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Schleudersitz Chefsessel
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Schleudersitz Chefsessel

Rauskatapultiert auf höchster Ebene

Katrin Terpitz, Claudia Obmann
Neuer Job im neuen Unternehmen: Im festen Sattel sitzt damit noch keiner. So mancher vielversprechende Chefsessel erweist sich überraschend als Schleudersitz. Personalberater erläutern, warum so viele Manager so schnell auf der neuen Position scheitern.
Sein Rücktritt war die News des Tages: Völlig überraschend räumte Dow-Jones-Chef Lex Fenwick am 21. Januar seinen Posten. Dabei war der Manager als Hoffnungsträger vor nicht einmal zwei Jahren bei Konkurrent Bloomberg abgeworben worden. Er sollte den US-Mediendienst auf Vordermann bringen. Fenwicks Mission ist offenbar gescheitert.

Ebenfalls im Mitta Januar hat Yahoo-Chefin Marissa Mayer ihren Vize rausgeworfen: Henrique De Castro. Dabei hatte sie ihn erst vor 15 Monaten vom gemeinsamen Ex-Arbeitgeber Google geholt. Der Portugiese sollte bei Yahoo die Werbeeinnahmen steigern.

Doch das gelang dem Vorstand fürs operative Geschäft nicht – und er musste seinen Posten räumen.

Keine US-Spezialität

"Hire & Fire" ist aber keineswegs nur eine amerikanische Spezialität. Einen Rauswurf erlebte kürzlich auch der deutsche Manager Markus Pinger. "Super-Mario", der vor zwei Jahren von Beiersdorf kam, um den Stuttgarter Pharmahändler Celesio wieder zu einer Ertragsperle zu machen, soll mit seiner selbstherrlichen Art Dutzende wichtiger Führungskräfte vergrault haben. Auch der Umsatz enttäuschte. Zudem mehrte sich der Unmut im Vorstand über Pingers eigenmächtiges Vorgehen.

Schließlich zog Aufsichtsratschef Stephan Gemkow die Reißleine: Er entließ den 50-jährigen Pinger fristlos.

Unerreichbare Ziele

Böse Überraschungen auf der neuen Topposition erleben mehr Führungskräfte als gedacht. Das zeigt eine noch unveröffentlichte Umfrage der Personalberatung Intersearch Executive Consultants unter 150 deutschen Managern.

So berichten 45 Prozent aller befragten Manager, dass ihre tatsächlichen Aufgaben mit dem Stellenprofil nicht übereinstimmten. 41 Prozent bekamen unerreichbare Ziele gesteckt, und bei jedem Dritten passte es menschlich nicht.

"Das alles führt dazu, dass bis zu 40 Prozent der neuen Führungskräfte weltweit ihren Posten nach 18 bis 24 Monaten bereits wieder verlassen haben", schätzt Wolfgang Walter, Partner der Personalberatung Heidrick & Struggles. Das Scheitern schadet nicht nur der Managerkarriere, sondern auch dem Unternehmen. Das Versagen einer Führungskraft kostet ein Vielfaches ihres Jahresgehalts.


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