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Aufrüsten im Home-Office

Kollege Roboter sorgt für den Flurfunk

Teil 3: Heimarbeiter werden bei Beförderungen übersehen

3. Im Homeoffice unsichtbar werden

Nicholas Bloom, Professor an der amerikanischen Stanford-Universität, veröffentlichte im Jahr 2014 eine umfassende Studie. Dazu hatte er neun Monate lang knapp 250 Callcenter-Mitarbeiter eines chinesischen Reiseunternehmens begleitet. Die eine Hälfte arbeitete wie gewohnt im Büro, die andere von zu Hause aus. Das hatte durchaus positive Seiten: Sie leisteten mehr und waren seltener krank. Doch gleichzeitig entdeckte Bloom einen veritablen Nachteil: Sie wurden seltener befördert.

Eine Erkenntnis, die zu Hofmanns Erfahrungen passt. "Wir sind immer noch so sozialisiert, dass wir zum Arbeiten ins Büro rennen", sagt sie. "Im Umkehrschluss denken wir: Wer nicht im Büro ist, der arbeitet auch nicht." Diese Haltung müssten vor allem die Führungskräfte überdenken, wenn sie leistungsgerecht befördern wollen.

Experten empfehlen Vorgesetzten, Beurteilungen nicht an Jahresziele zu knüpfen. Angestellte im Homeoffice bräuchten kurzfristigere Ziele. Das steigere ihre Motivation und erleichtere dem Chef die Bewertung. Beraterin Hofert sieht aber auch die Mitarbeiter in der Pflicht, ihre Leistung sichtbar zu machen. Sie rät ihren Klienten, niemals komplett von zu Hause zu arbeiten. "Sichtbarkeit erreichen Sie nur, wenn Sie ab und zu vor Ort sind", sagt Hofert – egal, ob in einer Woche im Monat oder an einem festen Tag in der Woche.

4. Die Arbeitszeit im Blick haben 

Die aktuelle Überblicksstudie der International Labour Organization bestätigt: Wer von zu Hause oder unterwegs arbeitet, kommt auf mehr Arbeitszeit als die Kollegen im Büro. Die Gründe sind vielfältig: Zum einen sind Menschen im Homeoffice häufiger auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar, weil sie Flexibilität gewohnt sind. Zum anderen behindern technische Probleme die Abläufe und erschweren Kommunikation mit Kollegen.

Um diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen, müssen Arbeitgeber technisch aufrüsten. Microsoft etwa bietet seinen Kunden dafür Softwarelösungen, die der Konzern auch selbst nutzt. Der Softwareriese gilt als Vorreiter, schon im Jahr 2014 hat er neben der Vertrauensarbeitszeit auch den Vertrauensarbeitsort eingeführt. "Damit das funktioniert, ist eine reibungslose Kommunikation die Grundvoraussetzung", sagt Kay Mantzel, Experience Manager bei Microsoft, der Kunden regelmäßig das Arbeitskonzept des Unternehmens erklärt.

Microsoft-Mitarbeiter nutzen diverse Softwarehelfer. Der wichtigste ist Skype for Business, das Internettelefonie und Chat vereint. Die Ampelanzeige im Chat signalisiert den Kollegen, wie beschäftigt man gerade ist: Grün steht für "erreichbar", Gelb für "nicht am Platz", Rot für "beschäftigt" und Rot mit einem weißen Strich für "nicht stören". Die Informationen zieht die Anwendung direkt aus dem Outlook-Kalender. Dessen akribische Pflege ist für jeden Mitarbeiter ein Muss. Außerdem haben alle an einem Projekt beteiligten Personen mithilfe eines eigenen Programms jederzeit Zugriff auf alle wesentlichen Informationen. Die Anwendung integriert nicht nur Chat und Kalender, sondern auch die Dokumentenablage.

Nicht komplett auf Anwesenheit im Büro verzichten

"Damit dämmen wir die E-Mail-Flut deutlich ein", sagt Mantzel. "Das spart allen Zeit." Ob sich bei Microsoft nun alle in die virtuelle Arbeitswelt zurückziehen? Im Gegenteil. Mit der Eröffnung der neuen Deutschlandzentrale im vergangenen Herbst setzt das Technologieunternehmen auf modernste Büroarchitektur. "Natürlich soll das neue Gebäude auch Anreiz sein, ins Büro zu kommen", sagt Mantzel. "Denn echte Innovationen entstehen vor allem dort, wo Menschen zufällig zusammentreffen."

Das weiß auch Nicolas Preuß. Er kann auch weiterhin spontane Unterhaltungen führen, die über das Fachliche hinausgehen – seinem Roboter sei Dank. "Ich bekomme die Stimmung im Team und im Unternehmen mit", sagt Preuß. "Das ist nicht zu unterschätzen." Alle zwei Wochen ist Preuß für ein bis zwei Tage dann aber doch im Büro. "Wenn es Probleme gibt oder ein ernsthaftes Mitarbeitergespräch ansteht, möchte ich physisch anwesend sein", sagt er. Manche Themen will eben niemand mit einem Roboter besprechen.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 01.12.2017