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Unternehmen

Neue Jobs in der Chemie

Katja Wilke
Zum ersten Mal seit Jahren nimmt die Beschäftigtenzahl in der Chemiebranche wieder zu. Chemiker sind bei den Unternehmen heiß begehrt - wenn sie Auslandserfahrung und Sozialkompetenz mitbringen.
Promovierte, gesellige Chemiker gesuchtFoto: © Thomas Mounsey - Fotolia.com
Die Frage kommt, unausweichlich. Irgendwann im Studium stellt sie sich für jeden Chemiker: Will ich meine Zukunft lieber mit Labormäusen und Reagenzgläsern verbringen - oder mit Kollegen aus Fleisch und Blut? Bislang hatten Chemiestudenten ausreichend Zeit, um die Antwort für sich zu finden: Erst bei der Promotion, also nach dem Diplom, spezialisierten sie sich - und legten sich damit mehr oder weniger auf eine Karriererichtung fest. Nachdem nun aber fast flächendeckend Bachelor- und Masterabschlüsse eingeführt sind, ist diese Entscheidung weit vorgezogen. "Jetzt müssen sich Studenten schon nach dem Bachelorabschluss, also nach drei Jahren, auf eine Fachrichtung festlegen", sagt Carsten Bolm, der Chemie an der RWTH Aachen lehrt. "Das ist schade, denn das Chemiestudium zeichnete sich in Deutschland immer dadurch aus, dass die Absolventen breit einsetzbar waren."Breit einsetzbar zu sein - das erwarten die Arbeitgeber aber nach wie vor von Berufseinsteigern, ob sie nun mit Masterabschluss oder Diplom ins Berufsleben starten. Denn die Unternehmen, die Chemiker einstellen, sind sehr unterschiedlich. Ein großer Teil der Absolventen geht in die Pharmabranche, viele kommen auch in der Ölbranche oder bei Farb-, Reinigungsmittel-, Kunststoff- oder Düngemittelherstellern oder bei Kosmetik- oder Lebensmittelzusatzproduzenten unter.

Die besten Jobs von allen

Neuer Schwung für die BrancheGemein haben fast alle der Chemieunternehmen, dass sie nun wieder verstärkt Chemiker suchen. "Junge Chemiker treffen zurzeit auf einen relativ entspannten Arbeitsmarkt. Die Unternehmen stellen verstärkt ein und gleichzeitig gibt es weniger Absolventen als in den vergangenen Jahren", sagt Karin Schmitz aus der Abteilung Karriereservice bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Lange Zeit hatte sich nur wenig getan. In der letzten Boomphase um die Jahrtausendwende ging die Zahl der Beschäftigten in der Chemiebranche stark zurück. Jahrelang sank sie anschließend - zwar nur leicht, aber stetig.Auch der Verband der chemischen Industrie (VCI) erwartet nun, dass die Zahl der Beschäftigten in diesem Jahr zum ersten Mal wieder steigt, denn es kommt Schwung in die Branche. Nach kräftigen Umsatz- und Produktionszuwächsen im ersten Halbjahr erhöhte der VCI Anfang Juli schon zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Wachstumsprognose für den Gesamtumsatz 2007. Der kletterte um acht Prozent auf 84 Milliarden Euro.VCI-Präsident und Bayer-Chef Werner Wenning beurteilte die Lage "so positiv und stabil wie schon lange nicht mehr". Die Chemieunternehmen profitieren sowohl von der Nachfrage in Deutschland als auch von der wachsenden Nachfrage in Schwellenländern wie China und Indien.Kein Wunder, dass die Konzerne dringend gute Absolventen suchen. Wichtigstes Einstellungskriterium ist die Promotion. In der Chemiebranche geht kaum etwas ohne den Doktortitel. Gerade in den Forschungsabteilungen, in die ein Großteil der Absolventen einsteigt, wird er für unverzichtbar gehalten. "In den nächsten Jahren wird sich an der Bedeutung der Promotion nichts ändern", sagt Carsten Bolm. "Das ist nicht überraschend, denn die Unternehmen haben ein Interesse daran, die Chemiker mit der besten Ausbildung einzustellen."

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