Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Erfolgsgeschichten

Prominente Studienabbrecher: Karriere ohne Diplom

Sven Scheffler
Jeder dritte Studienanfänger beendet sein Studium nicht. Doch sind dieStudienabbrecher Versager? Weit gefehlt. Denn wer sein Studium knickt, befindet sich in bester Gesellschaft.
Auch ohne Abschluss ganz nach obenFoto: © jeancliclac - Fotolia.com
Thomas Mann, Bert Brecht und Joseph Roth verließen die Universität vorzeitig und ohne Abschluss. Und heute? Moderator Günther Jauch, Telekom-Vorstandschef René Obermann oder Apple-Chef Steve Jobs. Sie alle sind an der Universität gescheitert - aber im Berufsleben erstaunlich erfolgreich. Wir stellen einige prominente Studienabbrecher vor.Michael Dell, 52, ist heute einer der größten PC-Händler weltweit. Der Sohn eines Kieferorthopäden ließ sich von seinen Eltern zum Medizinstudium drängen. Statt sich auf das Studium zu konzentrieren, widmete er sich jedoch dem Handel mit IBM-Rechnern. Er brach 1984 sein Studium ab, um ein Unternehmen im texanischen Austin zu gründen, aus der die Mega-Firma Dell wurde. Heute gilt er mit einem geschätzten Vermögen von 13 Milliarden Dollar als reichster Mann im reichen Texas.

Die besten Jobs von allen

Günther Jauch, 51, versuchte es mit Jura in Berlin und brach seine Ausbildung ab. Sogar mehrmals: Erst stieg er vorzeitig aus dem Jurastudium aus, dann aus der Journalistenschule, und schließlich beendete er auch den Versuch, nebenbei ein Politikstudium zu absolvieren. Er verließ die Universität jedoch vorzeitig, als er ein Angebot als Hörfunkmitarbeiter bekam. Bereut, so sagt er bis heute gerne und oft in Interviews, hat er das nie. Im Fernsehen ist er unumstritten, mit seinen Shows "Wer wird Millionär" und "Stern-TV" prägt er das Gesicht von RTL. Nur eines bleibt ihm wohl verwehrt: eine eigene große Politik-Sendung.René Obermann, 44. Eigentlich plant Obermann den klassischen Weg: Nach der Lehre zum Industriekaufmann bei BMW schreibt er sich 1986 fürs VWL-Studium in Münster ein. Doch schon im ersten Semester hält es ihn nicht im Hörsaal: Er verkauft Anrufbeantworter und Autotelefone und gründet das Handelsunternehmen ABC Telekom. Das Geschäft läuft bestens, und Obermann bricht sein Studium vor dem Vordiplom ab. Heute kräht kein Hahn mehr danach. Heute ist er Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom und hat gezeigt, dass er Eigenschaften besitzt, die er für die schnelle Karriere brauchte. Als Unternehmer-Typ gilt er. Oder weniger nett als "Bulldozer", der sich nicht scheut, unpopuläre Entscheidungen durchzuziehen - siehe jüngst seine Sparpläne.Eva Briegel, 28, Sängerin der Band Juli (u.a. "Perfekte Welle") wollte eigentlich schon während ihrer Schulzeit vor allem singen. Zunächst jedoch studierte sie ein Semester in Heidelberg, dann verbrachte sie dreizehn Semester in diversen Fächern an der Justus-Liebig-Universität Gießen: Kunstgeschichte, klassische Archäologie und Pädagogik, Psychologie, Germanistik und psychosoziale Medizin. Sieben Jahre dauerte ihre Studienkarriere. Nebenbei verkaufte sie PCs und arbeitete in einer Bar.Steve Jobs, 52, Gründer, Ikone und Motor hinter Apple. Nach dem Highschool-Abschluss, 1972 an der Homestead High School in Cupertino, Kalifornien und schrieb er sich am Reed College in Portland ein, verließ es aber schon nach dem ersten Semester. Zunächst arbeitete er bei Atari als Spieledesigner und gründete 1976 zusammen mit Steve Wozniak die Firma Apple. 1985 verließ er sie, kehrte zehn Jahre später zurück und ist heute Geschäftsführer. Seine Idole? In seinem Haus in einer von Bäumen gesäumten Mittelklasse-Nachbarschaft im kalifornischen Palo Alto hat der Gründer von Apple auch zwei Unternehmerporträts aufgehängt: von Henry Ford und Walt Disney. Jobs hat etwas von beiden. Ford machte das Auto für die Massen erschwinglich - Apple den Heimcomputer. Walt Disney verzauberte Generationen mit seinen Werken - ebenso wie iPod und Mac quer durch alle Altersgruppen Emotionen wecken.Barbara Schöneberger, 33. Und weil sie es ohne Papas Hilfe schaffen wollte, war sie sich für keinen Promotion-Job zu schade: "Ich habe sogar als Handy verkleidet Zettel verteilt." Sie brach das Soziologie-Studium nach zehn Semestern in Augsburg ab. Nach der Uni landete sie bald als Assistentin in einer Spielshow, kurze Zeit später trat sie bei Harald Schmidt auf. Diesem Gastspiel verdankt sie die erste Alleinmoderation, die sie 1999 mit der schrill-schrägen Sendung "Blondes Gift" bekannt machte.Bill Gates, 52, Gründer von Microsoft und einflussreichster Mann der Software-Industrie. Er schmiss das Mathe-Studium, gründete Microsoft, wurde Milliardär. "Auf der Uni ist Angeben angesagt, und dass man cool war, konnte man besonders dadurch beweisen, dass man das Studium nachlässig betrieb", sagte Gates. Diesen Sommer bekam er - nachträglich und ehrenhalber - dennoch ein Harvard-Diplom.Erich Sixt, 63, Provokateur unter den deutschen Autoverleihern. Sixt studierte vier Semester Betriebswirtschaftslehre in München. Verschwendete Zeit: "Die ganze Betriebswirtschaft basiert doch auf einem einzigen Axiom: dass der Mensch rational handelt", sagt Sixt. "Aber er tut es nicht. Und deshalb können Sie das alles vergessen."
Dieser Artikel ist erschienen am 01.11.2007

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick