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Kundenberatung

Private Banking: Hier geht es um viel Geld

Sebastian Ertinger
Die Beratung vermögender Privatkunden zählt zu den exklusivsten Berufen im Bankwesen. Gefragt sind solides Finanzwissen, gute Menschenkenntnis und seriöses Auftreten. Schließlich geht es um viel Geld. Wegen der Krise der letzten Jahre fehlt den Banken aber der Nachwuchs. Jetzt sucht die Branche gezielt nach Uni-Absolventen mit Persönlichkeit.
Private Banking: Gefragt ist solides FinanzwissenFoto: © patrick fauvel - Fotolia.com
Zu Beginn sah es nicht danach aus, als ob Sandra Busch (Name geändert) die Qual der Wahl haben sollte. Eine Bewerbung nach der anderen schickte sie los und bekam nur Absagen zurück. Ihr Ziel, ein Job im Private Banking, der Beratung vermögender Privatkunden, schien weiter entfernt denn je. Trotz ihrer Erfahrung. Busch, 30, hatte bereits einige Zeit im Vertrieb von Finanzdienstleistern gearbeitet und gerade ihr Studium zum Financial Planner beendet. Dann aber wendete sich das Blatt. Sie erhielt gleich mehrere Jobangebote, darunter auch eine Stelle in ihrem Traumbereich bei einer großen deutschen Bank. Ohne zu zögern nahm sie das Angebot an.Sandra Busch ist kein Einzelfall. Erfahrene Berater können sich derzeit die attraktivsten Jobs herausfischen. Nach jahrelangem Stellenabbau fehlt den Banken der qualifizierte Nachwuchs. Daher bekommen immer öfter auch Hochschulabsolventen und Berufseinsteiger die Gelegenheit, die reiche Klientel bei der Geldanlage zu beraten. Bislang führte der klassische Karriereweg eines Private Bankers selten über die Universität. Nach der Banklehre ging es meist in die Betreuung der "normalen" Privatkunden. Wer sich dort bewährte, wurde weitergebildet. Heute schicken die Geldinstitute ihre Berater auch für ein berufsbegleitendes Studium auf Hochschulen oder Finanzakademien. "In diesem Bereich ist die Akademiker-Quote bisher unterdurchschnittlich", sagt Rolf Tilmes, Honorarprofessor an der European Business School (EBS) und Leiter der EBS Finanzakademie. "Daher ist die Einstellung von Hochschulabsolventen sehr zu begrüßen."

Die besten Jobs von allen

Königsdisziplin Private BankingWelche Kunden ein Fall fürs Private Banking oder Wealth Management sind, variiert von Bank zu Bank. Meist fallen darunter Kunden, die ein Anlagevolumen von mindestens einer halben bis einer Million Euro mitbringen. Bei manchen Anbietern dürfen sich aber auch schon Kunden mit einem Vermögen von 100000 Euro zur erlesenen Klientel zählen. Jedenfalls geht es um viel Geld, dass den Beratern anvertraut wird - das macht den Reiz dieses Jobs aus. Bislang verlangten die Banken meist eine gehörige Portion Erfahrung. Schließlich zählt das Private Banking zu den Königsdisziplinen im Kundendienst. Wegen der Krise an den Finanzmärkten nach der Jahrtausendwende hatten die als sicher geltenden Banken zahlreiche Arbeitsplätze und die Ausbildung zusammengestrichen. "Der Markt für Berater mit zehnjähriger Berufserfahrung ist aktuell leergefegt", sagt Andreas Richter, Rechtsanwalt bei P+P Pöllrath und Partners in Berlin. Nun haben die Geldinstitute erkannt, dass sie wieder verstärkt Nachwuchskräfte heranziehen müssen.Der Job-Boom hat noch weitere Ursachen. Zum einen belebt der wirtschaftliche Aufschwung das Geschäft mit den vermögenden Privatkunden. Andererseits wirkt sich der demographische Wandel aus. Die wohlhabende Mittelschicht, also leitende Angestellte bis hin zu Unternehmern, will fürs Alter vorsorgen. Die staatliche Rente reicht kaum mehr, um den Lebensstandard zu halten, der private Vermögensaufbau spielt daher eine immer größere Rolle. Wer es sich leisten kann, holt sich professionelle Beratung bei den großen Geschäfts- und Privatbanken. Und die brauchen neues Personal für diesen Service. "Wir beobachten im Private Banking eine um 20 bis 25 Prozent gestiegene Nachfrage nach Mitarbeitern", sagt Karl-Joachim Brand, Regional Manager für den Frankfurter Raum bei der Personalberatung Robert Half International.Hochschulabsolventen haben die Möglichkeit, in Trainee-Programmen oder als Junior-Berater die Grundlagen des Private Banking zu erlernen. Die Hypovereinsbank beispielsweise stellt für die Bereiche Private Banking und Wealth Management 40 Trainees pro Jahr ein. Auch J.P Morgan stockt kräftig auf und plant, im kommenden Jahr rund 60 neue Analysten zu rekrutieren. Die Deutsche Bank wiederum heuert in ihrem Privatkundenbereich über das laufende Jahr 65 Trainees an.Hospitieren bei den alten HasenMeist assistieren die Junioren zunächst den erfahrenen Beratern und gehen mit ihnen in die Gespräche. "Dabei lernt man die Kunden kennen und erfährt, wie solche Gespräche ablaufen", sagt Constanze Hinlein, Junior-Beraterin beim Bankhaus Lampe in der Filiale München. Zudem entwerfen die Nachwuchsberater Präsentationen, entwickeln Anlagestrategien und Konzepte für die Beratungen. Die 29-Jährige hat an der Fachhochschule Regensburg einen dualen Studiengang in Betriebswirtschaft absolviert. Die erste Hälfte ihrer Uni-Zeit verbrachte sie in Regensburg, dann studierte sie an der Oxford Brookes University in Großbritannien.

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