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Meine Zukunftsaussichten

Neues vom Headhunter:
"Spezialisten in einer führenden Exportnation"

Anne Koschik
Interview mit Stefan Hübner, Managing Partner und Head of CC Manufacturing bei Gemini Executive Search, über großen Erfindergeist, hohe Qualität, spitze Anforderungen, zu schwaches Employer-Marketing und komplexe Megatrends.
Stefan Hübner ist Managing Partner und Head of CC Manufacturing bei Gemini Executive Search
Karriere.de: Was ist ein Maschinenbauingenieur (künftig) wert?

Stefan Hübner: Das Berufsbild des Maschinenbauingenieurs wird auch künftig beste Reputation und Zukunftsaussichten haben. Wenn jemand Maschinenbau studieren will, ist er gut beraten. Mein Sohn ist zwar erst zehn Jahre alt, aber ich würde ihm dieses Studium nahe legen, wenn sich seine Interessen in diese Richtung entwickeln. Auch die demografische Entwicklung spricht dafür, dass dieser Stellenwert Bestand haben wird. Im Maschinenbau spiegelt sich auch die Bedeutung von Deutschland im gesamtwirtschaftlichen Gefüge – gerade nach der jüngsten weltweiten Wirtschaftskrise ist Deutschland auf dem besten Wege, seine Position unter den führenden Exportnationen nachhaltig zu festigen. Ohne den Maschinenbau wäre das nicht möglich, denn er vereinigt typisch deutsche Qualitäten in sich: Erfindergeist, Innovationskraft, Qualität, Präzision und Zuverlässigkeit.

Der Job des Maschinenbauers hat sich bereits heute von der reinen Konstruktion bis ins Projektmanagement oder in den Verkauf weg entwickelt. Wo steht der Maschinenbauingenieur in Zukunft und welche Qualifikationen muss er dazu mitbringen?

Von Unternehmensseite gibt es bereits heute sehr spitze Anforderungen und klar formulierte Profile, wodurch es immer anspruchsvoller wird, auch im Nachwuchs passende Mitarbeiter zu finden. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach hochmotivierten und gut ausgebildeten Absolventen enorm. Eine fachliche Spezialisierung erfolgt in der Regel in den ersten fünf Berufsjahren. Danach öffnet sich die Schere: Auf der einen Seite wird es Spezialisten geben, die ihre Fachkarrieren durchlaufen, auf der anderen Seite Generalisten, die ins General Management streben. Megatrends im Maschinenbau sind intelligente Fabriken mit komplexen und vernetzten Anlagen, ein immer stärker Prozess- und Software-gebundenes Arbeiten und die Vermarktung umfassender Lösungen, bei denen neben dem reinen Produktverkauf immer mehr die Gesamtlösung inklusive eines integrierten Angebots an Service und Dienstleistungen in den Vordergrund rückt.

Die besten Jobs von allen


In Deutschland wachsen zu wenige Maschinenbauer an den Hochschulen nach, um die Vakanzen in der Industrie zu füllen. In Indien verlassen jährlich 300.000 Ingenieure die Hochschulen, in China die doppelte Zahl. Deutsche Unternehmen schauen sich im Ausland bereits nach Fachkräften um. Welche Folgen ergeben sich aus diesem Szenario?

Ein dauerhafter Wettbewerbsvorteil für deutsche Ingenieure besteht nach wie vor in einer fundierten Ausbildung, die auf dem fußt, was hier über Jahrzehnte als Qualitätsprodukt aufgebaut worden ist. Der „Diplom-Ingenieur“ deutscher Prägung genießt gerade im Ausland beste Reputation und vermittelt ein solides Selbstbewusstsein. Dies müssen die Unternehmen als künftige Arbeitgeber den Studierenden und Absolventen nachhaltig vermitteln, ob sie es Employer Marketing nennen oder einfach nur gezielte Nachwuchsarbeit. Unterstellt man, dass Ingenieure per se eher reflektiert-analytisch vorgehende Menschen sind, ist davon auszugehen, dass diese sich bereits bei der Entscheidung für einen Studiengang auch intensiv damit auseinandersetzen, welche Perspektiven mit ihrer Wahl verbunden sind. Wenn es den Unternehmen in Zukunft besser gelingt, ihre Message zu transportieren, dürfte es auf mittlere Sicht auch wieder besser um den deutschen Ingenieur-Nachwuchs bestellt sein. Ich bin davon überzeugt, dass sich wesentlich mehr junge Menschen für ein Ingenieurstudium entscheiden und dieses auch bis zum Abschluss „duchziehen“ würden, wenn sie wüssten, welch attraktive Arbeitgeber auf sie warten.




Die besten Jobs von allen

Dieser Artikel ist erschienen am 20.04.2011

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