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Kleider machen Leute
Foto: Coka/Fotolia.com
Autorität durch Kleidung

Rausch der Verwandlung

Teil 2: Symbolische Insignien der Macht

Diese sehr persönlichen Aussagen über ihre Berufsbekleidung – ob nun eher traditionell oder funktional geprägt – sind oft überraschend, bisweilen enthüllen sie unvermutete Eitelkeiten. So etwa im Fall des Flieger-Generals Stieglitz, der zugibt, sich gern dreimal am Tag umzuziehen.

Für das Fotoshooting gab Koelbl keine Regieanweisungen. Das jeweils Eigene sollte erscheinen.

Ob Mitarbeiterin einer Imbisskette oder Bischof, "fast allen fiel es wesentlich leichter, sich in ihrer Uniform zu präsentieren, als nur sie selbst zu sein", beobachtete die 73-Jährige.

Unauffällig in Alltagskleidung

Denn in ihrer offiziellen Kleidung verkörperten die Porträtkandidaten automatisch einen Beruf, eine Klasse, eine Zugehörigkeit.

"Und das gibt Selbstvertrauen, ein anderes Bewusstsein. Sie bekommen Aufmerksamkeit", sagt Koelbl. Oder wie die japanische Geisha stellvertretend für viele sagte: "In meiner Alltagskleidung laufen die Leute an mir vorbei. Aber in meinem Kostüm werde ich beachtet."

Imposantes Gefühl

Nur bei wenigen war es umgekehrt. Etwa bei zwei jungen Männern, die privat nie Hemd und Krawatte tragen. Der eine Helfer der freiwilligen Feuerwehr, der andere Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes.

Sie engte die Zugeknöpftheit ihrer Uniform ein. Sie fühlten sich in ihrer Freiheit und Individualität beschnitten.

Dennoch: Besondere Formen, Farben, Streifen oder Schulterklappen geben dem Kleidungsstück Prunk und dem Träger ein imposantes Gefühl. Aufstieg und Macht werden durch symbolische Insignien sichtbar.


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