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Pendeln kann auch schön sein.
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Kommentar

Pendeln kann auch schön sein

Jens Jessen, zeit.de
Immer mehr Menschen sind Pendler. Der Weg zur Arbeit kann eine gute Distanz zwischen Privatleben und Job sein. Oder eine zusätzliche Belastung.
Manche pendeln über hundert Kilometer auf der Autobahn zur Arbeit, manche stehen täglich zweimal eine Stunde im Großstadtstau. Glücklichere träumen eine halbe Stunde in der U-Bahn, bevor sie ins Büro gelangen, wieder andere müssen nur die Treppe aus dem Schlafzimmer hinuntergehen in ihre Werkstatt, wo schon der Kaffee dampfend auf sie wartet. Der Wissenschaftler hat vielleicht neben seinen Büchern mit dem Kopf auf dem Schreibtisch geschlafen und nimmt als Erstes am Morgen einen Schluck vom kalten Tee der letzten Nacht.

Was macht der Weg zur Arbeit, der kurze oder lange oder gar nicht vorhandene, mit dem Arbeitnehmer?

Die Erfahrung lehrt: Distanzen sind gut, wenn ihre Bewältigung nicht selbst schon in Arbeit ausartet. Jeder braucht ein bisschen Zeit, um seinen Privatkopf vom Privaten zu befreien und in einen Arbeitskopf zu verwandeln.

Selbst der Kampf im Berufsverkehr kann wie ein reinigendes Gewitter wirken. Zurück gilt das Gleiche: Man muss die Welten sichtbar und erfahrbar wechseln, damit nicht Berufs- und Lebenssorgen untrennbar ineinanderwuchern.

Leben im Brei

Das ist das Problem mit dem Homeoffice und der Erreichbarkeit durch Smartphones – das Leben verwandelt sich in einen Brei, in dem am Ende alles gleich schmeckt, nämlich ziemlich bitter nach niemals endenden Aufgaben.

Der Kindergeburtstag wird zum Meeting, das Meeting zur Aussprache unter Ehepartnern, der Berufsalltag wird privat wie eine Beziehungskrise und das Privatleben zu einer Managementaufgabe. Nicht schön.

Zuerst veröffentlicht auf zeit.de
Dieser Artikel ist erschienen am 22.01.2014

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