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Imagegefahr: Prügel auf Facebook
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Imagegefahr

Prügel auf Facebook

Christoph Stehr
Hier wirbt der Chef: Neben Unternehmern zeigen auch immer mehr Manager persönlich Flagge für ihre Produkte.Kein reines Vergnügen – auf Youtube, Facebook und in Kundenforen droht oft Ärger. Und auch der Karriere kann der Werbeauftritt schaden.
Wenn Sie eine Frage zu Ihrem 1 & 1-DSL-Anschluss haben ..." Der sympathische junge Mann mit der hohen Stirn und dem offenen Hemd zum dunklen Anzug durchquert die Schreibtische im Großraumbüro. Die Hand lässig in der Hosentasche, geht er auf das TV-Publikum zu, treibt die Kamera vor sich her. Das ist der direkte Weg zum Kunden, Service ohne Wenn und Aber – bis der Mann auf dem Monitor den Satz zu Ende bringt: "... dann lese ich sie mir nicht mal durch. Mein Team und ich scheißen auf Ihr Schreiben."

Rund 1 300 Treffer bringt die Videosuche mit den Schlagworten"marcell davis 1 & 1 parodie" auf Youtube. Natürlich ist es nicht der echte Marcell D'Avis, der hier spricht. Es ist nicht der "Leiter Kundenzufriedenheit" des Internet-Providers 1 & 1 in Montabaur, sondern ein selbst ernannter "Leiter Kundenverarsche", der den bekannten Werbe-Spot derbe neu vertont hat.

Dafür stehe ich mit meinem Gesicht

Um besonders authentisch für Produkte und Dienstleistungen zu werben, halten nach Unternehmern wie Wolfgang Grupp oder Claus Hipp auch angestellte Manager wie Marcell D'Avis ihr Gesicht in die Kamera. Die Commerzbank schickt für ihre TV-Werbung inzwischen sogar eine ganze Riege davon auf den Bildschirm: Nach der joggenden Filialdirektorin Lena Kuske wirbt inzwischen auch die britische Shopping-Center-Managerin Emma Hindes für einen Immobilienfonds der Bank. Alexander Weckauf, Teamleiter Privatkunden, tritt für Baufinanzierungen an und weitere Kollegen stehen für die in Bankkreisen umstrittene Kampagne der Werbeagentur Thjnk in den Startlöchern.

Doch wo Chefs und Manager im Fernsehen persönlich werben, drohen auch unerwünschte Nebenwirkungen, zum Beispiel, dass Kundenfrust in Hohn und Spott umschlägt. Marketingprofessor Claas Christian Germelmann von der Universität Bayreuth warnt: "Nicht jeder ist als Testimonial so eindrucksvoll und glaubwürdig wie George Clooney. Und die Blamagegefahr überwiegt oft die zu gewinnende Authentizität."

Wie sein gut gemeinter Werbeauftritt zur Steilvorlage für Hass und Häme wurde, musste schon der Saftproduzent Rolf Dittmeyer erfahren. Er hatte Ende der 80er-Jahre die "Spätapfelsine" und den Slogan "Entweder frisch gepresst oder Valensina" erfunden. Die Musikband "Die angefahrenen Schulkinder" ließ daraufhin T-Shirts mit "Tötet Onkel Dittmeyer" bedrucken und trat damit dann bei Konzerten auf.

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