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Anrede

Per Du mit dem Chef

Tina Groll, Zeit.de
Die Mitarbeiter zu duzen, schafft Nähe, das förmliche Sie sorgt für Distanz. Beide Anreden können als Instrument zur Führung genutzt werden, haben aber ihre Tücken.
Würden Sie Ihren Chef duzen?Fotolia.com
Duzen oder Siezen? Die Frage klingt banal, aber am Arbeitsplatz kann es sehr schwierig sein, die richtige Antwort zu finden. Nicht immer ist das vertrauliche Du angebracht, das förmliche Sie wiederum kann zu einer Distanz führen, die eine produktive Zusammenarbeit erschwert. Richtig kompliziert wird es, wenn noch Zwischenformen berücksichtigt werden, wie die Verwendung des Vornamens und dem Sie.

"Die Etikette ist eindeutig, aber die Alltagssprache ist es nicht", sagt Carolin Lüdemann. Sie ist Mitglied im Deutschen Kniggerat und bringt Führungskräften die richtige Etikette im Berufsleben bei. Generell biete der Ranghöhere das Du an, unter Gleichrangigen ginge die Initiative vom Älteren aus, sagt Lüdemann. Das bedeutet in der Berufspraxis: Der junge Vorgesetzte darf dem älteren Mitarbeiter die vertrauliche Anrede anbieten, aber nicht der ältere Mitarbeiter dem jungen Chef.

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Doch kann das Du auch abgelehnt werden? "Prinzipiell schon, allerdings kann eine Absage negativ aufgefasst werden. Insbesondere dann, wenn sie nicht gut begründet ist", sagt Lüdemann. "Darum rate ich dazu, gut abzuwägen, ob wirklich ein Schaden durch die vertrauliche Anrede entsteht." Gute Gründe für eine Ablehnung gibt es nur wenige, beispielsweise wenn Kunden das Du anbieten. "Sie sollten ihre Absage mit dem Verweis auf eine höhere Stelle begründen. Es ist durchaus nachvollziehbar, dem Kunden zu erklären, dass das vertrauliche Du vom Unternehmen während laufender Projekte nicht gern gesehen wird, aber man sich sehr gern nach Abschluss des Projekts duzen könne", rät die Trainerin. Sie sagt aber auch: Nach alter Schule ist das Du eine Auszeichnung.

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