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Rechtsanwälte

Partner auf Abwegen

Teil 2: Horrende Einstiegsgehälter als Lockmittel

Weil die Konkurrenz so hart ist, schraubten die Sozietäten die Einstiegsgehälter in den vergangenen Jahren immer weiter nach oben. Bis zu 125.000 Euro fix überweisen sie heute ihren Neueinsteigern – Associates genannt – im ersten Jahr. "Sie zahlen alle gleich zu viel", sagt einer, der die Branche sehr gut kennt.

Schmerzensgeld nennen es andere, weil die Sozietäten dafür auch einiges verlangen. Arbeitstage von neun bis 22 Uhr sind die Regel, Wochenendeinsätze im Notfall ein Muss – und Not ist ein dehnbarer Begriff.

Die Mandanten verlangen zudem für die 200 bis 500 Euro Stundensatz, die sie den Kanzleien zahlen, ständige Erreichbarkeit.

Spannende Mandate, frühe Verantwortung

Auch Lars Schäfer, der 2005 bei Freshfields ein- und 2011 wieder ausgestiegen ist, brannte für die Arbeit. Er war ein Idealkandidat: Den in der Branche als "Kriegsbemalung" bezeichneten Lebenslauf mit zwei Prädikatsexamen, einem internationalen Master in Jura und einem Doktortitel kann er vorweisen, Letzteren hat er in Teilzeit in der Kanzlei gemacht.

Sein Partner hat darauf geachtet, dass er auch wirklich Zeit für seine Doktorarbeit hat.

Schäfer weiß, was eine Großkanzlei Juristen wie ihm bietet. Er hat an spannenden Mandaten gearbeitet, Gutachten für Banken zu aufsichtsrechtlichen Anforderungen geschrieben, Kontakt zu Aufsichtsbehörden gehalten, kurzum: Er hat früh Verantwortung übernommen.

Problem: Von allem zu wenig

Er weiß heute aber auch, was die Großkanzlei ihm nicht bieten kann: "Man hat von allem zu wenig, von der Familie, den Freunden, denen man immer wieder absagen muss. Man ist kein verlässlicher Mensch mehr", sagt er.

Schäfer erinnert sich noch gut an das frustrierende Gefühl, "nach 20 Uhr in der Kanzlei zu sitzen und Leerlauf zu haben", etwa weil er auf die Rückmeldung eines Mandanten wartet. In den ersten Jahren kam das bis zu dreimal in der Woche vor.

Schäfer arbeitet heute im Kapitalmarktrecht der Dekabank. Der Job wäre nichts für viele seiner Ex-Kollegen, obwohl er sich gar nicht so sehr von dem alten in der Kanzlei unterscheidet. Nur dass er damals weit weg war vom Geschäft seiner Kunden, und heute nah dran. Ihm gefällt das besser.


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