Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Foto: Kzenon/Fotolia.com
Rechtsanwälte

Partner auf Abwegen

Teil 4: Die größten Kanzleien

Beim ersten Telefonat mit Cosima Preiss, seit fünf Jahren Anwältin bei Clifford Chance, arbeitet sie im Home-Office. Preiss ist im zeitlich anspruchsvollsten Bereich mit Firmenkäufen und Fusionen tätig. Im vergangenen Jahr hat sie etwa der Private-Equity-Firma Montagu geholfen, den international tätigen Verbandshersteller BSN Medical wieder zu verkaufen.

Wenn sie eine Transaktion abgeschlossen hat, geht sie auch mal früher nach Hause, sonst ist sie bis etwa 21 Uhr im Büro. "Man muss den Job hier schon mögen, um ihn gut zu machen. Wenn ich Spaß bei der Arbeit habe, denke ich nicht: Oh, es ist 19 Uhr, ich sollte nach Hause gehen." 

Wenn die Notizblöcke zur Seite gelegt sind, ist aus Kanzleien oft zu hören, dass ein geregeltes Privatleben in diesem Dienstleistungsgeschäft nicht möglich sei. "Ob man im High-End-Geschäft eine gute Work-Life-Balance anbieten kann, ist eine Glaubensfrage", sagt Jurist und Hochschullehrer Staub. Er glaubt, dass es dank Laptop, Smartphone und Internet machbar ist.

Verständnis bei den Altersgenossen

Und die Mandanten akzeptierten zunehmend, dass mal jemand von zu Hause aus zurückruft. Sie seien doch im gleichen Alter und hätten ähnliche Vorstellungen. Die Kanzleien müssen sich dafür aber Mühe geben.

"Es gibt dafür kein Patentrezept, aber das wird selbst im Transaktionsgeschäft gehen – nur etwas später. In ein paar Jahren diskutiert keiner mehr über Work-Life-Balance, weil es für viele Realität ist", sagt Staub. Mit einer Einschränkung: "Nerds wird es immer geben."

Die größten Kanzleien

In Deutschland zählen laut dem Branchenmagazin Juve CMS Hasche Sigle mit rund 600 und Freshfields Bruckhaus Deringer mit rund 500 Anwälten zu den größten der internationalen Top-Kanzleien. Es folgen Clifford Chance, Hogan Lovells, Taylor Wessing und Gleiss Lutz.

Gemessen am Umsatz 2011/12 liegt aber laut Juve Freshfields mit rund 324 Millionen Euro vorne, gefolgt von CMS Hasche Sigle mit 227 Millionen Euro.  Im Zuge der Finanzkrise hatten einige Kanzleien Einstellungsstopps verhängt. 2012 ging die Zahl der Neuzugänge bei etlichen, aber nicht allen, wieder nach oben. Allerdings wachsen die kleinen und mittelgroßen Kanzleien besonders stark.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.04.2013

Fair Company | Initiative

 

Themen im Überblick