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Ratgeber

Praktikum - Ausflug in die Jobwelt

Katja Stricker
Praktika vor und während des Studiums sind sinnvoll und können spannend sein. Was Praktikanten verdienen und bei den Sozialabgaben beachten müssen, hat Junge Karriere für Sie zusammen gestellt.
Praktikanten müssen oft jeden Cent umdrehenFoto: © bbroianigo - Fotolia.com
Ob in der Marketingabteilung großer Konzerne, in der Produktion bei Auto- und Maschinenbauern oder im Labor von Chemie- und Pharmafirmen - kaum ein Unternehmen, in dem sich in den Semesterferien nicht regelmäßig Praktikanten tummeln. Schließlich wird heute von jedem Jobeinsteiger erwartet, gleich mehrere längere Praxisphasen vorweisen zu können.Vorpraktika häufig Pflicht

Die besten Jobs von allen

Schon vor Studienbeginn verlangen immer mehr Hochschulen einen Abstecher in die Jobwelt, bevor es mit Vorlesungen und Seminaren losgehen kann. In fast allen Ingenieurstudiengängen wie beispielsweise Bauingenieurwesen, Architektur, Informatik, Maschinenbau und Elektrotechnik müssen Studienanfänger zunächst einige Wochen ins Unternehmen. Einige Hochschulen verlangen auch von Bewerbern für Journalismus oder BWL Praxiserfahrung vorab.Vier bis zwölf Wochen dauern die Vorpraktika in der RegelWer nach dem Abitur möglichst bald mit dem Studium anfangen will, sollte sich frühzeitig nach einem geeigneten Praktikumsplatz umsehen. Die meisten Unternehmen - wenn sie überhaupt Praktika für Abiturienten anbieten - haben einen Vorlauf von drei bis sechs Monaten.Auch wer kein Vorpraktikum absolvieren muss, kommt um den einen oder anderen Praxiseinsatz im Laufe seines Studiums nicht herum. Spätestens nach dem ersten Semester nutzt das Gros der Studenten einen Teil der vorlesungsfreien Zeit für Praktika. Bei vielen Fachhochschul-Studiengängen sind zudem ganze Praxissemester Pflicht.Maue BezahlungWer darauf angewiesen ist, in den Semesterferien oder zwischen den Vorlesungen regelmäßig zu jobben, für den werden sich die meisten Praktika eher als finanzielle Durststrecke entpuppen. Denn laut einer aktuellen Umfrage des Hochschul-Informations-Systems (HIS) erhält lediglich jeder dritte Praktikant überhaupt Kohle für seine Mitarbeit. Pflichtpraktika werden dabei deutlich schlechter honoriert als freiwillige Stippvisiten in Unternehmen, bei denen es immerhin in 44 Prozent der Fälle einen kleinen Obolus gibt.Wie viel bezahlt wird, ist je nach Branche sehr unterschiedlich. Während sich Praktis nach einer aktuellen Studie des Recruiting-Dienstleisters Alma Mater in Dienstleistungsunternehmen mit im Schnitt 420 Euro pro Monat zufrieden geben müssen, wird die Mitarbeit auf Zeit in der Elektrotechnik-Branche mit üppigen 750 Euro im Monat belohnt.Im Schnitt erhalten Praktikanten 512 Euro im Monat - allerdings eher, wenn sie schon einige Semester auf dem Buckel haben. "Wer direkt von der Schule kommt, kann mit einer solchen Bezahlung noch nicht rechnen", so Jürgen Bühler von Alma Mater. "Als Abiturient kann man froh sein, überhaupt eine gute Firma zu finden, die einen ein Vorpraktikum machen lässt", ergänzt Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie. Da die meisten Firmen in solchen Fällen höchstens eine kleine Aufwandsentschädigung, etwa Fahrtkosten- oder einen Kantinenzuschuss, zahlen, macht ein Vorpraktikum in der Umgebung Sinn, damit keine Extrakosten für Wohnung und Fahrten anfallen.Berufsberater Jürgen Hesse rät, beim Praktikum nicht zu sehr auf den Verdienst zu schielen: "Wem es ums pure Geldverdienen geht, muss halt zusätzlich abends oder am Wochenende bei McDonald´s arbeiten", sagt Hesse. Bei einem Praktikum stehe nicht das Geld, sondern die Vorleistung fürs Studium oder die Referenz für den Lebenslauf ganz klar im Vordergrund. "Am wichtigsten ist, dass man etwas lernt und später im Lebenslauf ein Unternehmen mit einem guten Namen vorweisen kann", gibt der Berufsberater zu bedenken.Wer allerdings während seines Praktikums permanent als billige Aushilfskraft etwa am Empfang oder in der Montage eingesetzt wird, kann versuchen, für diese Einsätze einen angemessenen Stundensatz zu verabreden. Überhand sollten diese Hilfsjobs nicht nehmen, schließlich soll ein Praktikum zur Berufsorientierung dienen.Für eine faire Behandlung und Bezahlung von Praktikanten setzt sich die Initiative Fair Company von karriere ein, der mittlerweile über 700 Unternehmen beigetreten sind. Wer dazu gehört, findet ihr unter www.karriere.de/fair-company.Zeugnis wichtiger als Geld. Wer länger als 14 Tage Praktikum macht, sollte sich auf jeden Fall ein qualifiziertes und ausführliches Zeugnis geben lassen. "Ein richtig gutes Praktikumszeugnis ist mehr Wert, als ein paar hundert Euro Verdienst", ist Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie überzeugt. Dient es doch als Türöffner für das nächste Praktikum und kann sich gegen Ende des Studiums sogar als wichtiger Kontakt für den ersten Job entwickeln.Mit der Zahl der Semester verbessern sich auch die Chancen auf eine höhere Praktikumsvergütung. "Studenten ab dem dritten oder vierten Semester sind für Unternehmen wesentlich interessanter, weil sie schon richtig einsetzbar sind und Fachwissen von der Hochschule mitbringen", erzählt Jürgen Bühler von Alma Mater. "Manche Beratungsfirmen stecken gute Praktikanten sogar in ihre Projektteams vor Ort. Die verdienen dann auch schon mal mehr als 1.000 Euro im Monat." Aber das bleibt eher die Ausnahme.Spielregeln beachtenVon ihren meist mickrigen Gehältern werden Praktikanten in einigen Fällen auch noch Beiträge zur Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie Lohnsteuer abgehalten. Von 500 Euro Salär landen dann gerade mal knapp 400 Euro auf dem Praktikantenkonto.Da Abiturienten vor Studienbeginn noch nicht an der Hochschule eingeschrieben sind, werden selbst bei Pflichtpraktika vor dem Studium Sozialabgaben fällig - allerdings nur, wenn es Kohle gibt. Werden mehr als 325 Euro pro Monat gezahlt, muss der Praktikant die vollen Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Wer nichts verdient, bleibt verschont.Ist das Praktikum vor dem Studium Kür, müssen erst ab einer Grenze von 400 Euro Sozialversicherungsbeiträge abgedrückt werden. Einfacher im Handling sind Pflichtpraktika während des Studiums: bei ihnen fallen generell keine Sozialabgaben an, und zwar unabhängig von Dauer und Bezahlung des Praktikums.Bereits während eines Vorpraktikums gibt es in einigen Fällen eine Finanzspritze vom Staat, denn auch angehende Studenten können Bafög beziehen. Damit lässt sich dann auch ein unbezahlter Praxiseinsatz überbrücken.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.06.2007

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