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Digitalisierung: Es wird Zeit, sich weiterzuentwickeln
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Digitalisierung ohne Frust

Raus aus der Entwicklungsphase!

Teil 2: Mitarbeiter werden zu oft im Dunkeln gelassen

Entsprechende Angebote, die bei der Antwort auf die Frage helfen sollen, was überhaupt erlernt werden muss, entstehen gerade erst. Dabei ist Digitalisierung eigentlich nichts, wovor man Angst haben müsste. Im privaten Bereich hat sie meist längst Einzug gehalten. Geräte werden durch sie immer leichter und intuitiver bedienbar. "Der Fehler war, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter im Dunkeln gehalten haben", kritisiert Klaus Schwarz. "Das muss sich ändern, denn Entscheidungen von oben funktionieren in der digitalen Welt nicht mehr." Genauso müsse eine neue Fehlerkultur Einzug halten, denn nur durch Ausprobieren und auch Fehlschläge kann der richtige digitale Weg für jedes Unternehmen gefunden werden.

Ohne Transparenz, klare Ansagen und Anleitung zerbrechen sonst schlimmstenfalls ältere Mitarbeiter an den neuen Anforderungen – und die Firma verliert unnötigerweise wichtiges Expertenwissen. "Es ist oft so, dass Mitarbeiter es falsch interpretieren, wenn sie spüren, dass sich etwas verändern wird. Deshalb müssen Unternehmen ganz klar kommunizieren, in welchem Zeitrahmen die Veränderung stattfindet, worum es geht und mit welchen Maßnahmen der Arbeitsgeber unterstützend beiträgt", erklärt Schwarz.

Das Bild von den jungen Nerds und den alten Veränderungsfeinden ist dabei ein unfaires Klischee. "Ich halte gar nichts von diesen Stempeln, sagt der Businessberater Peter Geißler. Er berät Unternehmen beim Aufbau digitalisierter und vernetzter Arbeitsplätze. "Ich stelle immer wieder fest, dass gerade ältere Mitarbeiter ab 60 der Digitalisierung gegenüber sehr offen eingestellt sind." Er erklärt das mit einer gewissen Gelassenheit und der komfortablen Lage, dass bei dieser Gruppe von außen nicht so viel an digitaler Kompetenz vorausgesetzt wird. Anders sei das bei vielen Mitarbeitern um die 50 Jahre, die teilweise eher Widerwillen gegenüber Umstellungen zeigten. Doch auch bei den sogenannten "Digital Natives" gibt es Probleme. "Da ist auch nicht immer alles super", sagt Geißler. "Die sind teilweise chaotisch unterwegs und so erschlagen von den Möglichkeiten, dass das auch nicht zwangsläufig alles zum Selbstläufer wird."

Tandem aus Jung und Alt verspricht Erfolg

Bewährt haben sich Tandems aus jüngeren und älteren Mitarbeitern. Die einen sind angstfrei und versiert im Umgang mit neuer Technik. Die anderen können mit Erfahrung und einem gelassenen Überblick aufwarten. Wichtig sei aber, mahnt Geißler, dass die Tandems zueinander passen. "Wenn ein älterer Mitarbeiter zum Beispiel seine Arbeit einfach nur gut machen will und dafür ein wenig digitales Know-how braucht, heißt das nicht, dass sein Tandempartner ihn ständig mit dem neuesten 'heißen Zeug' überschütten darf", mahnt er.

Junge Leute könnten von den älteren auch lernen, sich einfach mal wieder konzentriert zwei Stunden lang zurückzuziehen und Dinge abzuarbeiten – ganz ohne digitalen Schnickschnack.

Zuerst veröffentlicht auf wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 05.02.2018

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