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Allgemein herrscht in Deutschland bei der Veränderung des Arbeitens Nachholbedarf
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Arbeit 4.0

Der Traum von gelebter Flexibilität

Teil 3: Ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen

Für Unternehmen, die zumindest die Arbeit ihrer Büro-Angestellten modernisieren wollen, wäre Coworking also eine mögliche Ergänzung zum traditionellen Produktionsgebäude mit angeflanschtem Bürokomplex. Im Zweifelsfall ist es eine Möglichkeit, moderne Arbeitswelten einmal auszuprobieren, ohne gleich die Kosten für einen kompletten Umbau inklusive Umstellung der Technik wuppen zu müssen. Ausprobieren, Fehler machen und daraus lernen ist immer noch besser, als nichts zu tun. "Es ist gut, dass so viele Unternehmen ausprobieren, was zu ihnen passt und Pilotprojekte starten. Wer sich intensiv mit seiner Arbeitsweise beschäftigt, erkennt seine Stärken und Schwächen", sagt Haner. Diese Vorgehensweise wird sogar von der Bundesregierung unterstützt, das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördert ganz aktuell sogenannte Lern- und Experimentierräume.

Das bedeute nicht, dass alles Neue gut und alles Alte schlecht sei. "Vielmehr müssen Unternehmen sehr situativ entscheiden, für welche Aufgabenstellung welche Arbeitsweise gut beziehungsweise geeignet ist", sagt Haner.

Der Wille zu modernem Arbeiten ist da, aber an der Ausführung hapert es

Immerhin: Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen haben bereits eine dedizierte Strategie für neue Arbeits- und Mobilitätskonzepte entwickelt. Die Ziele sind hier Flexibilität, Agilität, Produktivität sowie die Steigerung der Mitarbeiterzufriedenheit.

Zur Förderung von Mobilität und Flexibilität nutzen Unternehmen vielerorts schon entsprechende Kommunikationstools, wie die Studie von sipgate und IDG Research Services zeigt. Nur sehr innovativ sind die Firmen bei der Wahl der Mittel nicht: 56 Prozent setzen auf Telefonkonferenzen, um die Zusammenarbeit von Menschen an verschiedenen Standorten zu erhöhen.

Demokratie, sei es bei der Bildung, der Aufgabenteilung oder der Raumplanung, ein wichtiges Kriterium für modernes Arbeiten. Die Einbeziehung der Mitarbeiter ist für den Erfolg der Transformation zum Arbeitsplatz der Zukunft ausschlaggebend, wie es in der Arbeitsplatzstudie heißt. Die Ergebnisse zeigen aber, dass es in dem Bereich noch deutliches Verbesserungspotential gibt. Nur ein Drittel der Unternehmen informiert die Arbeitnehmer regelmäßig, wo ihr Betrieb steht und welche Schritte als nächstes in Angriff genommen werden sollen.

Wichtige Fragen müssen im Vorfeld geklärt werden

Dieses Unwissen mache vielen Mitarbeitern Angst, heißt es in der Studie: Braucht mich das Unternehmen morgen noch? Muss ich rund um die Uhr für Chefs und Kunden zur Verfügung stehen? Übernimmt ein Roboter meinen Job? Das seien Fragen, die sich Mitarbeiter stellen – und die 69 Prozent der Unternehmen nicht beantworten (können). Auch deshalb ist es so wichtig, dass Unternehmen darüber nachdenken, wie sie arbeiten und wie sie in Zukunft arbeiten wollen. Dann beantworten sich nicht nur die Fragen nach Home Office oder Großraumbüro, sondern auch die der Belegschaft.

Haner fasst es so zusammen: "Bei jedem Rollout, bei jedem neuen Werk und bei jeder Idee für ein neues Produkt sollte man sich fragen: sind wir am Puls der Zeit? Brauchen wir mehr Impulse von außen? Wie funktionieren bei uns Innovationsprozesse? Haben wir die richtigen Arbeits- und Kommunikationsweisen, um das maximale Potenzial der Neuerung zu erschließen? Brauchen wir mehr Impulse von außen? Wie müssen wir unsere Organisation aufstellen, um zukünftig erfolgreich zu sein?"

Dabei sollte dann zumindest eines klar werden: Die Zielgruppe lernt man nicht im Einzelbüro kennen.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 06.09.2017