem sich laufend neue Unternehmen ansiedeln. Allein im Großraum München sind mehr als 14.000 Medienunternehmen ansässig, die 190.000 Mitarbeiter beschäftigen und einen Umsatz von 25 Milliarden Euro jährlich erwirtschaften. Rund 90 Zeitungsverlage versorgen Bayern flächendeckend mit über 260 Zeitungen. München ist nach New York die bedeutendste Buchverlagsstadt der Welt. 234 Buchverlage haben sich an der Isar angesiedelt.
Für Peter Ramsauer, Chef der CSU-Landesgruppe in Berlin, ist auch dieser Erfolg kein Wunder: "Die Landschaft ist ein Geschenk des Himmels, der Rest ist harte Arbeit." Holdrio.
Stephanie Brooks, Studentin, 19: "Die Menschen hier sind sehr offen, hilfsbereit, lustig und für alles zu haben."Alexander Bartoschak, Student, 28: "Ich mag das Wetter und das Lebensgefühl. Außerdem ist es nicht weit nach Italien."Dr. Linus Zeller- Müller, Bayerisches Finanzministerium, 30: "Die Wirtschaftsstruktur ist gut, so dass man mit einer entsprechenden akademischen Ausbildung recht einfach einen Arbeitsplatz findet."Sven Jost, Student, 24: "Die Wirtschaft ist traumhaft, es gibt keine Stadt, in der man leichter Arbeit findet, wenn man sich etwas anstrengt."Barbara Reindel, Controllerin, 37: "Die Leute sind zum Teil schon etwas schwierig, es ist nicht einfach, mit ihnen in Kontakt zu kommen."Julia Grekowa, Studentin, 24: "Es gibt Kultur und Natur auf einem Fleck, und das Wetter ist besser als im Norden. Ich mag nur die Brezeln und Wiener Würstchen hier nicht."Henry Schmidt, Geschäftsführer, 39: "Bayern ist wirtschaftlich ein gesundes Bundesland mit gesunden Industrieunternehmen. Manchmal sind die Leute nur etwas stur."Dominik Schwartz, Controller, 28: "Als Wassersportler bin ich hier etwas zu weit von der Küste entfernt - und von meiner Familie. Außerdem sind die Mieten in München sehr teuer."Jeff Cox, Stadtführer, 46: "Etwas Negatives ist die Gemütlichkeit, davon gibt es hier einfach zu viel."Sonja Junkers, Fotografin, 30: "Es ist schön, dass der Flughafen München so gut ausgebaut wird und man hier auch ganz schnell wegkommen kann."Heinz Georg Stenzel, Hotelkaufmann, 50: "Von den hohen Kosten abgesehen, gerade in München, kann man hier zu einer hohen Lebensqualität kommen. Der Standort Bayern gibt einem außerdem eine gewisse Sicherheit."Thorsten Wermiers, Hotelfachmann, 32: "Hier in München gibt es jede Menge Touristen, das ist gut, da die Stadt davon lebt."Claudia Slanzi, Künstlerin, 30: "Als Italienerin komme ich mit den Menschen hier manchmal nicht zurecht, sie sind unfreundlich, kalt; es ist schwer, Freunde zu finden. Die Leute denken zu oft nur ans Geld."Alexandra Sandmann, Exil-Berlinerin: "Die Menschen hier in Bayern sind etwas sanfter. Wenn mich hier jemand anmeckert, dann sagt er: Du blöde Kuh. Wenn mich in Berlin jemand anmeckert, dann sagt er: Hast du ne Macke?"Andreas Filitz, Vertriebsbeauftragter für Software, 41: "Ich mag die Küche hier nicht so sehr, die badische Küche ist da etwas leichter und hat etwas mehr Raffinesse."Wolfgang Wengenroth, Pensionär, 65: "Wenig schön an Bayern ist diese Großkotzigkeit, dieses Mir-san-mir-Gefühl, dieses wo wir sind, da ist vorn. Das resultiert aus einem Minderwertigkeitskomplex."Marcel Bünger, Berater, 30: "An München ist toll, dass auch andere die Stadt toll finden und sie mich deshalb besuchen kommen."(Umfrage Melanie Bergermann)Top-ArbeitgeberSiemens Branche: Technik, ElektronikMitarbeiter in Bayern: 84.000Kontakt: Wittelsbacherplatz 2, 80333 München, www.siemens.deBayerische Motoren WerkeBranche: AutoMitarbeiter in Bayern: 80.809Kontakt: Petuelring 130, BMW Haus, 80788 München, www.bmw.deInfineon TechnologiesBranche: ComputerchipsMitarbeiter in Bayern: 40.000Kontakt: St.-Martin-Str. 53, 81669 München, www.infineon.deAudiBranche: AutoMitarbeiter in Bayern: 31.300Kontakt: Ettinger Straße, 85057 Ingolstadt, www.audi.deAllianzBranche: VersicherungMitarbeiter in Bayern: 16.021Kontakt: Königinstr. 28, 80802 München, www.allianz.deMANBranche: FahrzeugMitarbeiter in Bayern: 16.000Kontakt: Ungererstr. 69, 80805 München,www.man.deINA-SchaefflerBranche: AutozuliefererMitarbeiter in Bayern: 16.000Kontakt: Industriestr. 1-3, 91074 Herzogenaurach, www.ina.deHypoVereinsbankBranche: BankMitarbeiter in Bayern: 13.155Kontakt: Am Tucherpark 16, 80538 München, www.hypovereinsbank.deMcDonald's DeutschlandBranche: GastronomieMitarbeiter in Bayern: 9.620Kontakt: Drygalski-Allee 51, 81477 München, www.mcdonalds.deZF SachsBranche: AutozuliefererMitarbeiter in Bayern: 7.200 Kontakt: Ernst-Sachs-Str. 62, 97424 Schweinfurt, www.sachs.de (Quelle: eigene Recherche)Top-UniversitätenLudwig-Maximilians- Universität München
Studenten: 44.150 Spitze in: Geistes- und Sozialwissenschaften, Medizin, Jura www.uni-muenchen.de
Technische Universität München:  
Studenten: 20.000 Spitze in: Medizin, Natur- und Ingenieurwissenschaften www.tum.de
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg:
Studenten:
26.000 Spitze in: Geistes- und Sozialwissenschaften, Ingenieur- und Naturwissenschaften, Jura www.uni-erlangen.de
Universität Würzburg
Studenten:
18.000 Spitze in: Geistes- und Sozialwissenschaften, Medizin, Jura www.uni-wuerzburg.de
Universität Regensburg 
Studenten: 15.400 Spitze in: Geistes- und Sozialwissenschaften, Medizin, Jura, Wirtschaftswissenschaften www.uni-regensburg.de
Top-FachhochschulenFachhochschule Nürnberg 
Studenten: 8.100 Spitze in: Design, Ingenieurwissenschaften www.fh-nuernberg.de
Fachhochschule Würzburg- Schweinfurt 
Studenten: 6.233 Spitze in: Design, Ingenieurwissenschaften www.fh-wuerzburg.de
Fachhochschule Regensburg 
Studenten: 5.400 Spitze in: Wirtschafts-/Sozialwissenschaften www.fh-regensburg.de
Fachhochschule Augsburg 
Studenten: 3.950 Spitze in: Design, Ingenieurwissenschaften www.fh-augsburg.de
Fachhochschule Weihenstephan
Studenten:
3.730 Spitze in: Ingenieurwissenschaften www.fh-weihenstephan.de
(Quelle: Bayrisches Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst)Der Wald steht fast still und schweiget. Nur ein paar Vöglein zwitschern. Und ein paar Ästlein knacken unter Anita Kößlers Sohlen. Mit Rucksack, gefüllt mit Sitzkissen, Fernglas, Messer und Handschuhen, und Hund Chico an der Leine streift die 32-jährige Bayerin durch den Wald bei Memmingen im Allgäu. Links und rechts des engen Pfades wachsen Fichten, noch keinen Meter groß, deren Triebe angefressen sind - Rehe waren am Werk. Der Pfad führt zu einem breiten Waldweg entlang der Iller, auf der sich Enten und Schwäne treiben lassen. Anita Kößlers Ziel ist nicht mehr weit: ein fünf Meter langer Hochsitz, auf dem sich die Grafikerin gleich auf die Lauer legen wird. Kößler frönt einer Leidenschaft, die auch große Tiere des Showbiz wie Charles Bronson, Adlige wie Prinz Charles oder Politiker wie George Bush ebenfalls lieben: Jagd aufs Wild. In Bayern ist dieses Hobby weit verbreitet, vor allem unter Akademikern. Und: Jagen dient der Karriere.Manager mit Jagdinstinkt
Viele der 44.000 Mitglieder des Bayerischen Jagdverbandes sind Politiker, Anwälte oder Manager. Wer im Freistaat etwas werden will, ist gut beraten, sich in einem der 156 Vereine zu engagieren. Ähnlich wie auf dem Golfplatz werden bei der Jagd Geschäftsbeziehungen geknüpft und Verträge geschlossen. Promis suchen Freunde, Anwälte und Steuerberater gern in Waidmannskreisen. Jäger bilden eine Gemeinschaft, das Gruppengefühl ist stark. Jäger glauben an Tradition, haben eine eigene Fachsprache, tragen die gleiche Kleidung und verbringen oft viele Stunden miteinander auf der Pirsch.
Anita Kößler wollte schon als Kind Jägerin werden. Die Vorstellung, Tiere zu erschießen, hat sie aber nicht gelockt: "Darauf wird nur rund zehn Prozent der Jagdzeit verwendet", sagt sie. Vielmehr gefiel es ihr, Natur zu erleben, Tiere zu beobachten, ein kleines Revier in Ordnung zu halten. Abgeschossen wird nur nach strikten Regeln. Für jede Tierart gibt es bestimmte Jagdzeiten und -quoten.
Crashkurse für künftige Jäger
Das Regelwerk rund um die Jagd ist umfangreich und kompliziert. Wer einen Jagdschein machen will, muss nicht nur 195 Tiersorten unterscheiden können, sondern sich auch mit Pflanzen beschäftigen, sich ins Waffenwesen einlesen oder zur Tier- und Fleischbeschau fähig sein. Kurse mit je 60 Theorie- und Praxisstunden werden von den meisten Kreisgruppen für rund 1.000 Euro angeboten. Gewerbliche Jagdschulen haben auch Crashkurse für 5.000 Euro im Programm. Die Ausrüstung, die aus Gewehren, Pistole und Kleidung besteht, kostet noch ein paar Tausender. Schon deshalb hat das Jagen den Ruf des Reichen-Hobbys.
Wer als Zugezogener in diese eingeschworene Gemeinschaft gelangen will, sollte den Weg über eine Kreisgruppe gehen. Die zahlreichen Feste und Gruppenaktivitäten bieten die Möglichkeit sich zu beschnuppern. Die ersten Kontakte münden zuweilen in Einladungen zu illustren Gesellschaftsjagden. Zur Kür gehört auch eine Pflicht. Wer ein eigenes Jagdrevier hat oder für ein bestimmtes Gebiet die Jagderlaubnis erhält, muss sich um das Gelände kümmern, das heißt, dafür sorgen, dass die Hochsitze in Ordnung sind und Waldbesucher auf den Wegen bleiben.
Freizeit ist Jagdzeit
Anita Kößler ist auf dem Hochsitz angelangt. Insekten schwirren um ihren Kopf, ein Schwarm Vögel fliegt auf. Mindestens dreimal die Woche ist Kößler rund um den Hochsitz unterwegs, mal morgens früh um fünf Uhr vor der Arbeit, mal nach Feierabend. Fast ihr ganzes Privatleben hat mittlerweile mit der Jagd zu tun. Die meisten ihrer Freunde jagen, und wer es noch nicht tut, den versucht sie dafür zu begeistern. Eine halbe Stunde sitzt Kößler nun schon oben. Endlich bewegt sich was in der Ferne. Durch das Fernglas sieht sie einen alten Rehbock, der Gras frisst und sich langsam nähert. Kößler kennt das Tier. Schon im letzten Jahr hatte sie es vor der Büchse. Dass der Bock noch lebt, verdankt er einer gackernden Walking-Gruppe, die das Tier kurz vorm Todesschuss verscheuchte. 
Kößler will anlegen. Doch auch heute scheint der Bock Glück zu haben. Bevor die Jägerin das Gewehr zückt, taucht ein jüngerer Artgenosse auf. Ein Kampf um das Revier droht. Doch das ältere Tier ist offenbar zu müde und verschwindet im Wald. Kößler wird wohl ohne Trophäe nach Hause gehen. Halb so wild, gleich trifft sie Kollegen in der Jägerklause, dem Wirtshaus. Gespräche über Jagd und Leben sind wichtiger.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.08.2006

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