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Richtig verhandeln

Neuer Job? So bekommen Sie mehr Gehalt

S. Sammet, K. Stricker, D. Fröhlich, G. Lawecki
Vor Gehaltsgesprächen drückt sich jeder. Zu Unrecht. Nur wer selbstbewusst verhandelt, verdient angemessen. Aber wie viel ist das? Und welche Branche zahlt gut? Junge Karriere erklärt, worauf Sie achten sollten und wie Einsteiger beim Geldpoker punkten. Plus: So errechnen Sie Ihren Marktwert.
Selbstbewusst verhandeln - angemessen verdienenFoto: © Webgalerist - Fotolia.com
Wenn sich Lars Neumeier selbst charakterisiert, erklärt der 26-jährige Wirtschaftsingenieur gerne, dass er "spontan, ehrgeizig und dynamisch" ist. Vor fast einem Jahr, im vergangenen Dezember, bewies der gebürtige Koblenzer zudem, dass er auch sehr gelassen sein kann. Der Wirtschaftsingenieur hatte sich damals beim Handelskonzern Procter & Gamble auf eine freie Stelle beworben. Als Neumeier nach gut einem halben Tag Vorstellungsgespräch das Werk des Konzerns in Euskirchen mit einer Zusage in der Tasche verließ, hatte er nur eine ungefähre Ahnung, wie viel ihm das Unternehmen für seine Aufgaben im Bereich der Beschaffungslogistik zahlen würde."Ich habe nicht nachgefragt und auch die Verantwortlichen von Procter & Gamble haben den Punkt nicht angeschnitten", erinnert sich Neumeier. Die fehlende Information habe ihm keinerlei Kopfzerbrechen bereitet, "denn während des Bewerbungsgesprächs waren mir andere Themen wie das soziale Miteinander der Mitarbeiter einfach wichtiger". Als er eine Woche später den unterschriftsreifen Arbeitsvertrag vorliegen hatte, gab es für Neumeier keinen Grund, sein Schweigen zu bereuen: "Inklusive Weihnachts- und Urlaubsgeld verdiene ich rund 44 000 Euro im Jahr. Das ist eine tolle Basis", sagt Neumeier.

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Viele Arbeitnehmer in Deutschland profitieren vom WirtschaftswachstumDerzeit profitieren sehr viele Arbeitnehmer in Deutschland vom Wirtschaftswachstum. Nach der jahrelangen Flaute am Arbeitsmarkt stellen viele Unternehmen nicht nur wieder ein, sondern belohnen den Einsatz ihres Personals mit einem satten Plus beim Gehalt. "In jüngster Vergangenheit haben Arbeitgeber die Gehälter maximal um zwei bis 2,5 Prozent erhöht", erklärt Christian Näser, Partner bei der Vergütungsberatung Kienbaum. "Jetzt zahlen sie im Durchschnitt zwischen drei und vier Prozent."Die neue Großzügigkeit der Arbeitgeber kommt auch Hochschulabsolventen wie Lars Neumeier und jungen Nachwuchskräften zugute: Die Einstiegseinkommen liegen quer durch alle Positionen im Vergleich zum Vorjahr rund 1800 Euro pro Jahr höher. So konnten beispielsweise Einsteiger in der Forschung und Entwicklung im Jahr 2006 mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 43000 Euro rechnen. 2007 kassieren sie bereits gut 44900 Euro; für Neulinge im Personalwesen ist das durchschnittliche Jahresgehalt von 40000 auf 41800 Euro gestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt der Gehälter-Guide 2007, den Junge Karriere zusammen mit der Managementberatung Kienbaum jährlich neu ermittelt.Für die tatsächliche Höhe des individuellen Einkommens jedes Absolventen oder Young Professionals gibt oftmals vor allem die Art des Hochschulabschlusses den Ausschlag. Vergütungsexperten wie Näser stellen fest, dass die meisten Unternehmen zwischen FH-, Bachelor-, Master- oder Diplom-Abschluss unterscheiden. Was Arbeitnehmer beim Gehalt erwarten können, hängt dabei nicht nur von der Position ab, sondern auch den Faktoren Branche, Unternehmensgröße und Region.Die Chancen auf ein lukratives Einstiegsgehalt schätzt Kienbaum-Vergütungsspezialist Näser aktuell vor allem für Absolventen von naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen sehr gut ein: "Gerade in den Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Chemie und Pharmazie ziehen die Einkommen derzeit deutlich an." In Einzelfällen seien einige Unternehmen inzwischen sogar bereit, das Jahreseinkommen ihrer jungen Verfahrenstechniker, Chemiker oder Bauingenieure um mehr als die derzeit üblichen drei bis vier Prozent zu verbessern. Der Grund für die teilweise attraktiven finanziellen Angebote: Nahezu alle Unternehmen, die Ingenieure einstellen, spüren den prognostizierten Mangel an ausgebildeten Technikern und Naturwissenschaftlern schon jetzt deutlich. "Unternehmen, die mit ihren Einstiegsgehältern nicht auf diese Situation reagieren, haben kaum Chancen, gut ausgebildeten Nachwuchs zu finden", sagt Näser.Von Einstiegsgehältern von mehr als 40 000 Euro können andere Hochschulabsolventen indes nur träumen. Während sich Unternehmen die Einstellung von Absolventen technischer Studienzweige jährlich mehr kosten lassen, sind sie bei Sozial- und Kulturwissenschaftlern, Pädagogen oder Volkswirten bei weitem nicht so spendabel. "Ein Sprachwissenschaftler beispielsweise kann zu Anfang nur ein Jahresgehalt von etwa 30 000 Euro erwarten", erläutert Heike Friedrichsen von der Vergütungsberatung Personalmarkt die großen Differenzen bei den Einstiegsgehältern für Hochschulabsolventen.Mit ähnlich niedrigen Gehältern wartet beispielsweise auch die Bundesrechtsanwaltskammer für ihre Klientel auf: Der durchschnittliche Verdienst von jungen Einzelanwälten liegt derzeit gerade einmal bei etwa 29 000 Euro. Ebbe in der Kasse herrscht auch bei jungen Architekten: Ihr Einstiegsgehalt liegt nur bei etwa 28 000 bis 30 000 Euro. Kienbaum-Experte Näser ergänzt, "speziell im Handel und der Finanzdienstleistungsbranche hat die gute Konjunktur bisher kaum Auswirkungen auf das Gehalt der Arbeitnehmer".Bewerber sollten die Kriterien kennen, nach denen das Gehalt bemessen wirdEin Phänomen, das auch Ulrich Kirchner (Name geändert) im vergangenen Herbst zu spüren bekam: Als sich der 29-jährige studierte Politologe bei einer Münchner PR-Agentur bewarb, bot ihm das Unternehmen für das zwölfmonatige Trainee-Programm ein Jahresgehalt von mageren 22 000 Euro. "Dabei konnte ich schon etwa drei Jahre Berufserfahrung vorweisen", sagt Kirchner. Da jedoch die Lage am Arbeitsmarkt vor etwa einem Jahr bei weitem nicht so gut wie heute war, unterschrieb er den Vertrag dennoch - und arbeitete anschließend so überzeugend, dass ihn sein Arbeitgeber vor wenigen Wochen mit der Zusage überraschte, das Monatsgehalt um 500 Euro zu erhöhen und ihn zukünftig als Junior-Berater weiter zu beschäftigen.Trotz der Bereitschaft der Unternehmen, ihren Einsteigern und Nachwuchskräften mehr Geld als bisher zu bieten, sollten Bewerber die Kriterien kennen, nach denen Personaler die Höhe des Gehalts bemessen. Neben den gängigsten Aspekten wie Praktika, soziale Kompetenz oder bisherige individuelle Leistungen ziehen sie seit neuestem auch die Art des Abschlusses als Maßstab heran. "Grundsätzlich sind alle Studienwege in den Unternehmen willkommen", sagt Personalmarkt-Expertin Friedrichsen. Sobald es jedoch um die Höhe des Gehalts geht, unterscheiden die Firmen unter den einzelnen Abschlussarten.

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