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Mitarbeiter aus Fernost
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Mitarbeiter aus Fernost

Ni hao, Kollegen!

Teil 2: Deutschland süß-sauer

Probleme mit der deutschen Sprache hatte Fan nicht. Ihre Eltern schickten ihre Tochter mit 14 Jahren nach Deutschland, wo sie auf der Internatsschule in Salem das Abitur machte. Ihre Familie in Schanghai besucht sie seitdem einmal im Jahr. Fan studierte in Karlsruhe, schloss mit dem Bachelor ab und betreut bei der Isabellenhütte den Vertrieb von Messtechnik-Elementen in Korea, Indien und Thailand. "Ich wusste seit meiner Schulzeit, dass ich gerne für ein deutsches Familienunternehmen arbeiten möchte", sagt Fan, die im Internat viele Sprösslinge aus Familiendynastien kennengelernt hat.

"Mir hat es immer gefallen, dass sie Verantwortung für andere Menschen zeigen." An dem Traditionsunternehmen imponierte der jungen Frau zuerst das Firmenwappen mit einer Krone und den verschnörkelten Initialen der früheren Besitzerin Isabella Charlotte Fürstin zu Nassau. Dann erst begeisterte sie die in Aussicht gestellte Aufgabe. "Ich möchte eine Zeit lang in Deutschland arbeiten", räumt Fan ein, "und dann erst zurück nach China gehen." Vielleicht ja zur chinesischen Tochtergesellschaft der Isabellenhütte in Schanghai.

Deutsche Fürsorge

Auch für Jiangxu Wang kommt die Rückkehr nach China vorerst nicht infrage. Der Diplom-Ingenieur ist stolz darauf, dass er sich bei Weidmüller in Detmold etabliert hat. "Deutsche Arbeitgeber sind attraktiv", sagt er und lobt, dass bei deutschen Familienunternehmern die Fürsorge für die Mitarbeiter im Mittelpunkt stehe und der Arbeitsplatz kaum krisenanfällig sei. Nur die deutsche Küche ist für Wang noch immer gewöhnungsbedürftig: "Chinesen essen nur Weißbrot, das in Deutschland nicht so beliebt ist."

Wang arbeitet im technischen Service des Elektrotechnikherstellers. Er berät Kunden in aller Welt, wenn es um spezielle Kommunikationstechnik, etwa im Maschinenbau oder der Energieerzeugung, geht. Er stammt aus der Industriemetropole Shenyang im Nordosten Chinas, Maschinenbau hat er zuerst in seiner Heimat, dann in Bochum studiert. "Die Ingenieurskunst im deutschen Autobau war schon immer mein Vorbild", sagt der Ingenieur, der es in sein Traumland geschafft hat. Zwar sei es mühsam, Deutsch zu erlernen. Doch der Aufwand habe sich gelohnt. Er merke, dass er dazugehöre im Detmolder Unternehmen. "Mit vielen Kollegen rede ich Deutsch", auch wenn die Unternehmenssprache Englisch sei.

Schon Ende 2011 hat das Detmolder Unternehmen eine Aus- und Weiterbildungsakademie in Schanghai eröffnet. Regelmäßig kommen seitdem Trainees für einige Monate nach Deutschland. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, wann auch sie bleiben.
Dieser Artikel ist erschienen am 03.04.2013

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