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Neues vom Headhunter:
"In China Erfahrungen sammeln"

Anne Koschik
Interview mit Rechtsanwalt Edgar van Mark, geschäftsführender Gesellschafter bei Ising International Consulting über Chinese Desks, den Wert von Juristen, Kanzlei-Boutiquen, Korruption und Moral und die Zugeständnisse, die große Wirtschaftskanzleien ihren Bewerbern gegenüber mittlerweile machen.
Rechtsanwalt Edgar van Mark, geschäftsführender Gesellschafter Ising International Consulting
Karriere.de: Juristen sind wieder gefragt. Was zeichnet sie aus, um für den Arbeitsmarkt wertvoll zu bleiben?

E. van Mark: Jura ist und bleibt eine hervorragende Basis für eine Management-Karriere: Es ist eine gute Denkschule, man lernt zu strukturieren, Prioritäten zu setzen, schnell Sachverhalte zu durchdenken. Juristen sollten sich deshalb trauen, operativ zu werden und sich nicht zu schade sein, sich auch außerhalb der klassischen Rechtspositionen zu bewerben und zum Beispiel in den Vertrieb zu gehen. Das erweitert ihr Spektrum.

Ohne Fleiß kein Preis: Unternehmen erwarten von ihren Bewerbern nicht allein ein „Prädikatsexamen“, sondern in gleicher Weise „Spezialwissen“. Was steht hier im Vordergrund?

Große Kanzleien legen neben (in Summe) 18 Punkten in zwei Staatsexamen besonders starken Wert auf exzellente Sprachkenntnisse bis zur Verhandlungssicherheit plus entweder Promotion oder LL.M. (Anm.: Das ist der in englischsprachigen Ländern erworbene Master of Laws). Das zusammen ist unabdingbar. Ideal ist auch eine Kombination aus Jura und MBA, da sie kaufmännisches Zusatzwissen und Internationalität vereint.

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Gilt das nur für Kanzleien?

Auch in Konzernen und der Justiz wird hervorragendes Englisch zunehmend wichtig. Richter sollten in der Lage sein, englische Verträge zu lesen. Sprache wird einfach zusätzlich erwartet. Zudem entwickeln sich die „Chinese Desks“ oder „Chinese Groups“ in Kanzleien prächtig. Wer sich also auf dem chinesischen Markt auskennt, Einblick ins chinesische Rechtssystem hat und vielleicht ein bisschen Chinesisch spricht, hat große Chancen, Karriere zu machen. Studierende und Absolventen sollten zusehen, dass sie in China Erfahrungen sammeln, etwa über die Büros, die viele Großkanzleien bereits vor Ort eröffnet haben. In Passau kann man zum Beispiel auch Jura und parallel Sinologie studieren.

Sieht man einmal von der Sprache ab, geht es jetzt und in naher Zukunft um welche Themengebiete?

Um bei China zu bleiben: Wichtige Aufgabengebiete sind Verträge und gewerbliche Schutzrechte – IP (Intellectual Property) ist ein großes Thema im internationalen Geschäft. Und natürlich nicht nur in Asien. Südamerika sollten die Bewerber im Auge behalten. Patent- und Lizenzrechte werden auch in der Justiz, also im Staatsdienst, immer wichtiger. Und viele Großunternehmen bauen ihre Patentabteilungen aus. Das Thema geht ja bis in den Umweltschutz hinein, was gerade sehr aktuell ist und bleiben wird. Wer gut verdienen will, sollte sich zudem besonders gut in Gesellschaftsrecht und Transaktionen auskennen. Besonders nachgefragt sind darüber hinaus Bewerber mit hervorragenden Kenntnissen in Compliance und auch Steuerrecht.

Wieso Compliance?

Compliance, also moralische Unternehmensführung und Regelkonformität, wird ein dauerhaftes Thema werden. Denn es geht nicht nur um Korruption. Es ist ein weites Feld mit Themen im Strafrecht, Gesellschafts-, Handels- und Steuerrecht, in ethischer Unternehmensführung oder im kaufmännischen Bereich. Hier entstehen gerade überall neue Positionen, nicht nur in Unternehmen, auch Kanzleien stellen sich zunehmend darauf ein.

In der Wirtschaftskrise haben sich viele Fachjuristen in so genannten Kanzlei-Boutiquen als Konkurrenz zu Großkanzleien im oberen Segment zusammengeschlossen. Bleibt das als Trend bestehen?

Es ist ein Trend, der sicher auf dem heutigen Level bestehen bleiben wird. Schätzungsweise 20 Prozent der Kanzleien sind Boutiquen. Hier lässt sich qualitativ hochwertig arbeiten – ohne Knebel. Denn die großen internationalen Kanzleien sind zu wenig flexibel, da sie oft von Großbritannien oder den USA aus gesteuert werden. Von dort gibt es dann Vorgaben zu Investitionen, zu berechnenden Arbeitsstunden, Honorarsätzen im deutschen Markt. Und Partner-Ernennung ist auch oft schwierig: Das alles macht es jungen Anwälten schwer, erfolgreich zu akquirieren.

Großkanzleien sinken in der Gunst von Studenten und Referendaren als „Wunscharbeitgeber“, wie neueste Umfragen*) anzeigen. Woran liegt das?

Das ist eine wirkliche Tendenz und wird mehr und mehr zum Thema, dass gerade die jüngeren Juristen bis Ende 30 auf ihre Work-Life-Balance achten und sich das sogar leisten können. Das spüren auch die großen Kanzleien, die bei dem Thema bislang immer hart geblieben sind. Doch je knapper die Ressourcen speziell bei den Prädikatsabsolventen werden, sind sie zu Zugeständnissen in Sachen Urlaub, Arbeitszeiten, Berücksichtigung der Familie bereit. Nach Zeiten mit extremen Belastungen muss auch mal wieder die Work-Life-Balance im Vordergrund stehen. Denn die jüngeren Spitzenjuristen wandern ab. Ihr Weg führt bereits jetzt in Großunternehmen oder auch in den Staatsdienst, weil die sich in diesen Bereichen flexibler zeigen.
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*) TTC-Studie im Auftrag der Wirtschaftskanzlei Taylor Wessing: The Next Generation Law Firm



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Dieser Artikel ist erschienen am 04.04.2011

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