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Mit Geistern reden
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Coaching

"Nur die wenigsten Chefs sprechen mit Geistern"

Teil 3: Erstaunliche Empathie

Das klingt nach Hokuspokus. Ist das Verfahren wirklich erfolgreich?

Viele denken bei Systemaufstellung erst einmal an Esoterik. Ich selbst war auch skeptisch, als ich das erste Mal eine Aufstellung mitgemacht habe. Ich war viele Jahre lang Unternehmensberater, eher ein Zahlenmensch und hätte nie geglaubt, dass so etwas funktioniert. Als ich das erste Mal aufgestellt wurde, habe ich mich in der Rolle verhalten und auch empfunden, wie ich es sonst nie tun würde. Aber mit Hokuspokus hat das nichts zu tun. Möglich macht es unsere Empathie. Es gibt auch mehrere wissenschaftliche Erklärungen. Die Quantenphysiker gehen davon aus, dass alle Teilchen in einem Quantenfeld miteinander verbunden bleiben – Verschränkung wird das genannt. Auch wenn man ein Teilchen in Quanten trennt, reagieren die Quanten gleich, obwohl sie an verschiedenen Orten im Raum sind.

Viele Quantenphysiker halten es deshalb für möglich, dass wir Menschen über unsere Empathie spüren können, wie sich andere fühlen. So lässt sich das auch neurologisch erklären. Sogenannte Spiegelneuronen im Hirn sind für unser Empathieempfinden verantwortlich. Sie ermöglichen, dass wir auch mit völlig Fremden mitfühlen können. Die Biologen wiederum sprechen vom sogenannten morphologischen Feld, über das alle Lebewesen miteinander verbunden sind.

Aber was, wenn sich die Empathie mal irrt? Es ist doch riskant, wenn ein Chef auf diese Weise meint, das Innerste seiner Mitarbeiter zu kennen, ohne mit ihnen zu sprechen.

Darum ergänzen Aufstellungen idealerweise eine Beratung oder Analyse. Wichtig ist auch, dass der Coach erfahren ist und weiß, was er tut. Besonders im Business-Bereich sollte der Aufsteller selbst Berufserfahrung in der Wirtschaft gemacht haben, idealerweise auf Augenhöhe mit seinen Klienten.

Absolute Diskretion und Vertraulichkeit sind ebenfalls wichtig, außerdem eine intensive Vorbereitung auf die Aufstellungssituation sowie die Nachbetreuung. Denn mit der Aufstellung ist es ja nicht getan. Ein System ändert sich nicht von allein. Nach der Sitzung fängt die eigentliche Arbeit erst an. Jetzt muss die Führungskraft ihr Verhalten ändern und den Konflikt auch in der Realität klären. Dabei wird sie oft mit den realen Gefühlen ihrer Mitarbeiter konfrontiert. Das ist insbesondere für Zahlenmenschen in vielen Fällen eine Herausforderung.