Teil 2: Spüren, was andere fühlenKönnen Sie das an einem Beispiel anschaulich machen?
In einem Coaching hatte ich eine Führungskraft, die befördert worden war und nun in Konflikte mit einer Mitarbeiterin geriet. Der Manager war ein sehr herzlicher Mensch und bei allen im Team sehr beliebt – nur eben mit dieser Kollegin krachte es. Der Mann hatte zunächst vermutet, dass die Kollegin sich ebenfalls auf den Leitungsjob beworben hatte, aber nicht berücksichtigt worden war. Allerdings war das nicht der Fall.
Die Frau hatte auch kein persönliches Problem mit ihrem neuen Chef.
In der Aufstellung kam heraus, dass sie schlicht ein Problem damit hatte, wenn Männer ihr körperlich zu nahe kommen. Der Mann neigte nämlich dazu, seine Mitarbeiter zu berühren, indem er ihnen beispielsweise zur Motivation auf die Schulter klopfte, oder sogar kurz umarmte. Nach der Aufstellung hat der Vorgesetzte einfach etwas mehr körperliche Distanz zu dieser Kollegin gewahrt – und die Konflikte konnten gelöst werden.
Und diese Kollegin war in der Aufstellung nicht mit dabei?
Nein, sie wusste auch nichts davon. Aufgestellt wurde eine völlig fremde Frau.
Es ist also eine Art Rollenspiel, in dem sich die Aufgestellten in das Problem einfühlen und sich eine Erklärung ausdenken?
Systemaufstellungen sind mehr als Rollenspiele. Das Spannende daran ist, dass die Stellvertreter in gewisser Weise zu den realen Personen werden. Sie spüren, wie sich die realen Akteure fühlen. So werden unbewusste Konflikte deutlich und wie im geschilderten Beispiel auch die Ursache dafür. Der Klient bekommt damit wichtige Impulse, wie er im realen Leben sein Verhalten ändern kann.
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