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Firmengründung

Ohne Businessplan läuft nichts

Katja Stricker
Wie und wo Gründer an Geld für ihr Unternehmen kommen und wie sie sich optimal auf das Gespräch mit dem Bankberater vorbereiten.
Wer arbeitslos gemeldet ist, kann Gründungszuschuss beantragenFoto: © endostock - Fotolia.com
KfW-Programme: Die wichtigste Anlaufstelle für Gründer ist die KfW Mittelstandsbank, die zinsgünstige Darlehen vergibt. Für Jungunternehmer, die maximal 50.000 Euro benötigen, eignet sich das KfW-Startgeld. Wer mehr Geld von der Bank braucht, ist mit dem Programm "ERP-Kapital für Gründungen" gut beraten (Infos: www.kfw-mittelstandsbank.de). Vermittelt werden die Kredite von der Hausbank des Gründers. Im Einzelfall kann aber auch ein herkömmlicher Bankkredit günstiger sein. Deshalb rät Andreas Lutz, Betreiber des Ratgeberportals Gruendungszuschuss.de: "... den Bankberater auf jeden Fall nach einem Gegenangebot fragen". Entscheidungsgrundlage sollten nicht nur die Zinsen, sondern auch Konditionen wie die Abschlussgebühren und die tilgungsfreien Zeiten sein. Grundlage für das Gelingen der Finanzierung ist also das Gespräch mit der Hausbank. Und in das sollten Gründer nur extrem gut vorbereitet reingehen, rät Lutz, "denn der erste Eindruck zählt".

Businessplan selber schreiben: Ohne einen Businessplan geht bei der Gründung gar nichts. Und der sollte schon vor dem ersten Gespräch mit der Bank fertig sein, rät Andreas Lutz. Denn: "Er dient der Vorbereitung und zwingt den Gründer, sich ausführlich mit seinem Konzept und der Kalkulation zu beschäftigen." Nur wer sich selber mit den Zahlen, Chancen und Risiken seiner Gründung auseinandergesetzt hat, kann unangenehme Fragen des Bankberaters kontern. "Der Gründer muss jede einzelne Zahl erklären können", sagt Lutz. Daher mache es auch keinen Sinn, den Businessplan von einem externen Berater schreiben zu lassen. Für das erste Bankgespräch empfiehlt der Experte allerdings nur eine ein- bis zweiseitige Zusammenfassung des Businessplans mitzunehmen.

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Idee verständlich machen: Um den Banker vom Gründungskonzept zu überzeugen, ist es wichtig, die Geschäftsidee so einfach und anschaulich wie möglich zu erklären. Gerade bei technischen Innovationen empfiehlt es sich, möglichst einen Prototyp des neuen Produkts mitzubringen oder zumindest Fotos und eine kleine Präsentation.

Ohne Sicherheiten geht es nicht: Selbst bei KfW-Krediten trägt die vermittelnde Hausbank einen Teil des Risikos. "Durch die neuen Eigenkapitalregeln sind die Banken gezwungen, noch genauer auf die Risikokalkulation zu achten", sagt Lutz. Und das mache es auch für Gründer schwerer, an Geld zu kommen. Sicherheiten können Bürgschaften von Eltern oder Verwandten sein, aber auch Wohneigentum und Grundbesitz. "Psychologisch kommt es auch sehr gut an, wenn der Gründer sein Eigenkapital mit Erspartem aufstockt", so Lutz.
Risiken analysieren: Um auf kritische Fragen des Bankers vorbereitet zu sein, sollten sich Jungunternehmer eine Liste mit den schlimmsten Ereignissen notieren, die bei der Gründung passieren können, etwa dass die Kunden wegbleiben oder eine Marketingaktion scheitert. Für diese Szenarien sollte man vorab Lösungen erarbeiten. "So kann einen der Banker nicht in die Enge treiben", erklärt Andreas Lutz.

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Attraktiver werden: Die Hausbank verdient wenig an der Vermittlung von KfW-Krediten. "Glück hat, wer an einen gründungsaffinen Banker gerät", sagt Gründerberater Hans Emge. Sein Tipp: "Um als Kunde interessanter zu werden, kann es helfen, gleichzeitig eine Versicherung zur Altersvorsorge oder einen Leasingvertrag für ein neues Auto oder eine Maschine abzuschließen." Bei solchen Verträgen sind die Bankmargen höher. Allerdings sollte man sich nichts aufschwatzen lassen, was man nicht braucht.

Überheblichkeit vermeiden: Banker reagieren allergisch darauf, wenn Gründer mit der Haltung ins Gespräch gehen, ein Recht auf einen KfW-Kredit zu haben, sagt Andreas Lutz. Auch die Kredithöhe ist eine häufige Fehlerquelle. Sein Rat: nicht zu knapp kalkulieren und einen Puffer für schlechte Phasen einplanen. Ein Nachschlag ist von der Bank meistens schwer zu bekommen.

Business Angels: Eine Alternative zum Bankkredit kann die Beteiligung durch einen Business Angel (BA) sein, der Eigenkapital gibt und ein Teil des Risikos trägt. Meist zieht sich der Investor nach einiger Zeit aus der Gründung zurück und verkauft seine Anteile wieder. Daher sind BAs vor allem an innovativen Gründungen mit hohem Wachstumspotenzial interessiert. Wer sich dagegen mit einem etablierten Geschäftsmodell, etwa einem Ingenieurbüro, einer Kanzlei oder einer Internet-Agentur selbstständig macht, ist kein Fall für Wagniskapitalgeber. Infos: www.business-angels.de
Gründungszuschuss: Finanzielle Unterstützung für Arbeitslose, die sich selbstständig machen wollen, gibt es bei der Agentur für Arbeit. Den so genannten Gründungszuschuss kann beantragen, wer offiziell arbeitslos gemeldet ist. Neun Monate lang gibt es eine Förderung in Höhe des individuellen Arbeitslosengeldes, die meist 67 Prozent des früheren Nettolohns entspricht. Hinzu kommt eine Pauschale von 300 Euro für die Sozialversicherungsbeiträge. Infos: www.gruendungszuschuss.de

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