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Zu große Teams erlauben kaum effektive Zusammenarbeit.
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Produktives Teamwork

Nur so funktioniert gute Zusammenarbeit

Teil 2: Wer übernimmt welche Aufgabe?

6. Die Aufgabenverteilung

Wer übernimmt was? Sollte die Gruppe selbst über die Aufgabenverteilung entscheiden? Oder sollten Anforderungen besser von außen vorgegeben werden? Diesen Fragen gingen die Ökonomen Matthias Sutter vom Max-Planck-Institut für Gemeinschaftsgüter und David Cooper von der Florida-State-Universität im Jahr 2011 nach. Dazu gaben sie einer Reihe von Zweierteams eine schwere und eine leichte Aufgabe.

Wer intern entschied, hatte einen Vorteil: Die Kommunikation half dabei, den fähigeren Kollegen zu identifizieren und ihm die schwerere Aufgabe zu übertragen. Allerdings erledigten sie diese danach schlechter als jene Teams, bei denen die Verteilung zufällig zustande kam. Die Begründung der beiden Forscher: Interne Abstimmung kostet wertvolle Ressourcen, die bei der Bewältigung der eigentlichen Aufgabe fehlen.

7. Die richtige Dosis Teamarbeit

Obwohl Teamarbeit manchmal unabdingbar ist, lohnt es sich bei einigen Arbeitsschritten, auf Einzelkämpfer zu setzen. Jesse Shore von der Universität Boston konnte das im Jahr 2015 in einem Experiment mit mehr als 400 Teilnehmern zeigen. Er teilte die Probanden in Gruppen, in denen sie entweder stark vernetzt als Team arbeiteten oder überwiegend alleine, mit nur einem Partner zum sporadischen Austausch. Nun sollten sie in einem Spiel Fakten über einen fiktiven Terroranschlag sammeln und daraus mögliche Theorien über dessen Hergang und Urheber ableiten.

Während die stark vernetzten Teams zwar durch ihre koordinierte Suche etwa fünf Prozent mehr Fakten recherchierten, ermittelten ihre kaum vernetzten Kollegen rund 17 Prozent mehr Lösungsvorschläge – und lagen dabei auch noch häufiger richtig. Führungskräfte sollten sich deshalb überlegen, ob es bei einer Aufgabe aufs Faktensammeln ankommt, also reine Fleißarbeit, oder auf analytisches Problemlösen – und erst dann entscheiden, ob mehr oder weniger Kollaboration nötig ist.

8. Zusammenarbeit auf engem Raum

Virtuelle Teams sind heute kaum zu vermeiden. Zumindest, wenn es um geistige Höchstleistungen geht, könnte es aber helfen, wenn die Gruppen im gleichen Gebäude zusammensitzen. Das belegte eine Untersuchung von Kyungjoon Lee und Kollegen von der Harvard Medical School im Jahr 2010. Dazu untersuchten die Wissenschaftler den Forschungsbetrieb an ihrer Universität. An der medizinischen Fakultät der Hochschule forschten Menschen an vier Standorten, ihre Arbeitsorte waren maximal zwölf Kilometer voneinander entfernt.

Nun analysierte Lee, welchen Einfluss die Veröffentlichungen der Forscherteams gehabt hatten. Und zuletzt fahndete sie nach einem Zusammenhang zwischen dem sogenannten Impact Factor und der Distanz zwischen den Arbeitsorten. Dabei machte sie eine klare Korrelation aus: Je näher die Forscher zusammensaßen, desto öfter wurden ihre Artikel zitiert. Möglicherweise ist das mit der engen Zusammenarbeit also durchaus wörtlich zu verstehen.


Zuerst veröffentlicht auf: wiwo.de
Dieser Artikel ist erschienen am 24.11.2017

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