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Berlin Fashion Week

Prinzessin auf der Messe

Liane Borghardt
Mit Kleinkram gibt Anita Bachelin sich nicht ab. Auf die Frage, ob sie schon als Kind gerne Barbie-Puppen eingekleidet hat, antwortet die Chefin der Berliner Modemesse Premium trocken: "Klar. Ich hatte 40 Stück." Heute holt die 34-Jährige zweimal im Jahr, im Januar und im Juli, Modetrends aus der ganzen Welt in die Hauptstadt.
Zierliche Erscheinung, selbstbewusster Ton: Wer Anita Bachelin - ein bisschen Typ moderne Audrey Hepburn - großspurig findet, den straft sie mit Leistung. Ende der 90er Jahre, die Modebranche steckte in der Depression und die ostdeutsche Wirtschaft ächzte unter den Folgen der Wiedervereinigung, bewarb die damals 27-jährige Bachelin sich beim exklusiven Modeunternehmen Kathleen Madden mit einem Geschäftsplan: "Ich baue für Sie den Vertrieb in Ostdeutschland auf." Bei Misserfolg Geld zurück. Anderthalb Jahre weiter hatte die Deutsch-Kroatin die versprochenen Umsatzzahlen mehr als erreicht und zog weiter, zur Multimedia-Agentur Pixelpark.Geht nicht, gibt's nicht
Neues schneller, einfacher und vor allem selber machen: Anita Bachelin fügt sich nicht gerne in vorgefertigte Strukturen. Äußerungen wie "Geht nicht, gibt's nicht" oder "Wenn etwas nicht klappt, wie du es dir vorgestellt hast, stell dir halt was anderes vor" sind typisch für sie - Lebensweisheiten ihrer kroatischen Großmutter, sagt sie.

Bachelin konzipierte bei Pixelpark Online-Läden für Markenartikler wie Adidas oder Mexx. Zwei Jahre lang, in denen sich Pixelpark von der "Kreativbude zum Konzern entwickelte". Zu viel Bürokratie für eine wie Bachelin, die genauso schnell Ergebnisse sehen möchte wie sie denkt und spricht. Und zu wenig Glamour für eine, die als 15-Jährige in ihrer Heimatstadt Düsseldorf modelte und nach dem Ingenieur-Studium der Textil- und Bekleidungstechnik bei Joop im Franchise-Management anheuerte. "Ich finde Catwalks wahnsinnig toll! Es ist schon eine eigene Welt, und entweder man liebt sie oder nicht."

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Begehbares Magazin
"Mode als Wirtschaftsfaktor" hatte Bachelin kennen gelernt. Jetzt sinnierte sie mit WG-Mitbewohner Norbert Tillmann, wie eine neue Modemesse in Deutschland - neben der Schweiz und Österreich der größte europäische Absatzmarkt - aussehen könnte. Bachelin nahm ihren Stil und den ihrer Freundinnen auseinander: "Teure Jeans, Shirt von einem kleinen Label, Vintage-Jacke, Designer-Tasche, Sneakers." Dieses "Straßenbild" wollte die Modeliebhaberin dem Handel bieten, sprich: eine Designermesse mit Marken zwischen den Extremen H&M und Prada.

Im Jahr 2003 inszenierten die Rheinländer Bachelin und Tillmann mit Unterstützung des Berliner Senats zum ersten Mal ein "begehbares Life-Style-Magazin" mit ausgesuchten Kollektionen, Schuhen und Accessoires in einem U-Bahn-Tunnel unter dem Potsdamer Platz. Fachpresse, Betreiber kleiner Boutiquen sowie "Trend-Scouts" der großen Modehäuser kamen aus London, Paris, New York und waren begeistert von der Premium und dem buchstäblichen Berliner "underground feeling".

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