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Michael Otto

"Nicht zu Lasten der Umwelt"

Marc Winkelmann
Michael Otto ist Unternehmer und Umweltschützer. Er hat früh begonnen, den Klimawandel zu bekämpfen und ist nicht müde geworden sich weiterhin für umweltfreundliche Produkte einzusetzen. Von der Wirtschaft ist er enttäuscht und fordert mehr Engagement.
Michael Otto in der Firmenzentrale des Otto Versandhandels in HamburgFoto: © Achim Multhaupt
Herr Otto, Sie engagieren sich seit rund 30 Jahren für den Umweltschutz. Am Klimawandel scheint das aber nichts zu ändern. Wie frustriert sind Sie?
Es ist in der Tat enttäuschend. Es werden ja durchaus Anstrengungen von Unternehmen und Umweltverbänden unternommen. Trotzdem nehmen das Artensterben und der Klimawandel zu. Wir müssen deutlich mehr Gas geben, sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft.
Die deutsche Wirtschaft tut nicht genug? 
Wirtschaft und Politik könnten entschlossener und schneller handeln. Trotzdem glaube ich, dass Deutschland international eine führende Rolle im Umweltschutz spielt und viele Exportschlager herstellt. Die grüne Industrie hat inzwischen mehr Arbeitsplätze als die Autoindustrie. Das zeigt, wie wichtig diese Entwicklung für uns alle ist und welche Chancen sie bietet.

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Andererseits warnen Experten, dass uns andere Länder, zum Beispiel Amerika, den Rang ablaufen könnten. Teilen Sie diese Sorge? 
Ja. Barack Obama will die neuen Technologien und regenerativen Energien mit hohen zweistelligen Milliardensummen subventionieren. Und wenn die Amerikaner mal loslegen, dann im großen Stil. Ich sehe die Gefahr, dass uns da eine Konkurrenz erwächst, die Sektoren angreift und überholt, in denen wir führend sind. Wir müssen schauen, dass wir unsere Position behalten.
Sie haben die Notwendigkeit des Umweltschutzes früh erkannt - als einer der ersten Unternehmer. Was war der Auslöser? 
Für mich war der erste Bericht des Club of Rome Anfang der 70er-Jahre, "Die Grenzen des Wachstums", prägend. Das Buch hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Die Autoren wollten die Risiken unseres Wirtschaftens aufzeigen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass man handeln muss. Mir als Unternehmer war es immer wichtig, nicht auf die anderen zu zeigen oder auf die Politik, sondern selbst zu handeln und die Initiative zu ergreifen. Das war der Beginn für zahlreiche Maßnahmen und Projekte in diesem Bereich, aus denen sich unter anderem auch meine beiden Stiftungen entwickelt haben.
Das Buch war wissenschaftlich fundiert, aber radikal formuliert und nicht sehr wirtschaftsfreundlich. Für Sie wäre es leicht gewesen, den Inhalt als linkes Spinnertum abzutun. 
Es wurde kritisch diskutiert, da haben Sie recht. Die Formulierungen und Prognosen waren teilweise überzogen, und ich glaubte auch nicht, dass alle Einzelheiten zutreffen würden. Aber darum ging es nicht. Wichtig war die Erkenntnis, dass die Ressourcen endlich sind. Mir wurde klar, dass, wenn wir so weitermachen, wir schnell an unsere Grenzen kommen. Darüber, fand ich, musste man nachdenken und entsprechend handeln.
Wie verbreitet war diese Ansicht? 
Für die meisten anderen Unternehmer war ich ein Exot, der damals noch unpopulären Themen nachging. Aber das hat sich mit der Zeit geändert. Vor allem in den 90ern fanden dann der Umweltschutz und das Thema soziale Verantwortung zunehmend mehr Beachtung.

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