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Um Mitarbeitern neues Wissen zu vermitteln, gibt es zig Ansätze – vom Frontalunterricht im Seminarraum bis zur Lern-App.
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Betriebliche Weiterbildung

Nur ein Training für alle – besser nicht

Kerstin Dämon, wiwo.de
Wer auf dem Arbeitsmarkt bestehen will, muss kontinuierlich lernen. Das ist vor allem eine Herausforderung für Unternehmen. Sie müssen ihre Mitarbeiter schulen. Aber welches Weiterbildungsangebot soll es sein?
"Die Ingenieure verbessern ständig ihre Produkte, also müssen auch alle, die damit arbeiten, ständig weitergebildet werden", sagt Peter Hall vom Tiroler Gasmotoren-Hersteller GE Jenbacher. Er ist bei der General Electric-Tochter für Produkttraining und Zertifizierung der Mitarbeiter zuständig. Auf der Messe Learntec in Karlsruhe erzählt er, wie er und seine Kollegen die Angestellten weiterbilden. Und was dabei schief gehen kann.

Meistens geht Weiterbildung seiner Erfahrung nach schief, wenn Unternehmer es mit einer Lösung für alle versuchen. Bei GE Jenbacher gibt es mittlerweile individuelle Lernmodule, damit jeder Mitarbeiter nach dem für ihn passenden Schema lernen kann: Braucht er tieferes Wissen, weil eine Zertifizierung ansteht? Muss er nur ein paar Funktionen kennen, um Kunden von einem neuen Gerät zu überzeugen?

Vom Frontalunterricht bis zur Lern-App - die Ansätze sind vielseitig

Dass es ohne kontinuierliches Lernen in der Arbeitswelt nicht mehr geht, da sind sich sowohl die Messebesucher als auch sämtliche Aussteller und Redner einig. Auch die Drei-Länder-Studie "Digitale Agenda 2020" des IT-Infrastruktur-Dienstleisters CSC zeigt: Bei der digitalen Transformation spielt die Aus- und Weiterbildung eine Schlüsselrolle. Wer seine Mitarbeiter nicht auf dem neuesten Stand hält, kann in Zukunft nicht mehr mithalten. Das wissen auch die Angestellten.

Gemäß einer weiteren Studie des Personalvermittlers Manpower Group, für die weltweit 18.000 Arbeitgeber befragt wurden, wollen entsprechend 87 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Mitarbeiter mit internen Schulungen auf die Jobs der Zukunft vorbereiten. Nur: Um Mitarbeitern neues Wissen zu vermitteln, gibt es zig Ansätze – vom Frontalunterricht im Seminarraum bis zur Lern-App für die Mittagspause. Marion Kleinmann von der Wüstenrot Bausparkasse beispielsweise erzählt, dass ihr Arbeitgeber auf mobiles und vor allem spielerisches Lernen setzt. Und bei Fresenius findet mehrheitlich E-Learning statt.

Individuelle Anpassung durch digitales Training 

Entscheidend ist die Zielgruppe: "Bei einem Vertriebsteam klappt Präsenztraining nicht", sagt Sünne Eichler. Sie leitet das Institut für Learning Design and Management an der Steinbeis Hochschule und berät Unternehmen bei Bildungsprojekten.

Das bestätigt auch Carolin Wagner, Personalentwicklerin bei der THOST Projektmanagement GmbH. "Der Arbeitnehmer in Sri Lanka muss das Gleiche wissen, wie der in Russland, aber es ist bei uns unmöglich, dass die Mitarbeiter vier Stunden am Stück ein Training machen." Also schult das Unternehmen seine Mitarbeiter digital und individuell: Die Unterrichtseinheiten sind in Module zerlegt, jede Einheit dauert nur ein paar Minuten. Wer viel Zeit hat, kann mehrere Module nacheinander abhaken. Hauptsache, in einem bestimmten Zeitraum hat jeder alle Module durchgearbeitet. Wie viele das sind und wie lange das dauern darf, haben Wagner und ihre Kollegen zuvor gemeinsam mit den Mitarbeitern festgelegt.

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