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unbewusste Inkompetenz von Coaches
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Vorsicht vor schwarzen Schafen

Qualitätskriterien für professionelles Coaching

Nora Jakob, wiwo.de
Im mittleren und gehobenen Management wächst die Nachfrage nach Coaching-Angeboten. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Coaches. Entsprechend hoch sind die Chancen, an einen Aufschneider zu geraten.
In Deutschland gibt es über 35.000 Coaches – und ebenso viele Wege einer zu werden. Denn der Beruf ist nicht geschützt: Jeder kann sich als Lebens- oder Karriereberater bezeichnen. Zwar gibt es Ausbildungen zum Coach, allerdings ist nur ein Bruchteil davon wissenschaftlich fundiert, wie der Osnabrücker Psychologie-Professor Siegfried Greif herausgefunden hat. Er hat 50 Coaching-Ausbildungen in Deutschland, Großbritannien und den USA analysiert. Sein Fazit: Nur vier Prozent der Ausbildungen haben Hand und Fuß.

Einer Vereinheitlichung stehe nicht zuletzt die Vielzahl der Verbände entgegen, so Greif. Allein in Deutschland gibt es mehr als 20 verschiedene Coaching-Verbände. In den Ausbildungen lernen die Coaches oft "lediglich ein paar Techniken wie die Grundlagen der Gesprächsführung, die alle gleich sind", sagt Madeleine Leitner, Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin. "Ich spreche hier von der 'unbewussten Inkompetenz' der Coachs, die noch nicht einmal wissen, was sie nicht wissen."

Ausbildungskosten variieren – und liegen zwischen 300 und 17.000 Euro

Die Verbände bemühen sich seit mehreren Jahren, um einheitliche Standards – bislang allerdings ohne Erfolg. Diese Lücke versucht die Stiftung Warentest mit einem Kriterienkatalog zu füllen, um so nicht nur Einsteigern bei der Auswahl Orientierung zu geben, sondern auch für Weiterbildungsangebote schon anbietender Coaches.

So wird eine Ausbildungsdauer von mindestens zwölf Monaten mit 250 Stunden Präsenzunterricht empfohlen. Derzeit kostet die Ausbildung – je nach Anbieter – zwischen 300 und 17.000 Euro und dauert zwischen vier Wochen und zwei Jahren.

In einer einheitlichen Ausbildung sollen vor allem Rollenkonzepte, Psychologie und die eigene Kompetenz im Vordergrund stehen. Die Stiftung Warentest will am liebsten noch einen Schritt weitergehen und ein Studium in Psychologie, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zum Teil der Ausbildung erklären.

Manager nutzen Coaching vor allem zur Reflexion  der eigenen Führungskompetenz

Dass Coaches mit der Unsicherheit von Managern reich werden, ist übrigens ein Irrglaube: Einer Umfrage des Büros für Coaching und Organisationsberatung (BCO) ist ein Großteil der Coaches nebenberuflich als Berater tätig. Nur zehn Prozent ihres Einkommen stammen aus der Coaching-Tätigkeit.

Dabei betrachten nicht zuletzt auch Unternehmen Coaching als eine "sinnvolle und effektive Methode, Probleme zu lösen und ihre Mitarbeiter zu unterstützen", sagte Wolfgang Loos, einer der ersten Managementberater in Deutschland, schon vor Jahren in einem Interview. Ein Satz, der auch heute nicht an Aktualität eingebüßt hat.

Denn auch die Marburger Coaching-Studie, die seit 2009 jährlich durchgeführt wird, stellt fest: Vor allem das mittlere und gehobene Management nutzen Coaching-Angebote, um das eigene Führungs- und Problemlösungsverhalten zu reflektieren. Ein zweites Feld, in dem Unternehmen Coaches einsetzen, ist bei Veränderungen. So etwa bei der Vorbereitung auf neue Aufgaben, oder einer Versetzung an einen neuen Standort.

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