Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Unternehmen

Praktiker: Baumarkt mit Bauwut

Florian Willershausen
Baumarkt-Discounter Praktiker will Obi, den Branchenführer, überholen. Weil der deutsche Markt verteilt ist, wachsen die Heimwerker aus dem Saarland in Rumänien und Bulgarien. Dort ist noch viel zu holen - erst recht nach dem EU-Beitritt.
Die Baumarktbranche zählt auf Bulgariens HeimwerkerFoto: © Balin-Fotolia.com
Als Falk Schröter sein neues Büro eingerichtet hatte, atmete er tief durch, schaute aus dem Fenster und betrachtete den Alltag seines neuen Einsatzlandes: Pferdewagen und Ladas teilten sich die vier Spuren der Autobahn. Neben ihnen ein paar Porsche und Mercedes. Am Horizont qualmte es aus dem Dach eines Wohnhauses. Das Haus brannte nicht, es hatte bloß keinen Schornstein mehr.Der 27-Jährige war nach Sofia gekommen, um als Vertriebsassistent den Auftritt des deutschen Baumarkt-Discounters Praktiker voranzutreiben. Es war Anfang Juli 2006, die Zeit, als die Deutschen wie verrückt Fahnen und Bierzeltgarnituren und Einweg-Grills kauften. In Bulgarien schienen Bretter, Ziegelsteine und Rohrleitungen nötiger zu sein. "Die große Masse kann sich hier nicht viel leisten", sagt Schröter, "doch der Wohlstand kommt mit schnellen Schritten." Darum kommt auch Praktiker.

Die besten Jobs von allen

Spitze mit sechs FilialenDie Baumarktkette aus dem saarländischen Kirkel ist seit 2004 in Bulgarien am Markt. Nur sechs Baumärkte hat sie hochziehen müssen, um Marktführer zwischen Schwarzmeer und Donau zu werden. Dieses Jahr werden zwei weitere Niederlassungen gebaut. Bulgarien ist einer der kleinsten Standorte der Baumarktkette, doch hier wächst das Geschäft am kräftigsten: Mit 27,2 Millionen Euro lag der Umsatz von neun Monaten im letzten Geschäftsjahr schon ein Fünftel über dem des gesamten Vorjahres.Insgesamt lieferten die 73 Auslandsmärkte in acht Ländern fast ein Drittel des Praktiker-Umsatzes. Die übrigen Umsatzanteile steuern 272 deutsche Baumärkte bei. Praktiker braucht das Auslandsgeschäft. "Wir sind in der deutschen Baumarktbranche Spitze und wollen weiter profitabel wachsen", gibt Vorstandschef Wolfgang Werner die Marschrichtung aus. Mit anderen Worten: Praktiker will Marktführer Obi überholen.Es ist ein neuer Kurs, den die Heimwerker aus dem Saarland eingeschlagen haben. Keine zwei Jahre ist es her, da stand das Unternehmen vor dem K.o. Damals hatte Metro den schwächelnden Baumarkt am Bein, dessen Billig-Strategie angesichts eines viel zu breiten Angebots nicht aufging. Dann kam mit Wolfgang Werner ein neuer Vorstandschef, der die Ärmel hochkrempelte, das Sortiment verkleinerte, den Baumarkt erfolgreich an die Börse brachte und mit den erworbenen Milliarden in die Offensive ging. Durch den Kauf der Premium-Kette Max Bahr kam Praktiker zuletzt bis auf ein halbes Prozent Marktanteil an Obi heran.

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick