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Die Digitalisierung verändert die Branchen und die Anforderungen an die Arbeitskräfte.
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Zukunftserwartungen

Neue Herausforderungen für Unternehmen und Mitarbeiter

Claudia Tödtmann und Nadia Abdallah, wiwo.de
Was bringt 2018 für die großen Branchen? Acht Management-Experten der Unternehmensberatung Kienbaum verraten ihre Zukunftserwartungen. Welche Qualifikationen jetzt bei MItarbeitern vorausgesetzt werden, wo der Wandel in den Führungsebenen ansetzt – und warum China so wichtig wird.
Automobilbranche vor gravierender Umgestaltung

Jens Siegloch, Kienbaum-Experte Automotive:


Fast alle Unternehmen der Branche stehen durch vielfältige Veränderungen wie Elektromobilität, automatisiertes Fahren, dem Hineindrängen von Plattformen in Business-Modelle und so weiter vor gravierenden Herausforderungen und Veränderungen. Hinzu kommen hoher Investitionsdruck für neue Technologien rund um alternative Antriebe. IT wird weiterhin immer dominanter im Auto sowie in allen Unternehmensbereichen. Die Geschwindigkeit für notwendige Veränderungen nimmt weiter zu.

Chinesische Unternehmen drängen mit Macht auf die westlichen, auch deutschen Märkten.

Chief-Information-Officer- und Chief-Digital-Officer-Positionen werden in vielen Unternehmen gerade neu besetzt. Ein Trend in der Automobilbranche: Diese Funktionen rücken nun bis in die Vorstandsebene auf. Manager mit Digitalprofil haben aber noch Seltenheitswert – und sind vor allem Mangelware.

Die Vorstände, aber auch die Aufsichtsräte, werden insgesamt auch weiterhin immer internationaler besetzt.

Der Posten des CEO war in der Automobilbranche lange – ganz klassisch – mit einem Ingenieur besetzt. Inzwischen sieht man immer öfter, dass auch CFOs der Sprung die CEO-Rolle gelingt.


Konzentration auf Kerngeschäftsfelder im Finanzsektor

Barbara Thiell, Kienbaum-Expertin Financial Services:

Die Banken bauen ihre Geschäftsmodelle wegen Ertragsrückgängen durch die Niedrigzinspolitik und die zunehmenden regulatorischen Anforderungen um. Sie konzentrieren sich auf Kerngeschäftsfeder, gestalten kosteneffizientere Prozesse und optimieren den Vertrieb, sie investieren in neue Technologien und entwickeln innovative, digitale Produkte – das sind große Herausforderungen. Hinzu kommt höherer Wettbewerbsdruck: das klassische Banking wird durch FinTech-Unternehmen und große Technologiekonzerne angegriffen. In Teilbereichen wie etwa dem Zahlungsverkehr müssen sich Banken darauf einstellen, zukünftig nur noch Dienstleister für Paypal oder Apple Pay zu sein.


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Insbesondere der rasante technologische Fortschritt stellt Vorstände vor neue Anforderungen und erfordert neue Kompetenzen auf der Vorstandsebene. Seit der Finanzkrise wird die Rolle des CFOs immer bedeutsamer. Die Anforderungen an Aufgaben und Inhalte sind gestiegen. Die Banken sondieren daher im Vorfeld noch sorgfältiger passende Kandidaten für dieses Amt. Neben klassischen Kompetenzen müssen auch der Background und die Expertise des CFOs zur jeweiligen Unternehmenssituation passen.

Digitalexperten und CIOs sind gefragt wie nie. Es gibt weniger Experten mit digitalem Know-how als benötigt. Viele CIO-Positionen werden in den Banken aber auch bewusst mit externen Kandidaten besetzt. Banken kaufen sich hiermit nicht nur zusätzliches fachliches Know-how ein, sondern versuchen auch mit neuen, innovativen Führungskräften den Wandel zu einer agilen und flexiblen Unternehmens- und Führungskultur umzusetzen.

Die Banken setzen alles daran, weibliche Talente nachzuziehen, um die Anzahl an Frauen in den Vorstandsetagen in den kommenden fünf bis zehn Jahren deutlich zu verbessern.


Unaufhaltsames Tempo in der Konsumgüterindustrie


Jörg Breiski, Kienbaum-Experte Manufacturing & Engineering, Consumer:

Die Konsumartikel-Branche steht unter einem noch nie da gewesenen Druck. Das schon immer hohe Tempo beschleunigt mehr und mehr, der Preis- und Wettbewerbsdruck auf dem globalen Markt steigt stetig und die Innovationszyklen neuer Produkte werden immer kürzer. Steigende Rohstoffpreise sowie sich rasant entwickelnde Miet- und Lohnkosten tun das ihrige dazu.

Wettbewerbsentscheidend und überlebenswichtig wird für Unternehmen zukünftig die gekonnte Verzahnung von Offline und Online sein. Für viele deutsche Unternehmen stellt aber gerade die Vernetzung aller Geschäftsprozesse und Systeme entlang der gesamten Wertschöpfungskette auf Basis modernster Technologien eine äußerst große Herausforderung dar.

Während sich aus dem asiatischen und amerikanischen Markt heraus völlig neue Marktteilnehmer mit einer rasanten Geschwindigkeit entwickeln, gibt es in der Landschaft deutscher Unternehmen in der Konsumartikel-Branche leider nur wenige Beispiele, die diese Geschwindigkeit aufgenommen haben. Die neuen Marktanforderungen stellen neue Anforderungen an die Top-Etagen der Unternehmen. Das Festhalten an bisher bewährten Strategien und Methoden reicht nicht mehr aus, um völlig neue Antworten auf ein völlig verändertes Konsumverhalten und den sich unglaublich dynamisch entwickelnden Markt zu finden.

Zunehmend häufige Wechsel im Top-Management über die verschiedenen Ressortverantwortungen hinweg sind nur ein Indiz für die Unsicherheit in den Unternehmen. Der Aufbau von Digitalkompetenz steht auf der Agenda nahezu aller Unternehmen, wird jedoch meist nur sehr halbherzig angegangen.


Stabile Energie mit zu wenigen Frauen


Jürgen Siebert, Kienbaum-Experte Energy & Utilities:

Die Energiebranche beschäftigt die Energiewende mit dem stärkeren Wechsel zu regenerativen Energieformen sowie die Digitalisierung, konkret: Das Nutzen von Informationen, die über die Netzbetreiber gewonnen werden können.

Die Besetzung der Vorstände ist bemerkenswert stabil: Eine Vergrößerung der Vorstände oder eine stärkere Internationalisierung ist in der stark mittelständisch geprägten Industrie nicht erkennbar. Bei den großen Versorgern und Erzeugern wie E.on, Uniper, RWE und EnBw und Vattenfall gibt es hier keine erkennbaren spezifischen Veränderungsabsichten. Ausnahme: Innogy-Chef Peter Terium, der eine Gewinnwarnung herausgegeben hatte, woraufhin die Aktie einbrach und der Niederländer völlig überraschend seinen Posten räumen musste. Ebenso stabil: Die Vorstände und Geschäftsführer in den mittelständischen Stadtwerken, aber auch in der Industrie. CFOs sitzen in der Energiebranche nicht auf dem Schleudersitz, im Gegenteil: Wechsel geschehen eher durch attraktiven Abwerbeangebote aus anderen Branchen (siehe E.On/Siemens).

Ein Platz für Digitalisierungsexperten ist sicher nur bei den großen Versorgern zu erkennen. In den kleineren, regionalen Gesellschaften wird dies eher von einem Vorstand oder auf der Fachebene mit abgedeckt.

Frauen sind in der Energiewirtschaft herzlich willkommen, nur leider, zumindest in den technischen Bereichen, nicht stark genug vertreten. Ausnahme: Querschnittsfunktionen. Frauen rücken auch immer öfter in Vorstände ein. Das aber bei weitem nicht so häufig wie in die Aufsichtsräte. Der Grund: Die Kontrolleure üben nur Teilzeittätigkeiten mit viel geringerem Arbeitsaufwand aus. Eine Vorstands- oder Geschäftsführungsfunktion dagegen erfordert einen vollumfänglichen und über die Maßen hinaus gehenden Einsatz.

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