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Allgemein herrscht in Deutschland bei der Veränderung des Arbeitens Nachholbedarf
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Arbeit 4.0

Der Traum von gelebter Flexibilität

Teil 2: Coworking Spaces bieten beste Infrastruktur

Ein weiteres Problem ist die Technik, wie die Befragung "Digital Workplace Report: Transforming Your Business" des IT-Dienstleisters Dimension Data zeigt. Für diese Erhebung wurden über 800 Führungskräfte in Wirtschaft und IT aus großen Unternehmen befragt. 62 Prozent gaben an, dass IT-Probleme eines der größten Probleme bei der Veränderung der Arbeitsweise seien.

Junge Unternehmen haben einen Weg gefunden, die IT-Probleme zum umgehen. Anstatt ein eigenes Büro anzumieten und sich selbst um die Einrichtung, die Telefonanlage, Hard- und Software zu kümmern, setzen viele von ihnen auf Coworking Spaces. Da ist der Service im Preis mit inbegriffen, die Gebäude sind meist zentral an attraktiven Standorten gelegen und Räume individuell nach den jeweiligen Anforderungen buchbar. "Die Adresse, die Architektur und den Service, den wir hier geboten bekommen, muss man sich in einem eigenen Büro erst mal aufbauen", bestätigt Laura Wamprecht von Flying Health Incubator.

Etabliert wie das Home Office

Und wenn diese Infrastruktur erst einmal für viel Geld aufgebaut ist, fällt es schwer, sie wieder über den Haufen zu werfen, um sich an neue Trends anzupassen. Flying Health Incubator, das Start-ups aus der Gesundheitsbranche unterstützt, sitzt in einem Coworking-Space von Mindspace in der Berliner Friedrichstraße. "Wir können hier flexibel auf die Bedürfnisse unserer Start-ups eingehen – für einige sind feste Arbeitsplätze bei uns vor Ort das richtige Modell, andere kommen tageweise oder für einzelne Meetings vorbei", erzählt sie. Man bringe einfach seinen Laptop mit und fange an zu arbeiten, sagt sie.

Wie die Erfahrung von Haner und seinen Kollegen zeigt, wirken sich Coworking Spaces darüber hinaus auch noch positiv auf die Arbeitsergebnisse aus. "Wir haben 2005 und 2006 in einer der allerersten Coworking Spaces in Finnland erkennen können, welchen Wert der Community-Ansatz und damit die Impulse der anderen Coworker für die eigene Arbeit haben", erzählt Haner. Die Selbstständigen, die Haner mit seinen damaligen finnischen Kollegen im Projekt Network Oasis damals in einer Coworking-Fläche zusammen gebracht habe, haben dort in der Gemeinschaft produktiver gearbeitet und mehr neue Ideen entwickelt als allein zu Hause. "Davon wollen natürlich auch Unternehmen profitieren", sagt Haner. In der Folge werde sich Coworking als ein Element der Arbeitsorganisation genauso etablieren wie das Home Office.

Flexibles Coworking für dynamische Teams

Auch die Mitarbeiter traditioneller Unternehmen sollen an attraktiven Standorten zusammenkommen und frei von starren Rahmenbedingungen Neues entwickeln können. Entsprechend gehören zu den Mietern von Mindspace auch Konzerne wie Volkswagen, DB Schenker oder traditionelle Mittelständler wie Schwan-Stabilo. "Im Mindspace haben vom kleinen zweiköpfigen Parfümhersteller, über gut finanzierte FinTech-Start-ups, bis zu Samsung die verschiedensten Unternehmen Büroflächen", bestätigt Chris Jungjohann von der Influencer Marketing-Agentur Takumi. Sein Unternehmen sitzt aber vor allem wegen der Flexibilität im Berliner Coworking Space "Ein eigenes Büro hätte nur Nachteile", sagt er. "Als dynamisches Team brauchen wir ein Umfeld, dass sich an unsere Bedingungen anpasst und nicht andersherum. So haben wir adaptive Verträge und können unsere Bürofläche von einem Monat auf den anderen verdoppeln, falls das nötig ist."

Außerdem schätze er den Rund-um-sorglos-Service: "Wir haben eine Rezeption, die Pakete für uns annimmt und Besucher empfängt, wir müssen uns weder um Reinigung, Strom, Internet, Meetingräume oder Technik kümmern." Auch die Miete sei vertretbar, wie Maria Gross vom German Tech Entrepreneurship Center (GTEC) sagt: "Bis zu einer bestimmten Größe halten sich die Kosten zwischen eigenem Büro und Coworking sich die Waage."