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Haben Deutsche keinen Stil?
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Der deutsche Stil

Pragmatismus im Kleiderschrank

von Marcel Berndt, wiwo.de
Politisch korrekt, modisch daneben – so geben sich deutsche Geschäftsleute gern und kombinieren ihren Anzug mit Kurzarmhemd, Funktionsjacke und Rucksack. Auf den Spuren des deutschen Stils.
Seit elf Jahren trägt Jürgen Geßler seine Titanuhr – von früh bis spät. "Ich liebe ihren zeitlosen Stil", sagt der Chef von Porsche Design. Der Accessoires- und Modemarke von Porsche ging es jedoch um weit mehr als Aussehen, als sie 1980 die weltweit erste Titanuhr auf den Markt brachte. Sie war nicht nur hautverträglicher und leichter als ihre Vorgänger aus Edelstahl, sondern auch genauso präzise und widerstandsfähig.

Ästhetik der Funktionalität

Ihr Schöpfer Ferdinand Alexander Porsche steht hinter zahlreichen Design-Ikonen. Schon im Gründungsjahr der Marke 1972 sorgte er mit der weltweit ersten schwarzen Uhr für Aufsehen. Sechs Jahre später folgte die tropfenförmige Sonnenbrille mit auswechselbaren Gläsern. "Das Credo von F.A. Porsche war, dass gutes Design ehrlich sein muss", sagt Geßler und betont: "Nicht schön, sondern ehrlich. Nur dann erhalten sich Produkte ein Leben lang."

Das heißt, dass sie nicht vorgeben sollen, mehr zu sein als sie sind. Anstatt mit viel Deko zu blenden, beschränkt sich das Design aufs Wesentliche und hebt die Funktion der Produkte hervor. Das gilt auch für die 2003 eingeführten Bekleidungskollektionen. So kommt der aus einem einzigen Stück Leder hergestellte "RawTec Blazer" schlicht und schnörkellos daher und erhielt so 2012 einen Red Dot Award

Deutscher Stil

Innovation, Schlichtheit, Funktionalität – wenn sich Jürgen Geßler anschaut, was seine Marke ausmacht, gibt er zu: "Das sind alles ziemlich deutsche Eigenschaften." Das beginnt schon bei ihren Ursprüngen im Automobil.

Daneben spiele Mode für die auf Technik fixierten Deutschen nur eine untergeordnete Rolle, findet Stilexperte Bernhard Roetzel: "Deutschland ist das Land der Erfinder", sagt der Autor des Bestseller-Ratgebers "Der Gentleman". "Die Schönheit eines Autos oder einer Maschine erfreut viele mehr als die Schönheit eines Stoffes."

Tatsächlich sagen 44,8 Prozent der Deutschen, sich kaum oder gar nicht für Mode und Modetrends zu interessieren. Als Experten, die anderen gerne mal einen modischen Tipp geben, sehen sich gerade mal 10,7 Prozent.

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