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Einfach mal erfolgreich nichts tun!
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Zwang zum Erfolg

Plädoyer wider den Erfolgskult

Ferdinand Knauß, wiwo.de
Erfolg ist das einzige Motiv allen Handelns geworden. Doch eine Gesellschaft, die sich pausenlos selbst in Sieger und Verlierer aufteilt, zerstört Organisationen – und entmündigt die Menschen. Ein Plädoyer wider den Erfolgskult.
Viele Zeitungen und Magazine haben Ressorts, die sich mit der Berufswelt beschäftigen – auch die WirtschaftsWoche. Dort wollen wir den Lesern zeigen, wie sie etwas erreichen können, was jeder anstrebt: Erfolg.

"Pflicht zum Erfolg"

Dieses Anliegen ist durchaus legitim. Der große Raum, der den angeblichen Wegen zum Erfolg in den Medien gegeben wird, zeigt seine besondere Bedeutung in modernen Gesellschaften. Denn all diese Texte wollen ja nicht nur helfen, sondern sie bestätigen allein durch ihre Existenz auch, dass es gut und richtig ist, stets nach Erfolg zu streben.

In einem eigens aktuellen Sonderband der sozialwissenschaftlichen Zeitschrift "Leviathan" schreibt Sighard Neckel deshalb sogar von einer "Pflicht zum Erfolg". Man kann dieser Pflicht kaum noch entkommen. Keine gesellschaftliche Domäne scheint übrig zu sein, in der man nicht unbedingt erfolgreich zu sein hat.

Immer nur relativ

Ein Arbeitgeber, der keine "Aufstiegsmöglichkeiten" anbieten kann, hat bei Bewerbern keine Chance. Selbst Hobbys bleiben nicht verschont: "Grundregeln erfolgreichen Kochens" will ein Buch vermitteln. Dank eines anderen Ratgebers kann man "Erfolgreich gärtnern durch Mischkultur" lernen. Doch es gibt ein Problem.

Der Erfolg des Einen ist immer das Scheitern eines Anderen. Erfolg ist immer relativ. Wenn von Erfolg die Rede ist, dann geht es darum, dass jemand seinen Status verbessert, indem er sich gegen Konkurrenten durchsetzt. Erfolg als Leitmotiv macht das Leben zum Verdrängungswettbewerb.

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