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Arbeitsmarkt

Raus aus der Krise, rein in den Job

Nils Hille
Selten zuvor hatten Absolventen so gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Und es kommt noch besser. Durch den demografischen Wandel werden aus den Bittstellern von gestern die Forderungssteller von morgen.
Gute Chancen für Absolventen
Krise? Welche Krise? So könnten Absolventen schon bald einhellig auf die Frage nach ihren Einstiegschancen am Arbeitsmarkt antworten. Das prognostizieren deutsche Arbeitsmarktexperten, und sie waren sich selten so einig bei ihren Vorhersagen. Schon jetzt sehen sie die Lage für frischgebackene Akademiker als „immer besser“, „prima“ oder sogar „sehr gut“ an. Das Beste: Die Einschätzung beschränkt sich nicht mehr auf ein paar wenige Studienrichtungen oder Tätigkeitsfelder, sondern gilt für alle Hochschulabsolventen gleichermaßen. „Durch mehr Stellenangebote und weniger Jobsuchende geht die Schere auf dem Arbeitsmarkt immer weiter zugunsten der Studenten auseinander“, sagt Tiemo Kracht. Der Geschäftsführer der Personalberatung Kienbaum unterscheidet dabei nicht zwischen den unterschiedlichen Branchen. Selbst in den Bereichen, die zu Krisenzeiten besonders gelitten haben, wie die Automobilindustrie, der Maschinen- und Anlagenbau oder der Finanzdienstleistungssektor, sei der Aufwind spürbar. „Noch vor einem halben Jahr haben die Unternehmen sehr wenige neue Mitarbeiter rekrutiert. Dies hat sich komplett geändert“, beobachtet auch Marcus Riecke, Geschäftsführer der Online-Stellenbörse Monster.Positive Entwicklung

Die besten Jobs von allen

„Die Kehrtwende ging so schnell, wie es wohl niemand erwartet hätte“, bestätigt auch Vera Calasan, Geschäftsführerin vom Personaldienstleister Manpower Deutschland. Sie  beobachtet eine positive Entwicklung in allen Regionen und Fachbereichen. Das Arbeitsmarktbarometer, dessen Stand ihr Unternehmen quartalsmäßig durch die Befragung von Personalentscheidern ermittelt, steigt stetig an. Über alle Branchen und Qualifizierungen geblickt, planen elf Prozent der Befragten in den  kommenden drei Monaten zusätzliche Neueinstellungen, nur vier Prozent Entlassungen.Damit pendelt sich das Barometer acht Prozent höher als im Vorjahr ein. Speziell die Zahl der Vakanzen in den für Absolventen relevanten Tätigkeitsfeldern liegt noch einmal deutlich darüber. Besonders zuversichtlich sind die Personalentscheider bei Banken und Dienstleistern sowie im Energie- und Versorgungssektor: 19 beziehungsweise 18 Prozent der Unternehmen wollen im letzten Quartal dieses Jahres zusätzliche Mitarbeiter einstellen – die besten Werte der Branchen seit Einführung der Prognosen vor sieben Jahren. Auch der Adecco Stellenindex liefert positive Zahlen: In den ersten neun Monaten dieses Jahres schrieben die Unternehmen in Deutschland insgesamt fast 55 000 Stellen für Akademiker aus. Die Palette der Arbetssbereiche ist dabei bunt. Und das ist erst der Anfang. Immer mehr Personalentscheider haben schon jetzt Sorgenfalten, wenn sie an die zukünftige Besetzung ihrer Stellen für Hochqualifizierte denken. „Der Fachkräftemangel ist während der Wirtschaftskrise  unberechtigterweise in Vergessenheit geraten – jetzt aber wieder in aller Munde“, sagt Calasan.Ärzte und IT-ExpertenAktuell geben in einer Befragung von Manpower mit 29 Prozent fast ein Drittel der Unternehmen an, dass sie bereits darunter leiden. Vor allem Ärzte und IT-Experten werden in Deutschland dringend gesucht. Dahinter folgen Ingenieure, Manager sowie Spezialisten für das Finanz- und Rechnungswesen. Und diese Mangelerscheinung wird sich in den nächsten Jahren noch verschlimmern. Denn ab 2013 gehen die geburtenstarken Jahrgänge in Rente. Bis 2030 wird das zusätzliche Lücken in die Belegschaften vieler Firmen reißen. Daraus resultieren wiederum paradiesische Bedingungen für Akademiker: Weil weniger potenzielle Beschäftigte nachwachsen, „lässt der demografische Wandel den deutschen Arbeitsmarkt speziell für Fach- und Führungskräfte weiter wachsen“, sagt Riecke. Um die Besten dürfte demnächst also regelrecht gebuhlt werden – verstärkt auch international. „Gerade im Bereich Forschung und Lehre bieten asiatische Länder und die USA Akademikern viel mehr Gestaltungsräume und haben damit Deutschland deutlich den Rang abgelaufen“, sagt Kienbaum-Chef Kracht.

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